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Jever-Fun-Lauf Kenianer flitzen in Schortens wieder allen davon

Schortens - Rekordsiegerin Tabitha Wambui Gichia aus Kenia hat dem internationalen Schortenser Jever-Fun-Lauf am Samstagabend zum Abschluss erneut ihren Stempel aufgedrückt. Bei ihrem sechsten Start über 10 englische Meilen (16,09 km) sicherte sich die Kenianerin bereits zum fünften Mal den Titel bei den Frauen. Doch nicht nur die Spitzenläufer ernteten bei der 33. Auflage der Traditionsveranstaltung des Heidmühler FC großen Applaus, sondern auch die vielen anderen Starter in den sieben verschiedenen Wettbewerben. Insgesamt finishten diesmal 1863 Läuferinnen und Läufer und trotzten dabei erfolgreich dem bisweilen starken Gegenwind und Nieselregen.

Beste Stimmung

Die ausgelassenste Stimmung am Streckenrand herrschte insbesondere beim 10-Kilometer-Lauf (778 Finisher) im Zielbereich auf der Menkestraße und Rheinstraße. Lautstark angefeuert wurden dabei auch die vielen Volksläufer, bei denen abseits persönlicher Bestzeiten das Dabeisein an oberster Stelle stand. Zudem waren vor allem unter den mehr als 300 Teilnehmern an der NWZ-Fitnessaktion „Lauf geht’s“ viele Frauen und Männer, die sich erstmals überhaupt bei einem Wettkampf auf diese schon anspruchsvolle Distanz getraut hatten.

An der Spitze des Feldes lief indes Pascal Wedeken zu einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg. Der Osnabrücker hatte im Vorjahr in Schortens den dritten Platz erzielt und freute sich nun umso mehr über seinen diesjährigen Erfolg in 35:44 Minuten.

„Eigentlich hatte ich mir eine 34er-Zeit vorgenommen, aber ich habe auf der letzten Runde Seitenstechen bekommen, so dass nicht mehr drin war“, sagte Wedeken. Zudem hatte er auf das Laufen in einer Gruppe spekuliert: „Aber dafür bin ich wohl etwas zu schnell losgelaufen.“

Mit der Folge, dass er im Alleingang ohne Windschatten vor allem auf der Menkestraße Richtung Ortsausgang voll der mitunter steifen Brise ausgesetzt war: „Da war der Gegenwind teilweise schon brutal. Aber die Stimmung an der Strecke war mal wieder super. Ich komme nächstes Jahr in jedem Fall wieder!“

Auch die schnellste Frau über die 10-Kilometer-Distanz, Michelle Kipp vom VfL Oldenburg (40:21 Min.), zeigte sich nach ihrem Start-Ziel-Sieg hochzufrieden. „Bis Kilometer 1 bin ich noch mit zwei Männern zusammen gelaufen, danach war ich aber an der Spitze auf mich allein gestellt“, erklärte Kipp, die ebenfalls auf der Menkestraße mit dem Gegenwind zu kämpfen hatte: „Dafür kam mir auf dem Rückweg von Start runter dann immerhin der Rückenwind entgegen. Zudem hat einen die gute Stimmung hier in Schortens am Straßenrand zusätzlich motiviert. Wir Läufer sind wirklich toll angefeuert worden – und zwar mehr als bei anderen Läufen.“

Moderator Jochen Heringhaus hielt die Zuschauer derweil bei den unterschiedlichen Rennen gewohnt fachkundig und launig auf dem Laufenden. Für die langjährige „Stimme“ des Jever-Fun-Laufes war die 33. Auflage indes der letzte Auftritt am Mikrofon in Schortens: „Nach 3069 Läufen im 31. Moderationsjahr und im 48. Berufsjahr wird es Zeit, in den Ruhestand zu gehen“, sagte Heringhaus.

Guter deutscher Block

Neben den favorisierten Afrikanern rückte beim abschließenden Hauptlauf über 10 englische Meilen dann insbesondere eine starke deutsche Gruppe in den Fokus und wurde schon vor dem Start entsprechend von den Zuschauern gefeiert. Allen voran Philipp Pflieger, von dem sich übrigens 10-Kilometer-Sieger Wedeken noch kurz vor dem Startschuss flugs ein gemeinsames Erinnerungs-Selfie ergattern konnte.

Pflieger, Olympia-Teilnehmer von 2016 und als 55. in Rio bester Deutscher im Marathon sowie mehrfacher Deutscher Meister, war auch in Schortens im 10-Meilen-Lauf der schnellste Deutsche. Der Publikumsliebling von der LG Regensburg wurde in 49:18 Min. Fünfter und hätte im Zielsprint sogar fast noch den viertplatzierten Tom Mwendwa Mutie (KEN/49:15 Min.) abgefangen.

Am kenianischen Führungstrio biss sich aber auch Pflieger die Zähne aus – genau wie die ebenfalls einen starken Eindruck hinterlassenden Tobias Blum (LC Relingen/7. in 50.08 Min.), der sich eine Teilnahme an Olympia 2020 zum Ziel gesteckt hat, sowie der amtierende Deutsche Meister über 50 Kilometer, Marcel Bräutigam (8. in 51.13 Min.) vom GuthsMuths-Rennsteiglaufverein.

So musste Pflieger, der sich im Aufbau für den Berlin-Marathon Ende September befindet, in der Schortenser Spitzengruppe in Runde zwei etwas abreißen lassen. „Als die Jungs vorn angefangen haben, Tempowechsel zu machen, wurde es schwierig“, sagte der 32-Jährige nach der Zielankunft: „Die sind einfach weg. Danach war es ein Lauf gegen mich selbst und Wind und Wetter. Aber ich habe alles probiert. Es hat richtig Spaß gemacht hier zu laufen, angefeuert von den vielen Leuten in ihren Gärten.“

An der Spitze hatte derweil das Gesetz der Serie auch bei der 33. Auflage Bestand. Seit 1999 bei den Frauen und 2003 bei den Männern kamen die Sieger über 10 englische Meilen beim Jever-Fun-Lauf allesamt aus Kenia. Als Erster überquerte diesmal Hillary Kipkoech bei seinem Europa-Debüt in 47:26 Minuten die Ziellinie. Gefolgt von seinen kenianischen Landsleuten Hillary Kipsambu (47:41 Min.) und Joseph Mbatha Nzoki (47:51 Min.).

Bei den Frauen sicherte sich Tabitha Wambui Gichia in 53:31 Min. dank einer immensen Kraftanstrengung auf der Schlussrunde unter großem Beifall zum bereits fünften Mal nach 2011, 2013, 2016 und 2018 den Siegerscheck in Schortens. Auf den weiteren Podestplätzen landeten die auf der letzten Runde noch abgefangene Kenianerin Janet Ruguru Gichumbi (53:46 Min.) und die Äthiopierin Adal Sintayeyu (58:59 Min.).

Alles rausgehauen

Lange hatte die ab Mitte des Rennens frischer wirkende Gichumbi schon wie die spätere Siegerin ausgesehen. „Aber das wollte sich Tabitha nicht nehmen lassen und hat am Ende nochmal alles rausgehauen“, freute sich Chef-Organisator Rudi Budweg. Und so sprang Gichias niederländischer Manager Charles Paanakker im Zielbereich auch jubelnd in die Höhe, als überraschend doch die bereits 34-jährige Kenianerin als Erste auf die Zielgerade einbog. „Ich hatte zwischendurch mit Muskelproblemen zu kämpfen, umso glücklicher bin ich über den erneuten Sieg“, sagte die nach dem Zieldurchlauf völlig erschöpfte Kenianerin, die zunächst mit Schwindelgefühlen zu kämpfen hatte.

Große Disziplin

Während der ebenfalls von Paanakker betreute Sieger bei den Männern Kipkoech noch rund vier Wochen in Europa bleibt und weitere Rennen absolvieren wird, war Gichia eigens für den Jever-Fun-Lauf angereist und kehrt direkt wieder in ihre Heimat zurück. „Ich freue mich sehr für Tabitha, dass sie wieder gewonnen hat“, sagte Angelique Grooteman, Lebensgefährtin von Paanakker, der schon seit über zehn Jahren mit Gichia zusammenarbeitet. „Sie hat so viel Disziplin und ist einfach ein ganz toller Mensch“, betonte Grooteman. Schließlich trainiere Gichia nicht nur hart, sondern ist „nebenbei“ auch noch zweifache, alleinerziehende Mutter, arbeitet in einem Gefängnis und betreibt einen kleinen Eierhandel.

Im 5-Kilometer-Lauf am frühen Nachmittag überquerten am Ende 531 Teilnehmer abgekämpft, aber zumeist glücklich die Ziellinie. Den Sieg in der männlichen Konkurrenz holte sich Fynn-Luca Wolf vom SVE Wildenloh in 17:37 Minuten. Den zweiten Platz belegte Luca Echterling (18:04 Min.), gefolgt von Folkert Koopmans (TV Marienhafe/18:28 Min.).

Schnellste Läuferin war Rieka Janßen vom SV Gotano, die für die 5 Kilometer 21:19 Minuten benötigte. Zweite wurde die junge Lokalmatadorin Solveig Thoß (WJU 14) vom TuS Oestringen in 21:36 Minuten. Den Bronzerang sicherte sich Lina Ihnken (TuS Eversten/22:21 Min.).

Henning Busch
Henning Busch Redaktion Friesland (Lokalsport)
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