Wildeshausen - Beim HGV-Empfang am Dienstagabend im Reitersaal ging es nicht nur um die wirtschaftliche Entwicklung in der Stadt und die vielen Aktivitäten von Stadtmarketing und HGV. Der Festvortrag beschäftigte sich eher mit dem Thema, warum Wildeshauser nach Bremen fahren.

Werder-Geschäftsführer Dr. Hubertus Hess-Grunewald berichtete, dass hinter Bundesliga-Fußball inzwischen viel, viel mehr steckt als eine Truppe von talentierten Kickern, die in 90 Minuten mehr Tore schießen als der Gegner.

„Als wir noch in der Champions-League spielten, wurde an die Vereine eine Summe von 900 Millionen ausgeschüttet. Mittlerweile sind das 1,4 Milliarden“, so der Werder-Boss. Und die englische Liga kassiere nach ihren jüngsten Abschlüssen mit TV-Vermarktern gar zwei Milliarden. „Da entwickelt sich ein Wettbewerb, bei dem aus deutscher Sicht nur noch die Bayern mithalten können.“

Während ein Bundesligaverein im Durchschnitt auf 136 Millionen Euro Einnahmen käme, seien es bei Werder nur 91. „Wir hängen wirtschaftlich strukturell hinterher.“

Das liege auch an der Größe des Stadions (knapp 42 000 Plätze). Gleichwohl sei der Verein immer noch schuldenfrei. Was freilich nur möglich sei, da man sich nach dem Aus aus der Champions League sukzessive von vielen Großverdienern getrennt habe. Statt auf teure Einkäufe setze man auf den Nachwuchs aus dem Werder-Internat. „Wir wollen Stars formen, keine kaufen.“

Nach seinem Vortrag verteilte der engagierte Hess-Grunewald dann an die Gäste noch Mitgliedsanträge. Wolfgang Sasse revanchierte sich mit seiner Visitenkarte. „Nächstes Jahr werden wir 125 Jahre alt. Da wäre ein Gastspiel von Werder sehr willkommen“, meinte der Vorsitzende des VfL Wittekind.

Vor dem Vortrag des Werder-Chefs hatten Landrat Carsten Harings und Bürgermeister Jens Kuraschinski kurze Reden gehalten. Harings betonte, wie wichtig Respekt sei. Im Sport gegenüber dem Schiedsrichter und gegnerischen Spielern wie auch in der Verwaltung. Dass Landräte oder Ministerpräsidenten bedroht würden wie zuletzt im Fall Tröglitz sei ein Unding. „Respekt muss neuen Einzug in unsere Gesellschaft halten.“

Johannes Lenzschau hatte zuvor in rekordverdächtigen 21 Minuten die Hauptversammlung des HGV abgehalten. Wahlen gab es keine. Kassenwart Jürgen Poppe bescheinigte eine schwarze Null. Kassenprüfer Stephan Janßen gab ebenfalls sein Okay. Und als Kassenprüfer verabschiedet wurde Bernd Neteler.