Westerstede - Eine Anfängerin bin ich nicht. Es ist zwar eine gefühlte Ewigkeit her, dass ich aushilfsweise hinter einem Tresen stand, um Gäste zu bedienen. Aber ein komisches Gefühl beschleicht mich dann doch, als ich am Sonntagnachmittag meinen „Arbeitsplatz“ auf dem Westersteder Nikolausmarkt ansteuere. Bestellungen aufnehmen, Getränke einschenken, kassieren, Wechselgeld herrausgeben – ich weiß, wie anstrengend das sein kann. Für eine Weile möchte ich mit Ehrenamtlichen des Fußballsportvereins (FSV) Glühwein und Kinderpunsch, Jagertee und Grog oder Kaltgetränke verkaufen.
Doch alles ist easy: Wir sind so gut besetzt, dass ich um Arbeit betteln muss, aber einen Kinderpunsch kann ich zwischen zwölf anderen helfenden Händen schließlich einschenken und ein Glas abtrocknen.
Dabei gibt es ganz andere schweißtreibende Zeiten. „Am Sonnabendabend wussten die Helferinnen kaum, wo ihnen der Kopf stand, soviel war zu tun“, sagt Friedrich (Bully) Seeger, der sich seit Jahrzehnten im Bereich Frauen- und Mädchenfußball für den FSV engagiert. Massenandrang in der FSV-Bude hat es auch am Freitagabend gegeben und kaum, da ich fort war, am Sonntagnachmittag.
Zu meiner Zeit ist gut zu tun – das Stammteam hat alles fest im Griff. Sarah, Cathi, Louisa und Lara – B-Juniorinnen beim FSV – bedienen die Gäste und werden dabei von den Müttern Petra Willms und Heike Stenzel unterstützt. Immer vier Jugendliche und zwei Erwachsene bilden eine Schicht. Drei Schichten sind es an diesem Tag.
Dass es die B-Juniorinnen, deren Eltern und Trainer Achim Frey sind, die sich beim Nikolausmarkt so ins Zeug legen, hat einen guten Grund: „Wir sind auf Punktejagd“, erklären Cathi und Louisa und lachen, als sie mein fragendes Gesicht sehen. Bully Seeger erläutert: „Ehrenamtliche Arbeit wird bei uns im Verein durch Punkte bewertet und wer sich stark engagiert, bekommt viele Punkte und damit auch starke Unterstützung vom Verein.“ Deshalb werden auch in der FSV-Bude nicht nur Getränke verkauft, sondern auch Glücksraddrehen wird angeboten. Gewinnen kann man Pflanzen, Weihnachtssterne.
Wofür benötigen die Mädels viele Vereinspunkte? Sie brauchen Geld. Im Sommer 2017 ist wieder eine dreiwöchige USA-Reise geplant, Ziele sind Redlands bei Los Angeles, Las Vegas und San Bruno bei San Francisco. Natürlich werden dort auch verschiedene Spiele ausgetragen. Um zusätzlich für Spenden zu werben, steht auch ein kleines Schweinchen auf dem Tresen in der FSV-Bude und in einem Zeitungsartikel, der daneben liegt, wird über die USA-Reise informiert.
„So mancher spendet uns sein Pfandgeld fürs Glas“, berichten die Mädels, als plötzlich eine junge Frau von ihnen steht. „Trinken möchte ich nichts, aber ich möchte gern etwas spenden“, sagt sie und greift zum Portemonnaie.
