SEDELSBERG - Am Ende der vergangenen Saison musste der FC Sedelsberg einen der bittersten Momente seiner langen Geschichte erleben. Der Fußballclub stieg von der Kreisliga in die I. Kreisklasse ab. In der Spielzeit 1956/1957 hingegen zählten die Sedelsberger nach dem Aufstieg in die Amateurliga II zu den besten Adressen in der gesamten Region. In der dritthöchsten Spielklasse spielten sie gegen Teams wie Blau Weiß Lohne oder Frisia Goldenstedt. Die Heimspiele waren Volksfeste, die Zuschauerzahl stets vierstellig.
Sedelsbergs damaliger rechter Läufer Heinrich Deddens erinnert sich: „Sonntags war der Teufel los, und dementsprechend haben wir Gas gegeben.“ Die Begeisterung kannte keine Grenzen. Nachbarvereine verlegten ihre Heimspiele, wenn Sedelsberg parallel vor eigener Kulisse spielte. Der ganze Ort stand hinter dem Club. Pastor Meyer erinnerte in seinen Sonntagspredigten stets daran, dem FCS doch die Daumen zu drücken.
Zwei Männer waren die Säulen des Aufschwungs: der Vorsitzende Eduard Hinrichs und Trainer Fritz Blaschke. Letzterer trainierte die Sedelsberger nur nebenbei. Er war eigentlich hauptamtlicher Coach des VfB Oldenburg. „Er kam nur mittwochs. Dann wurde aber auch drei Stunden lang trainiert“, sagt Deddens. Blaschke hinterließ bei den Spielern einen bleibenden Eindruck. „Er war ein knallharter Trainer. Aber er hat uns auf Kurs gebracht“, sagt Rechtsaußen Erich Kranzusch.
Robert Lessentin spielte damals linker Verteidiger. Er erinnert sich noch gut an die Trainingsinhalte. „Zu Beginn haben wir ein paar Platzrunden gedreht und anschließend viel mit dem Ball gemacht.“ Mit einem Augenzwinkern erklärt er, warum ein prominenter Trainer wie Fritz Blaschke überhaupt beim FCS angeheuert hatte: „Bei uns gab es damals die beste Währung: Butter und Speck.“
Ein Höhepunkt der Saison war das Pokalspiel gegen Germania Leer. Die Sedelsberger Sportanlage platzte aus allen Nähten, als der haushohe Favorit mit seinem Anhang anreiste. Während sich die Spieler aufwärmten, zeigten sich die Leeraner Fans in der Sedelsberger Vereinsgaststätte noch siegessicher. „Heute bekommt ihr eine Packung“, versicherten sie den Anhängern des Gegners. Doch sie hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Sedelsbergs Mannschaft spielte bärenstark, führte bereits zur Pause 3:0 und gewann das Spiel mit 4:2. Jupp Focken schoss drei Tore. „Wir haben an dem Tag wirklich ein tolles Spiel gemacht“, blickt Lessentin zurück.
In der Liga taten sich die Sedelsberger indes schwer. Viele Spieler konnten aus beruflichen Gründen nicht an allen Partien teilnehmen. Robert Lessentin ging zum Beispiel 1957 nach Wolfsburg. Er bekam dort eine Stelle als Maler. Erich Kranzusch fehlte ebenfalls häufig. „Das hat uns den Klassenerhalt gekostet“, meint er.
War die Mannschaft aber komplett, spielte sie tollen Fußball. Dies bekam auch Goldenstedt zu spüren. Sedelsberg schlug den späteren Meister 4:0. Dennoch dauerte das Gastspiel in der Amateurliga II nur ein Jahr. Die Saterländer stiegen als Vorletzter in die Bezirksklasse ab.
Was bleibt, ist die Erinnerung an tolle Fußballspiele und Typen wie Torwart Bernd Plaggenborg, der mit seiner Schlägermütze durch den Strafraum hechtete. Ein Angebot des VfB Oldenburg lehnte er ab. „Er war ein bodenständiger Kerl“, sagt Lessentin. Auch Erich Kranzusch blieb den Sedelsbergern treu. Trainer Blaschke wollte den begabten Rechtsaußen zwar zum VfR Mannheim lotsen. Doch dieser Versuch schlug fehl. „Für mich war klar, dass ich bleibe. Die Frage, ob ich wechsele oder nicht, hat sich mir nie gestellt“, sagt Kranzusch.
