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Menschen Des Jahres Lieber Robin Hood als Puppenmutti

Seefeld - „Ich war nicht das typische Mädchen mit Puppen“, erzählt Birgit Berndt aus ihrer Kindheit. Sie mochte es lieber etwas derb – zum Beispiel als Cowboy. Heute erinnert sie mehr an Robin Hood, genau wie ihr Mann Peter.

Der kommt eigentlich vom Fußball und hatte, wie seine Frau, mit Bogenschießen lange nichts am Hut. Es war der Betriebssport im Einswarder Flugzeugwerk, der beide auf die richtige Spur brachte. Als dieser Sport vor 15 Jahren im Werk erstmals angeboten war Birgit Berndt Feuer und Flamme, während Peter zunächst nur als ihr Fahrer fungierte.

In der „Hall of Shame“

„Der erste Schuss ging total daneben“, erinnert sich Birgit Berndt, „der ging in die Hall of Shame“. Ihr Arm war grün und blau, von Arm- und Fingerschutz hatte sie noch nichts gehört. Aber aufgeben? Kam nicht in Frage!

Denn die gebürtige Nordenhamerin war begeistert: „Bogenschießen ist ein KAK-Sport“, stellt sie knapp fest und wartet kurz auf die Reaktion ihres Gegenübers, der den Ausdruck ja nur gehört und nicht gelesen hat. Dann löst sie auf: KAK steht für Kraft, Ausdauer und Konzentration. Wer mit dem Bogen schießt, trainiert seine Arm- und Rumpfmuskulatur und kommt zur Ruhe. „Wir hatten schon ADHS-Kinder hier, die sind ganz ruhig geworden“, erzählt Peter Berndt, der in Seefeld Paule genannt wird.

Der 69-jährige gebürtige Gelsenkirchener kümmert sich um die Breitensportler, sie um die Turniersportler. Vor fünf Jahren hat das Ehepaar nach dem Ende seines Berufslebens die Bogensparte des Schützenvereins Seefeld gegründet, vor anderthalb Jahren ist die Gruppe geschlossen zum Seefelder Turnverein gewechselt. Zunächst waren sie Schießsportleiter, vor drei Jahren erwarben sie die Trainerlizenz. „Das Kleine Latinum reichte uns nicht mehr“, sagt Peter Berndt. Der Lehrgang dauerte ein halbes Jahr und fand in Bassum bei Bremen statt. Auf dem Weg dorthin konnte das Ehepaar noch mal üben. Themen des Kurses waren Technik, Psychologie, Gesundheit und Ernährung.

Rundum-Sorglos-Paket

„Wir sind nicht nur Trainer, wir leben den Trainer“, sagt Birgit Berndt. Das findet bei den rund 30 Mitglieder der Sparte, darunter 15 Kinder und Jugendliche, Beifall: „Eine Schützin sagte einmal, wir seien das Rundum-Sorglos-Paket.“

Wer zum Schnuppern bekommt, erhält in den ersten Wochen einen Vereinsbogen. Wer dabei bleibt, bekommt einen Leihbogen für ein halbes Jahr, wobei die Ausleihe verlängert werden kann. Erwachsene zahlen 70 Euro, Kinder 30. Das Ehepaar justiert den Bogen, repariert die Pfeile, baut – mit Unterstützung von Mitgliedern – die Trainingsutensilien auf, und hat immer einen Reparaturkoffer dabei.

Teilnehmer an einem Turnier melden die Berndts an, kassieren und überweisen das Startgeld und organisieren Fahrgemeinschaften. Birgit und Peter Berndt fahren zur jedem Turnier mit, an dem ihre Schützlinge teilnehmen – ob sie nun selbst antreten oder nicht. „Und wir sind Seelsorger“, sagt die 67-Jährige. Wenn es bei einem ihrer Leute mal nicht so gut läuft, können die beiden auch trösten.

Die Bogensportler kommen aus der ganzen Umgebung, von Tossens bis Oben-strohe und von Rodenkirchen bis Nordenham, nur aus Seefeld sind ganz wenige. Die Mitglieder teilen sich in drei Gruppen: ehrgeizige Sportler, die an Turnieren teilnehmen wollen, Spaßsportler und Gesundheitssportler. „Aber alle trainieren gleich“, sagt Peter Berndt.

Mit Gummistiefeln

Eine Altersbeschränkung gibt es nicht: Wer körperlich in der Lage ist, mit dem Bogen zu schießen, kann teilnehmen. Auch Ältere können noch mit diesem Sport anfangen: „Wir sehen schnell, ob einer es schafft oder nicht“, hat Birgit Berndt ihre Erfahrungen. Trainiert wird montags ab 18 Uhr und sonnabends von 16 bis 18 Uhr – im Winter in der Seefelder Turnhalle, im Sommer auf dem Sportplatz – auch bei Regen. Dann kommen die Erben Robin Hoods eben in Gummistiefeln.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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