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NWZonline.de Sport

Als Costa Cordalis bei der WM startete

20.02.2019

Seefeld Startnummer 17 ging es nicht gut. Der wohlgebräunte Herr im gesetzten Sportleralter stapfte mühsam die Tiroler Berge hinauf. Und irgendwann wird sich der damals 40-jährige Costa Cordalis, hauptberuflich Schlagerstar und nebenberuflich bester Skilangläufer Griechenlands, gewünscht haben, jetzt lieber irgendwo allein in Mexiko zu sein als bei dieser nordischen WM 1985 in Seefeld.

„Mörderisch“ sei es gewesen, sagte Cordalis damals, verwachst habe er obendrein und sich im Vergleich mit den Besten gefühlt „wie ein mittelmäßiger Karaokesänger, der sich musikalisch mit mir duellieren will“, wie er später in seiner Biografie schrieb.

34 Jahre nach der Loipen-Marter des „Anita“-Barden finden im österreichischen Seefeld wieder Weltmeisterschaften statt. Doch sollte nicht gerade Lokalheld Andreas Gabalier als Volksskispringer einmal positive Schlagzeilen schreiben wollen, wird eine Geschichte wie die des dunkelgelockten Hellenen, der Gold in der Kehle, aber leider Blei in den Beinen hatte, eine einmalige Kuriosität bleiben.

Entstanden war Cordalis’ Liebe zum Langlauf in den 1970er-Jahren während der Dreharbeiten zur ZDF-Vorabendserie „Engadiner Bilderbogen“, in der ausgerechnet der passionierte Berufsgrieche einen Studenten mimte, der, so Cordalis, „Ski-Unterricht gibt, den Frauen in den Bars den Kopf verdreht – und dazu auch noch das eine oder andere Lied singt“.

„Cordalis, der Loipenhengst“ (Neue Zürcher Zeitung) war angefixt, übte im Schwarzwald – unter Anleitung seines Golftrainers – „wie ein Besessener“, machte Fortschritte, startete beim legendären Wasalauf, hospitierte bei Deutschlands Nationalmannschaft und besiegte bei „Wetten, dass...?“ im Skiroller-Duell Georg Zipfel, den späteren Bundestrainer.

Im nationalen Qualifikationsrennen am griechischen Berg Vermion löste Cordalis (heute ist er 74 Jahre alt) das Ticket für Olympia 1984 in Sarajevo. Doch Griechenlands Sportpolitiker verhinderten seinen Start, weil sie die Ambitionen des Troubadours mit dem bürgerlichen Namen Konstantinos Kordalis für Kokolores hielten.

In Deutschland hagelte es Spott für den verhinderten Olympioniken, der aber Rückhalt im griechischen Skiverband fand. Dessen Funktionäre überredeten Cordalis zum „WM-Projekt Seefeld“ und machten ihn zum Fahnenträger. „Mein griechischer Stolz kehrt wieder zurück“, schrieb Cordalis später: „Der 18. Januar 1985 wird zu einem Meilenstein in meinem Leben.“

An jenem Tag trat Cordalis im 30-km-Rennen an. „Alles andere als der letzte Platz wäre eine Sensation“, sagte sein Manager Herbert Nold. 50 Minuten hinter Schwedens Weltmeister Gunde Svan erreichte er als 75. und Schlusslicht das Ziel, wo ihn Schlagerproduzent Ralph Siegel und dessen Ehefrau Dunja „wie einen Weltmeister empfangen“.

Die Erlebnisse von Seefeld fasste er später zum musikalischen Mahnmal mit dem Titel „Auf die Ski und los“ zusammen. „Dann folgst du wieder weißen Spuren, und fühlst dich leicht wie eine Fee“, schmachtete er da: „Du hast wie ich dein Herz verloren, an die Bretter und den Schnee.“ Das reichte nicht einmal zu Platz 75 – in den Charts.

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