Vor den olympischen Segelwettbewerben ist die schlechte Wasserqualität im Revier vor Rio ein großes Thema gewesen. Natürlich ist es immer schöner, in sauberem Wasser zu segeln. Für die sportliche Qualität der Wettbewerbe aber wird die Wasserqualität nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die meisten Segler, die sich Chancen auf Olympia ausgerechnet haben, waren bereits – zum Teil schon vor zwei Jahren – in Rio und haben bis zu 100 Tage dort auf dem Wasser trainiert. Die Sportler haben sich darauf eingestellt und mit den Gegebenheiten vertraut gemacht.

Deshalb gehe ich davon aus, dass wir nach dem Beginn der Regatten an diesem Montag deutlich weniger darüber hören werden, als das im Vorfeld der Fall war.

Nichtsdestotrotz ist es wichtig, dass die Segler um den vielen Müll herumfahren, den es in der Bucht vor Rio tatsächlich gibt. Es kann schnell etwas an Schwert und Ruder festhängen. Bei starkem Regen ist das sogar noch gefährlicher. Das Revier in Rio ist – abgesehen von mangelnder Sauberkeit und Müll – auch wegen der starken Strömung sehr anspruchsvoll. Ich bin in noch keinem Revier gesegelt, in dem die Strömung so komplex. Ähnlich starke Strömungen gibt es auch am Jadebusen bei Wilhelmshaven, meinem Heim-Revier, kommen sonst aber selten vor.

Die Rennen in Rio werden deshalb eine regelrechte Multitasking-Aufgabe. Neben der Strömung ist auch der Wind, wegen des Zuckerhuts und anderen Bergen, sehr unstetig und schwierig vorherzusehen. Es gilt, das so gut wie möglich auszubalancieren.

Für zwei Deutsche starten am Montag die Wettbewerbe. Philipp Buhl ist ein sehr starker Laser-Segler und führt derzeit die Weltrangliste an. Das Feld in Rio ist allerdings eng besetzt, es gibt keinen absoluten Favoriten. Insgesamt werden elf Regatten gefahren. Vorentscheidungen wird es am Montag noch nicht geben.

Es kommt vor allem auf Konstanz an. Philipp hat bei drei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften gezeigt, dass er gut ist, wenn es drauf ankommt. Ich wünsche ihm, dass es auch in Rio klappt.

Für Windsurfer Toni Wilhelm sind es die dritten Spiele. Er kann auf einen großen Erfahrungsschatz und gute Fitness zurückgreifen. In London 2012 hat er eine Medaille knapp verpasst. Vielleicht reicht es dieses Mal.