Redaktion Berlin
Bernd Schiphorst hat in seinem Leben bislang viele Aufgaben bewältigt und Tätigkeiten ausgeübt. Nur eines wird er nicht werden: Kartenverkäufer. Dabei wird der 1943 in Oldenburg geborene und aufgewachsene Medienmanager nach eigenen Angaben derzeit täglich darauf angesprochen, ob er nicht Tickets für die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft besorgen kann. „Inzwischen beginne ich jedes Gespräch mit dem Satz: Ich habe keine Tickets. Ich denke, das haben jetzt alle begriffen“, sagt Schiphorst beim Treffen in einem Hotel am Gendarmenmarkt, in dem er jeden Morgen zu frühstücken pflegt. Dabei ist er von einem halben Dutzend Zeitungen umgeben.
Dass der 63-Jährige mit Anfragen nach Eintrittskarten bestürmt wird, liegt an einer seiner zahlreichen Aufgaben. Schiphorst ist Vorsitzender der Berliner Außenstelle des Organisationskomitees für die Fußball-WM. Gemeinsam mit rund 50 Mitarbeitern soll er den reibungslosen Ablauf am Spielort Olympiastadion gewährleisten. „Das Meiste ist fertig. Jetzt sind wir bei Klein-Klein“, erzählt er. Und diese Kleinigkeiten reichen von der Zuweisung von Stellplätzen für Übertragungswagen bis hin zu der Frage, wo auf dem weitläufigen Areal am Stadion überall Toilettenhäuschen aufgestellt werden sollen.
Schiphorsts Engagement bei der WM kommt nicht von Ungefähr. Bereits seit 2000 ist er Präsident des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Dabei liegen seine sportlichen Wurzeln beim Basketball. In den 60er Jahren spielte er in der Mannschaft des Oldenburger Turnerbundes, leitete als Gymnasiast sogar die Basketball-Abteilung. „Mein Vater ist fast verrückt geworden, dass ich kurz vor dem Abitur noch diesen Job übernommen habe“, erzählt Schiphorst mit sichtlichem Vergnügen bei einer Tasse Tee. Die Angst des Vaters war unbegründet. Nach bestandenem Abitur absolvierte der Filius ein Volontariat bei der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“ („Ich wollte eigentlich Sportreporter werden.“), wechselte dann aber 1964 zum Studium der Volkswirtschaft, Publizistik und Politologie nach Berlin. „Das war die aufregendste Zeit meines Lebens. Die Stadt kochte“, erinnert sich Schiphorst.
Sein Aufstieg als Medienmanager begann 1970 allerdings in Hamburg beim Verlag „märkte und medien“. 1979 schließlich folgte der Wechsel zum Bertelsmann-Konzern. „Ich war der Spezialist für den Aufbau von Geschäftsfeldern“, erläutert der 63-Jährige bei Vollkornbrot und Forellenfilet. Als „Geheimwaffe“ für neue Medien zeichnete Schiphorst unter anderem verantwortlich für die Bertelsmann Fernsehtochter Ufa („Beruflich die tollste Zeit.“) und bis 2000 für den Online-Dienst AOL in Deutschland.
Das Vermitteln von Inhalten ist sein Metier, seine Berufung und Beruf – auch nach seinem Weggang von Bertelsmann im Jahr 2000. Als Vorstand der Beratungsfirma WMP Eurocom in Berlin hilft Schiphorst seit 2003 zahlungskräftigen Kunden, Kontakte zu knüpfen. „Wir bringen Leute zusammen, das ist unser Job.“
Mit WMP ist Schiphorst nach Berlin zurückgekehrt, pendelt aber regelmäßig von seinem Wohnsitz Hamburg. „Hamburg ist die schönste Stadt, um zu leben. Berlin hingegen ist sehr inspirierend. Hier lassen sich Ideen noch umsetzen“, schwärmt er. Und so taucht er „jeden Morgen mit Freude ins Leben“. Seine Kontakte in die oldenburgische Heimat hat er übrigens aufrecht erhalten. Auf „seine“ Basketballer, die inzwischen als EWE Baskets firmieren, hat er immer noch „ein Auge“ und besucht, wenn möglich, deren Heimspiele.
