Bordeaux - Ex-Bundesligaprofi Ivan Perisic hat Titelverteidiger Spanien den Gruppensieg entrissen und damit den schweren Achtelfinal-Klassiker gegen Italien eingebrockt. Der frühere Wolfsburger erzielte am Dienstagabend in Bordeaux in der 87. Minute den Siegtreffer zum überraschenden 2:1 (1:1) für Kroatien. Damit kassierte Spanien nach 14 EM-Spielen wieder eine Niederlage und bekommt es nun am Montag (18 Uhr) in Saint-Denis mit dem wiedererstarkten Ex-Weltmeister Italien zu tun. Kroatien trifft am Sonnabend (21 Uhr) in Lens auf einen Gruppendritten.
Vor 37 245 Zuschauern hatte Nikola Kalinic mit seinem Ausgleichstor in der 45. Minute Kroatien zurück ins Spiel gebracht. Zuvor hatte Spaniens Torjäger Alvaro Morata mit seinem dritten Turnier-Treffer den Favoriten in Führung gebracht (7.). Das reichte aber nicht. Zu allem Überfluss scheiterte Abwehr-Ass Sergio Ramos auch noch per Foulelfmeter an Kroatiens Schlussmann Danijel Subasic (72.).
„Wir stehen wieder unter den letzten 16. Jetzt müssen wir gegen die schwierigeren Teams ran, aber wer Europameister werden will, muss gegen jeden gewinnen“, sagte Ramos trotzig.
Die Spanier hatten in einem packenden Spiel zwar gewohnt mehr Ballbesitz, doch die Kroaten blieben mit ihrem schnellen Umschaltspiel brandgefährlich. Dabei waren die beiden Leistungsträger Luka Modric (angeschlagen) und Mario Mandzukic gar nicht in der Startelf. Die verspielte Führung beim von Fan-Ausschreitungen überschatteten Skandalspiel gegen Tschechien (2:2) schien die Kroaten nicht mehr zu beeinträchtigen.
Dennoch sah es zunächst so aus, als würde alles seinen gewohnten Gang gehen. Morata drückte nach einer tollen Kombination über David Silva und Cesc Fabregas den Ball schon nach sieben Minuten über die Linie. Mehr Sicherheit gab die Führung den Spaniern aber nicht. Im Gegenteil: Kroatien bereitete der im Turnierverlauf kaum geprüften spanischen Innenverteidigung einige Probleme.
In der 14. Minute vertändelte Spaniens Torwart David de Gea den Ball, der anschließende Lupfer von Ivan Rakitic touchierte allerdings Pfosten und Latte. Kurz vor der Pause traf Kalinic sehenswert per Hacke zum Ausgleich.
Nach Wiederbeginn ließ es Spanien zunächst gemächlich angehen. In der 57. Minute scheiterte Kroatiens Tin Jedvaj an einer Fußabwehr De Geas, im Nachsetzen setzte Marko Pjaca einen Fallrückzieher nur knapp neben das Tor.
Die größeren Chancen hatte aber der dreimalige Europameister, speziell in Person von Ramos. Erst scheitert der Verteidiger per Kopf (68.), dann vom Elfmeterpunkt (72.). Der Strafstoß war allerdings sehr fragwürdig, Schiedsrichter Björn Kuipers (Niederlande) wollte ein Foul von Sime Vrsaljo an Silva gesehen haben. Dieser Fehlschuss rächte sich, als Perisic kurz vor Schluss für Kroatien zuschlug.
