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NWZonline.de Sport

Fußball-Tranfermarkt: Spielen Chinesen bald wie Brasilianer?

13.01.2016

Rio De Janeiro /Peking Er hätte daheim in Brasilien den frisch gewonnenen Ruhm bei Meister SC Corinthians auskosten können, aus dem internationalen Schaufenster Fußball-Bundesliga lag ein akzeptables Angebot von Schalke 04 vor, doch Renato Augusto entschied sich für das verlockende Millionengehalt und das fußballerische Inkognito beim „No-Name“-Club Beijing Guoan.

Wie der 27-Jährige, der zwischen 2008 und 2012 für Bayer Leverkusen spielte, tauchen fast täglich neue Akteure aus Brasiliens Liga auf den Einkaufslisten des gierigen Fußballdrachens auf. Talente und Club-Idole aus dem Land des fünfmaligen Weltmeisters sind in Fernost gefragt, den heimischen Clubs mit engem Budget die Hände gebunden.

„Ich habe nicht China gewählt, China hat mich gewählt“, sagte deshalb der torgefährliche Mittelfeldspieler, der angesichts des kolportierten Jahresgehalt von umgerechnet 5,5 Millionen Euro beim Erstligisten aus Peking „nicht mehr Nein sagen“ konnte. Ebenso Jadson und Ralf, zwei Stützen aus dem Meisterteam. Der Ausverkauf geht weiter.

Laut des FIFA-Transferabgleichungssystems TMS gab Chinas Fußball zwischen 2011 und 2013 jährlich 37,5 Millionen US-Dollar für Auslandseinkäufe aus. 2014 waren es bereits 102 Millionen US-Dollar. Und im vergangenen Jahr stieg die Summe nochmals auf geschätzt 108 Millionen Dollar an.

Das Geld kommt von großen Firmen, in deren Hand die meisten Vereine sind. „Der Clubunternehmer, der zeigt, dass er ein gutes Team beisammen hat, wird die Anerkennung und Dankbarkeit des chinesischen Präsidenten gewinnen“, betonte Charles Tang, Vorsitzender der brasilianisch-chinesischen Handelskammer. Auch Steuernachlässe für Investitionen in den Fußball locken.

Staatsoberhaupt Xi Jinping, seit 2013 im Amt, gilt als fußballverrückt, will China auch am Ball weltweit vorne sehen. Seine langfristigen Pläne: Fußball als Kindersport populär machen, die WM ausrichten, Weltmeister werden. Fußball als Staatsprojekt.

Im Kampf um seine Sympathien hat derzeit Meister Guangzhou Evergrande, im Besitz eines Immobiliengiganten, die Nase vorne. Bei Asiens Champions-League-Sieger, jüngst bei der Club-WM dem FC Barcelona im Halbfinale unterlegen, spielen gleich fünf der mittlerweile 20 Erstliga-Brasilianer, darunter mit Seleção-Einsätzen Robinho, Paulinho und Ricardo Goulart.

Erst bei ausländischen Fachkräften abschauen, dann auf eigenen Beinen gehen. Was schon in Industriezweigen wie der Automobil-Branche funktioniert, soll Chinas Fußball voranbringen. Das nötige Knowhow kommt auch von drei Ex-Seleção-Trainern: Luiz Felipe Scolari (Guangzhou), Mano Menezes (Shandong Luneng) und Vanderlei Luxemburgo (Zweitligist Tianjin Songjiang) brachten dabei einen ganzen Betreuerstab mit.

„Laut Vertrag muss einer der Assistenten aber Chinese sein, damit sie lernen“, berichtet Erfolgscoach Cuca, der 2014 als Libertadores-Cup-Triumphator mit Atlético Mineiro aus Belo Horizonte zu Shandong kam, dort aber Ende letzten Jahres entlassen wurde. Modell steht Japan, das mit Brasilien-Importen wie Zico anfing und heute selber Talente in Europas Topligen exportiert.

Doch im neuen Eldorado ist nicht alles Gold, was glänzt. Brasiliens Nationaltrainer Dunga ignoriert China. So verlor Diego Tardelli nach seinem Wechsel zu Shandong seinen Platz bei den Canarinho„. Das gleiche Schicksal droht Renato Augusto, der im vergangenen September nach vier Jahren Abstinenz sein Comeback im kanariengelben Trikot gegeben hatte.

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