[SPITZMARKE]ISTANBUL/HAMBURG - ISTANBUL/HAMBURG/DPA/SID - Die hässlichen Jagdszenen im Sükrü Saracoglu-Stadion von Istanbul nach dem WM-Qualifikationsspiel der Türkei gegen die Schweiz haben ein Nachspiel: Fifa-Präsident Joseph Blatter reagierte gestern empört auf die Auswüchse und kündigte Konsequenzen für die Türkei bis zu einem möglichen Ausschluss von der WM-Ausscheidung für 2010 an. „Was passiert ist, ist des Fußballs unwürdig. Das habe ich noch nie erlebt. Wir werden die Verantwortlichen bestrafen und hart durchgreifen“, sagte der Chef des Weltverbandes. Die Fifa leitet noch heute die Ermittlungen ein. Bis zur WM-Gruppenauslosung am 9. Dezember in Leipzig will die Fifa-Disziplinarkommission ein Urteil gefällt haben.
Unmittelbar nach ihrem letztlich wertlosen 4:2-Sieg über die Eidgenossen fielen die frustrierten Türken über die gegnerischen Spieler her und traktierten sie mit Füßen und Fäusten. „Jeder musste um sein eigenes Leben rennen. Ordner und türkische Spieler sind auf uns los gegangen“, schilderte der Stuttgarter Bundesliga-Profi Marco Streller die schlimmen Jagdszenen. Özalan Alpay vom 1. FC Köln trat Augenzeugenberichten zu Folge den Frankfurter Benjamin Huggel nieder.
„Es war unfassbar. Türkische Spieler und Ordnungskräfte haben auf uns eingeprügelt. Ich habe Schläge gegen den Kopf und in den Rücken bekommen. Die Altintop-Brüder haben mich in die Mitte genommen und mich gegen ihre Teamkollegen verteidigt und mich in die Kabine gebracht“, erklärte der Schweizer Raphael Wicky.
Hamit Altintop hat die Vorgänge nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz bedauert. „Was da passiert ist, passt nicht zum Sport“, sagte der Profi des Bundesligisten Schalke 04 gestern. „Wir haben uns zwei Stunden in der Kabine eingeschlossen. Später wurden wir unter Polizeischutz ins Hotel gebracht“, berichtete Wicky.
Die Türken warfen der Fifa ein abgekartertes Spiel vor. „Man darf nicht vergessen, dass das Theater in der Schweiz angefangen hat, als unsere Nationalhymne aufs Schlimmste missachtet wurde“, kritisierte Sekip Mosturoglu, Vizepräsident des türkischen Verbandes. Er berichtete, dass zwei türkische Sicherheitskräfte durch Schweizer Spieler verletzt wurden.“
Unterdessen droht der türkische Abwehrspieler Alpay beim 1. FC Köln auf die Bank verbannt zu werden. „Er steht unter einem enormen psychischen Druck“, sagte Trainer Uwe Rapolder gestern. Türkeis Kapitän und Torjäger Hakan Sükür hat sogar seinen Rücktritt aus dem Nationalteam angekündigt.
Fan-Ausschreitungen bei der WM in Deutschland werden nicht erwartet. „Wenn es Probleme gibt, dann eher weit außerhalb der Städte, fernab der Stadien und Fan-Feste. Die neuralgischen Punkte liegen da, wo sich Autobahnen und Bahnlinien kreuzen“, sagte der Sportwissenschaftler Gunter A. Pilz.
