[SPITZMARKE]TURIN - TURIN/DPA - Seine Trainingsrunden dreht er in flatterndem gelben T-Shirt und ausgebeulter Lappland-Mütze, als Haustier hält er eine Schlange, an seinem Kühlschrank hängt das Konterfei des Konkurrenten: Shani Davis, schwarzer US-Amerikaner, ist eben anders. „Die Hautfarbe spielt keine Rolle. Ich will der Schnellste sein und bin froh, wenn ich damit Menschen glücklich machen kann, Schwarze und Weiße“, sagt der 23-Jährige. Er ist nach der Eisschnelllauf-Entscheidung über 1000 Meter im Oval Lingotto der erste schwarze Winter-Olympiasieger in einer Einzel-Disziplin.

In 1:08,89 unterbot Davis zugleich den Weltrekord, um 0,22 Sekunden. Der Allround-Weltmeister beendete damit zugleich die lange Serie von Außenseitersiegen auf der jüngsten olympischen Einzelstrecke. Seit 1976 hatte es – außer beim Sieg des US-Amerikaners Eric Heiden 1980 in Lake Placid – immer Favoritenstürze gegeben. Silber gewann 500-Meter-Sieger Joey Cheek (USA/1:09,16), die Bronzemedaille ging an den Niederländer Erben Wennemars (1:09,38).

Erst vor wenigen Tagen war der Exzentriker aus Chicago bei den anderen US-Läufern in Ungnade gefallen, weil er einen Start im Team- Wettbewerb abgelehnt hatte, um sich optimal auf seine Spezialstrecke vorzubereiten. „Viele nennen mich unpatriotisch oder egoistisch. Aber ich bin kein Team-Läufer. Seit dem sechsten Lebensjahr habe ich den Traum, bei Olympia die 1000 Meter zu gewinnen, im Shorttrack oder auf der langen Bahn“, sagte er.