Löningen/Hannover - Wenn sie demnächst beim Gewichtheben oder Stabhochsprung auftauchen würde, dürfte sich auch niemand mehr wundern: Multitalent Tina Deeken aus Löningen, im Winter zu Niedersachsens Behindertensportlerin des Jahres gekürt, gibt zurzeit den zwei ersten Silben des Begriffs Para-Sport eine neue Bedeutung. Bei ihr scheint das „Para“ für parallel zu stehen, hat sie doch in ein und demselben Frühling praktisch parallel in drei verschiedenen Sportarten Höchstleistungen erbracht. Gleich bei drei Deutschen Para-Meisterschaften holte sie Medaillen. Ihre Vielseitigkeit wird aber auch abseits des Sports immer wieder deutlich.
Rasant im Rennrolli unterwegs
Im April hatte die ehemalige Sportlerin des VfL Löningen, die inzwischen als Lehrerin in Hannover lebt und arbeitet, bei der Leichtathletik-Para-DM in Berlin geglänzt. Im Rolli war sie als Zweite des Halbmarathons ins Ziel gefahren. Mitte Mai ging es dann mit der Internationalen Para-DM im Schwimmen weiter, von der die vielseitige Sportlerin gleich drei Medaillen mitbrachte: Die 14-fache Para-Eisschwimm-Weltmeisterin war – erneut in Berlin – über 100-m-Freistil, 50-m-Rücken und 800-m-Freistil gestartet und hatte bei den Masters 1 bzw. in ihrer Startklasse S9 ein komplettes Medaillenset geholt.
Am zurückliegenden Pfingstwochenende war die 46-Jährige, die nach einer Operation wegen eines angeborenen Hüftschadens unter der Lähmung ihres linken Beines leidet, dann bei den gemeinsamen Triathlon-Para-Meisterschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz in Altenkunstadt (Oberfranken) gewohnt schnell unterwegs. Im Para-Triathlon-Sprint (500 m Schwimmen, 20 km Handbike, 7 km Rennrollstuhl) erreichte sie nach 2:05:18 Stunden das Ziel und war damit Meisterin in ihrer Klasse PTWC2.
Neues Engagement
Abseits des Sports hat sich die Pädagogin, die sich für Inklusion und Umweltschutz einsetzt, ebenfalls wieder voller Tatendrang gezeigt. So engagiert sie sich nun auch noch für die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft. Und zwischenzeitlich war sie zudem beim German Paralympic Media Award als Laudatorin in der Kategorie Film dabei. Paradoxerweise ist ihr Leben als Para-Sportlerin, die parallel in verschiedenen Sportarten Medaillen abräumt, und zudem als Paradebeispiel für gesellschaftliches Engagement gilt, ja auch längst filmreif. In der Rolle der abenteuerlustigen Frau, die sich durch ihre Behinderung nicht hindern lässt, eine große Herausforderung nach der nächsten anzunehmen, könnte so manche Schauspielerin eine paradiesische Paraderolle für sich sehen...
