Oldenburg - Andreas Henke muss eingreifen. „Bitte nicht zu hoch klettern“, weist er seine Schüler an. Das hat nichts mit möglicher Höhenangst zu tun, sondern vielmehr damit, dass die Sicherungsseile ins Leere laufen. Denn Kursthema ist gerade, ein nur kurzes Stück Seil beim Klettern korrekt in den nächsten Karabinerhaken einzuhängen.
Die Oldenburger Sektion des Deutschen Alpenvereins hatte am Sonnabend zu zwei Kursen in die Uni-Sporthalle eingeladen. Henke leitet gemeinsam mit Julia Rehbein den sogenannten Vorstiegkurs für Fortgeschrittene. Beim Vorstieg wird das Seil zum Schutz vor Absturz vom Kletterer selbst Stück für Stück in neue Zwischensicherungen eingehängt. Später findet ein sogenannter Top-Rope-Kurs (rope, englisch, Seil) für Anfänger statt. Dabei wird das Seil am oberen Wandende entlanggeführt. Die Teilnehmer können sich auf die Klettertechnik konzentrieren.
Sicherheit hat Vorfahrt
Allerdings steht auch hier zunächst die Theorie im Vordergrund. „Es ist ganz wichtig zu wissen, wie man die Sicherheit gewährleistet“, betont Rehbein. Hier können viele Fehler passieren, Leichtsinn ist gefährlich. „Es hat sich herumgesprochen, dass man nicht einfach nur ein Seil braucht“, sagt Henke.
Der Klettergurt ist ein Muss, Spezialschuhe sind empfehlenswert. Dann kann es aufwärts gehen – aber wie genau eigentlich? „Ein typischer Anfängerfehler ist, dass zu viel mit den Armen gearbeitet wird“, weiß Rehbein. Die Kraft sollte besser aus den Beinen kommen. Einsteigern passiert es allerdings häufig, dass sie beim Training Muskeln in Armen und Schultern aufbauen – die sie nach dem Erlernen der richtigen Technik gar nicht mehr benötigen.
Am meisten arbeiten sollte der Kopf. „Man muss planen, wo man hinklettern möchte“, hat der 13-jährige Anton Rath festgestellt. Natürlich sind die Muskeln dennoch im Einsatz, das spürt man vor allem am nächsten Tag, erzählt Kursteilnehmer Christian Nortmann. Vor einem Jahr hat der Oldenburger den Sport für sich entdeckt. Regelmäßig steigt er seitdem Kletterwände hinauf, zuletzt in Bremen und Groningen.
Hilfe in Sommermonaten
In seiner Heimatstadt ist das Angebot dürftig, meint auch Kursleiter Henke. „Die Wartelisten für unsere Kurse sind voll“, aber die Uni-Sporthalle biete kaum mehr als eine Handvoll freie Termine pro Jahr. Hoffnung macht der Plan des DAV, den Bunker am Osternburger Utkiek zum Kletterfelsen umzugestalten. Das schüfe allerdings nur für die Sommermonate Abhilfe. Den Kletterraum in einem Fitness-Studio an der Emsstraße gibt es wegen der Schließung der Einrichtung nicht mehr. Das Interesse für Räume mit hohen Decken ist bei den Sportkletterern daher groß. Sie möchten auch in Oldenburg viel öfter hoch hinaus.
