Hude - „Ich wollte Bogenschießen schon immer mal ausprobieren“, erzählt Martina Pahlitzsch aus Hude. Jetzt hat die 41-Jährige endlich die Gelegenheit: Sie nimmt am Bogensport-Kursus der regioVHS im Schützenhaus des Schützenvereins Hude teil, der Anfang September gestartet ist und noch bis Anfang November läuft. Die Zahntechnikerin ist so begeistert vom Training, dass sie sich zum Geburtstag eine eigene Ausrüstung wünschte – und auch von ihrer Familie geschenkt bekam. „Das klappt schon jetzt nach kurzer Zeit immer besser und durch die Hilfestellungen wird man schnell sicherer“, berichtet Pahlitzsch.

Hilfestellungen gibt es in dem Kursus genügend – und zwar vom freiberuflichen Bogensporttrainer Manfred Meyer. Der 62-Jährige machte 2009 sein langjähriges Hobby zum Beruf.

„Bogenschießen kann jeder“, erklärt Meyer. Jedoch dauere es bei den meisten etliche Jahre, bis sie die richtige Technik raus haben. „In diesem Crash-Kurs geht es um Spaß, und die Teilnehmer können testen, ob der Sport etwas für sie ist“, erläutert der Delmenhorster. Mit leichten Übungsbögen schießen die Anfänger auf die 18 Meter entfernt stehenden Zielscheiben. „Bei den Teilnehmern ist schon eine starke Steigerung zu sehen. Die Entfernungen werden immer weiter“, beobachtet Meyer.

„Ich glaube, ich bin damit geboren worden“, antwortet der Delmenhorster auf die Frage, seit wann er sich für den Bogensport begeistert. Schon als kleines Kind habe er mit selbst gebastelten Bögen Äpfel von Bäumen geschossen. Mit acht Jahren begann er im Verein zu trainieren. Mit 16 absolvierte er eine Ausbildung zum Modellbauer. Später arbeitete er beim Bundesgrenzschutz. Nebenbei lehrte er anderen Schützen den richtigen Umgang mit Pfeil und Bogen. Der 62-Jährige blickt unter anderem auf eine 25-jährige Karriere als Leistungssport-Trainer im Nordwestdeutschen Schützenbund zurück. 1979 gründete Meyer sogar einen eigenen Verein: den Bogensportverein Delmenhorst. Seit 2001 gibt Meyer regelmäßig Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse in einem Seminarprogramm der Jugendherberge Alfsee.

Aber Meyer ist nicht nur Bogensport-Trainer, er ist gleichzeitig Begleitender Kinesiologe und damit mit der Lehre der Bewegung vertraut. Sein Wissen lässt er in das Bogensport-Training einfließen. „Durch Stress ergeben sich Koordinationsprobleme, die zu einer Leistungsminderung führen können“, erklärt Meyer, „die Schützen können ihr Potenzial nicht mehr ausschöpfen.“ Der Kinesiologe zeigt seinen Schützlingen Übungen, mit denen sie sich entspannen und konzentrieren lernen. Bogenschießen sei ein gutes Training für die Konzentration. Außerdem verbessere der Sport das Zusammenspiel der beiden Gehirnhälften.

Diese Möglichkeit, sich in Ruhe auf sein Ziel zu konzentrieren, gefällt Kursteilnehmer Henry Sagehorn. „Typische Sportarten sind mir zu ruppig“, erklärt er. Der 18-Jährige kann sich gut vorstellen, nach den zehn Probeabenden in einen Verein einzutreten. Dafür müsste der Schierbroker nicht einmal die Übungsstätte wechseln: Die Bogensportabteilung des Schützenvereins Hude trainiert mittwochs ab 18.30 Uhr. Hier gibt es die Gelegenheit, den Sport zu testen. Außerdem will die regioVHS im kommenden Semester erneut einen Bogensport-Kursus unter der Leitung von Meyer anbieten.