Oldenburg - Was wären Sportvereine ohne Übungsleiter? „Das kann auf Dauer nicht funktionieren“, erklärt Klaus Hanisch, Vorsitzender des Stadtsportbundes Oldenburg. Die meisten Kurse betreuen Übungsleiter – größtenteils neben ihrem Hauptberuf. Dafür steht ihnen ein jährlicher Freibetrag von 2400 Euro als Aufwandsentschädigung zu. Trotzdem ist das Interesse in den vergangenen Jahren zurückgegangen.
Diese Entwicklung bereitet Sportvereinen zunehmend Probleme. „Ist kein Übungsleiter da, fällt ein Kurs schlimmstenfalls aus dem Programm“, erklärt Brunhilde Stolle von der Sportgemeinschaft Schwarz-Weiß Oldenburg. „Notfalls kann man Gruppen zusammenlegen. Das ist aber keine Dauerlösung“, ergänzt sie. Auch im Krankheitsfall gibt es nicht immer Ersatz. „Ich habe selber als Übungsleiterin gearbeitet, bis mir die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung machte“, sagt Stolle. Heute hilft sie dem Verein bei der Suche nach Übungsleitern. Kein einfaches Unterfangen.
Schleichender Prozess
„Das Interesse der Jugendlichen für Gymnastik tendiert fast gegen Null, und auch Erwachsene haben immer weniger Zeit“, sagt Stolle. „In diesem Bereich fällt es uns besonders schwer, jemanden zu finden, speziell vormittags.“ Immerhin stellen sich für die Betreuung des Kinderturnens regelmäßig Studierende zur Verfügung, die sich auch um ihre Nachfolger kümmern.
Etwas entspannter ist die Lage beim VfL Oldenburg. „Wir stellen fest, dass Übungsleiter häufiger wechseln als früher“, erklärt Rosi Linde, Sportökonomin und Geschäftsführerin des VfL Oldenburg. „Wir hatten gerade erst wieder einen Fall, da musste jemand wegen seines Arbeitsplatzes umziehen und den Posten an den Nagel hängen. Jetzt suchen wir nach Ersatz, das kann zum Teil dauern, aber bisher haben wir immer jemanden gefunden“, sagt sie zuversichtlich.
Neben Freizeit erfordert das Engagement als Übungsleiter Begeisterungs- und Teamfähigkeit. „Das Wichtigste ist, dass ein Übungsleiter das Training für die Gruppe ansprechend gestalten kann“, erklärt Frank Kunert, Geschäftsführer des Oldenburger Turnerbundes.
Eine Grundlizenz sei als Voraussetzung für diese Aufgabe nicht zwingend erforderlich, aber wünschenswert. Gleichzeitig appelliert er an die Vereinsmitglieder, das Selbstverständlichkeitsdenken, das heißt die Erwartung, dass immer Kurse stattfinden können, abzulegen. „Es muss uns klar werden, dass ehrenamtliche Helfer nicht immer verfügbar sind. Daher ist eine hundert Prozent verlässliche Betreuung einfach nicht machbar“, sagt Kunert.
Problem Zeitmangel
Aufgrund des Hauptberufes, der oft Flexibilität voraussetzt, bleibt vielen Menschen keine Zeit für das Übungsleiteramt. Auch Jugendliche sind – unter anderem durch die Ganztagsschule – stärker eingespannt als früher.
Wichtig ist die Attraktivität einer Sportart oder eines Vereines, um Trainer zu gewinnen. „Vereine im Profibereich haben es natürlich leichter“, sagt Klaus Hanisch. „Von ihnen geht eine größere Zugkraft aus.“
Hanisch nennt den Übungsleiter-Schwund ein schleichendes Problem. „Das ist seit einigen Jahren erkennbar. Da müssen die Vereine wenn möglich gemeinsam nach Lösungen suchen.“
