Jeddeloh - Dass der Fußball auch in der Regionalliga ein schnelllebiges Geschäft ist, musste nun Key Riebau erfahren. Nach der 0:2-Niederlage und dem schwachen Auftritt seines SSV Jeddeloh gegen Eintracht Norderstedt am Sonntag hatte der Trainer Konsequenzen für das Team angekündigt. Dass diese Konsequenzen nun ihn treffen würden, hatte er zu diesem Zeitpunkt nicht gedacht. Nach der Trainingseinheit am Dienstagabend teilte ihm der Verein mit, dass er mit sofortiger Wirkung beurlaubt wird. Auf ihn folgt Björn Lindemann, der die Ammerländer bereits in der vergangenen Saison trainiert und auf Rang elf geführt hatte.
Das sagt Olaf Blancke
„Wir sind in mehreren internen Gesprächen zum Entschluss gekommen, die Zusammenarbeit zu beenden, weil wir zu diesem Zeitpunkt der Saison unser Ziel, den Klassenerhalt in der Regionalliga zu verwirklichen, in Gefahr sehen“, wird Jeddelohs Sportlicher Leiter Olaf Blancke in einer SSV-Pressemitteilung zitiert. „Unsere Punktausbeute ist mit 25 Punkten aus 23 Spielen zu gering, so haben wir uns entschlossen, durch einen Trainerwechsel noch mal einen neuen Reizpunkt zu setzen“, sagte Blancke. Nach drei Siegen in Folge gegen Lohne, Spelle-Venhaus und Weiche Flensburg verlor der SSV zuletzt beim HSV II und gegen Eintracht Norderstedt.
Das sagt Key Riebau
Für Riebau ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar. „Da ist gerade eine Menge Unverständnis dabei. Ich bin mir sicher, dass ich den Klassenerhalt zusammen mit der Mannschaft geschafft hätte“, sagte Riebau am Mittwoch im Gespräch mit unserer Redaktion. Man sei auf einem vernünftigen Weg gewesen, gegen Norderstedt jedoch gestolpert. „Das Spiel war schlecht, das muss ich zugeben, aber so ein Ausrutscher passiert. Und in Meppen und beim Hamburger SV II darf man verlieren. Die Punkteausbeute nach der Winterpause war ansonsten sehr in Ordnung“, sagte der ehemalige Coach. Mehr sei aufgrund der infrastrukturellen Möglichkeiten in Jeddeloh – gerade im Rückblick auf die Winterpause mit zahlreichen ausgefallenen Trainingseinheiten und Testspielen – nicht möglich gewesen, so Riebau, der den SSV bereits von 2016 bis 2018 gecoacht hatte. Er hätte sich ein wenig mehr Zeit gewünscht, wünscht jetzt aber seinem Nachfolger alles Gute. „Linde wünsche ich nur das Beste, ich schätze ihn sehr“, sagte Riebau.
Wurde am Dienstagabend in Jeddeloh beurlaubt: Trainer Key Riebau.
Das sagt Lindemann
Nun kehrt also Lindemann an den Küstenkanal zurück. Zuletzt betreute er die U 19 des JFV Calenberger Land in der A-Junioren-Regionalliga als Interimstrainer. Unter dem 40-Jährigen, der von 2018 bis 2019 als Spieler für Jeddeloh auflief, spielten die Ammerländer in der vergangenen Saison eine starke Hinserie, die mit Platz vier belohnt wurde. In der Rückrunde ließen sie einige Matchbälle aus und mussten so bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt zittern. Nun erhält der A-Lizenz-Inhaber beim SSV einen Vertrag bis zum Ende der Spielzeit 2025/26 und wird bereits an diesem Donnerstag die erste Trainingseinheit leiten. „Wenn ein Verein einen alten Trainer zurückholt, kann nicht alles schlecht gewesen sein“, sagte Lindemann am Mittwochvormittag mit einem Lachen: „Ich habe Lust auf die Aufgabe und wir haben mit Jeddeloh alle Karten in der Hand, um in der Regionalliga zu bleiben.“ Eine direkte Zusage konnte Lindemann den Jeddelohern bei der ersten Kontaktaufnahme aber nicht geben. Die Situation am Ende der vergangenen Saison, als sein Vertrag zunächst verlängert wurde, nur um sich dann zwei Monate später auf ein Ende der Zusammenarbeit zu einigen, habe er nicht vergessen. „Da habe ich schon ein bisschen Bauchschmerzen gehabt und musste mit Rolf Bley und Olaf Blancke noch einmal über die Situation sprechen“, sagte der neue Coach. Am Ende aber wollte er die Chance ergreifen. „Ich habe die A-Lizenz gemacht, da will ich auch in die Regionalliga rein“, meinte Lindemann, der auch längerfristig vernünftige Parameter schaffen möchte, um Jeddeloh auf die nächste Stufe zu bringen. Erst einmal gilt der Blick aber dem Abstiegskampf. „Und da müssen wir jetzt so viele Siege wie möglich schaffen. Ich kenne noch viele Spieler, wir haben zusammen gezeigt, was möglich ist“, sagte der neue Coach, der seinen Einstand am Sonntag um 14 Uhr im Auswärtsspiel bei Teutonia Ottensen geben wird.

