STENUM - Die Aufregung der Spieler ist deutlich zu spüren. Zu schnell kommt der Gegner zu Ballgewinnen, zu leicht findet er Anspielstationen in der Hälfte der Stenumer, zu häufig kommt er in den ersten Minuten der Partie zu leichten Toren. „Unsere Aufteilung ist praktisch vergessen“, seufzt Trainer Raimund Rospleszcz, während er unruhig ums Spielfeld tapert.

Doch von Ärger oder Enttäuschung kann weder bei Rospleszcz, noch bei seinen jungen Spielern die Rede sein. Aus einem einfachen Grund: Der Gegner heißt an diesem Freitagnachmittag Werder Bremen. Auch wenn es nur der „kleine“ SV Werder – die U9 des Vereins – ist, der sich an diesem Tag zum Kräftemessen gegen die F-Jugend des VfL Stenum eingefunden hat – für die jungen Spieler des VfL ist es so, als ob sie tatsächlich Pizarro, Marin und Wiese gegenüberstehen.

„Es sind allein die Trikots, die dieses Spiel zu etwas Besonderem machen“, erklärt Stenum-Trainer Rospleszcz. Diese sind schließlich auch bei der Jugend von Werder die gleichen wie bei den Profis. „Zudem hat der SV Werder hier natürlich auch ein gewisses Ansehen“, fügt er leicht schmunzelnd hinzu, wohlwissend, dass nicht wenige seiner Spieler mit den Grün-Weißen sympathisieren. Und berichtet: „Seit wir der Mannschaft erzählt haben, dass Werder Bremen hier an den Kirchweg kommt, gab es in der Kabine kaum noch ein anderes Gesprächsthema.“ Es versteht sich folglich von selbst, dass die Mannschaft in voller Stärke antreten kann.

Ermöglicht hat dieses Aufeinandertreffen Burkhardt Kaufmann, in erster Linie Vater eines Spielers, jedoch auch zuständig für die Homepage des Vereins. „Ich hatte bereits mehrfach Anfragen an Werder Bremen bezüglich eines Freundschaftsspiels zwischen den beiden Mannschaften gerichtet“, berichtet Kaufmann, „jedoch lange Zeit ohne eine Antwort zu bekommen.“ Nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Testspiele gegen Werder Bremen sich nicht nur in Stenum großer Beliebtheit erfreuen. Jedoch: „Unsere F-Jugend hatte mehrere Turniere in der Halle für sich entscheiden können“, erklärt Kaufmann. Diese Ergebnisse seien natürlich auch auf der Homepage nachzulesen gewesen, so dass eines Abends bei Kaufmann das Telefon klingelte. Am Apparat: Ralf Görgens, seinerseits Trainer von Werders U9. „Er hatte einem Testspiel zugesagt“, sagt Burkhardt Kaufmann. Auch bei den Kleinsten zeige sich also: Ohne Öffentlichkeitsarbeit geht es nicht.

Mittlerweile hat der Stenumer Nachwuchs auf dem Platz die Aufregung besser unter Kontrolle bekommen. Der Ball läuft gut durch die eigenen Reihen. Vier Tore gelingen dem Gastgeber in Folge – auf einmal scheint die Nervosität eher beim Werder-Nachwuchs zu finden zu sein. „Ohne die Angst können wir mithalten“, ist Raimund Rospleszcz überzeugt. Und auch wenn das Ergebnis am Ende mit 4:14 scheinbar eindeutig ausfällt, ist man in den Reihen der Stenumer zufrieden. „Allein, dass es ein solches Spiel in Stenum gegeben hat, macht uns zu Gewinnern“, ist man sich allgemein beim VfL nach Abpfiff einig.