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NWZonline.de Sport

Friesensport: Nichts für fröstelnde Weicheier

05.03.2018

Stollhamm Wer schnell friert, war hier am falschen Ort: Minusgrade und steifer Ostwind erforderten am Sonnabend in Stollhamm (Kreis Wesermarsch) Gemeinde Butjadingen) beim 27. Klootschießer-Länderkampf zwischen Oldenburg und Ostfriesland dicke Kleidung, eine kräftige Erbsensuppe und einen wärmenden Grog.

Eine warme Jacke, drei Trainingshosen, zwei Pullover und zwei Shirts legte der amtierende Europameister Hendrik Rüdebusch aus Vielstedt-Hude ab, bevor er mit einem Urschrei über das Brett ging. Nach 118 Metern blieb die 475 Gramm schwere Klootkugel auf dem tiefgefrorenen Boden liegen. „Das war kein Weltreißer“, meinte Rüdebusch, war aber dennoch zufrieden. Am Ende des über achtstündigen Wettkampfes der Männer, den die Oldenburger knapp mit 27 Meter Vorsprung gewannen, hatte Rüdebusch mit 131 Metern den besten Oldenburger Wurf gemacht, nur noch um einen Meter übertroffen vom Ostfriesen Frank Goldenstein aus Pfalzdorf.

Mit Gottes Segen

In den Feldkampf gegangen waren die Männer- und die Jugendmannschaften – nach einem gemeinsamen Frühstück – mit Gottes Segen. Den hatte der Stollhammer Pastor Joachim Tönjes ausgesprochen, nachdem er die Glocken der nahen St. Matthäus-Kirche fernausgelöst hatte. Sport sei ein Training für das Alltagsleben, sagte der Geistliche, bevor er das „Vaterunser“ anstimmte und ein „Fleu herut“ hinterher schickte. Von nun an verkündete das Trompetensignal von Gerd Janssen aus dem ostfriesischen Spekendorf (Aurich), dass sich ein Werfer für den Anlauf auf der Matte und den Sprung über das Brett bereit machte. Dann war äußerste Vorsicht für die Zuschauer geboten. Markig warnte Ansager Rolf Blumenberg: „Wer so’n Kloot an denn Kopp kriegt, de kiekt vonnabend kiene Tagesschau mehr“.

Intonierte Janssen das „Heil Dir, oh Oldenburg“, so war ein Oldenburger Werfer an der Reihe. Die Ostfriesen gingen zu „In Ostfreesland is’t am besten“ an den Start. Das hatte es bislang auch noch nicht gegeben, dass ein ostfriesischer Trompeter beide „Nationalhymnen“ anblies. Doch dem zweiten Musiker war es schon nach kurzer Zeit zu kalt geworden, er verließ die Wettkampfstätte. Es hat auch noch nie so spät im Jahr ein Länderkampf stattgefunden, weshalb man ihn, nach sechs Jahren des Wartens, trotz schwieriger Bodenverhältnisse unbedingt durchziehen wollte, wie Jan-Dirk Vogts, Vorsitzender des Friesischen Klootschießerverbandes (FKV), aus Hollwege bei der Siegerehrung im Vereinslokal des ausrichtenden Klootschießer- und Boßelvereins Stollhamm betonte. „Mit einer Absage hätten wir unserem Sport wirklich geschadet“, meinte Vogts.

Mit einem Kunstwurf begeisterte der Ostfriese Florian Eiben die Käkler und Mäkler. Es war ein Weg mit beidseitigem Graben in etwa 60 Metern Entfernung vom Sprungbrett zu überwinden. Nichts fürchten die Klootschießer mehr, als den Kloot in den Graben zu werfen – mit der Aussicht, dass er ohne Trüll liegen bleibt. Mit Trüll bezeichnen die Friesensportler den Weg, den die Kugel nach dem Aufschlag auf den Boden ausrollt. Eiben schaffte es tatsächlich, den Wurf genau auf die nur zweieinhalb Meter breite Straße aufzusetzen, von der die Kugel auf das gegenüberliegende Ufer sprang und noch 47 Meter „trüllte“. Dass sie dabei zersprang, machte nichts, der am weitesten geflogene Teil wurde gewertet, eine Ersatzkugel schnell beschafft.

Improvisationstalent ist bei Feldkämpfen von den Helfern gefordert. Bleibt eine Kugel unmittelbar am gegenüberliegenden Grabenufer liegen, so hat die Mannschaft die Wahl, entsprechend weit zurückzugehen, um einen langen Anlauf zu haben – oder sie improvisiert. Dass das sowohl die Oldenburger als auch die Ostfriesen können, bewiesen beide Mannschaften. Exemplarisch sei die ostfriesische Variante beschrieben: Auf den gefrorenen Graben wurde umgedreht eine Schubkarre gelegt und darauf eine schwere Bodenplatte. Starke Männer stabilisierten das Konstrukt, so dass Daniel Heiken aus Schirumer-Leegmoor mit wenigen Schritten Anlauf einen 124 Meter-Wurf hinlegen konnte.

Nerven behalten

Gefeiert wurde am Ende Lokalmatador Dirk Schomaker aus Fedderwardersiel. Seine Nerven hielten, obwohl die ostfriesische Nachwuchshoffnung Mirko Guderle aus Uttel beachtlich vorgelegt hatte. Mit dem letzten Wurf des Wettkampfes über 103 Meter sicherte Schomaker den Oldenburger Sieg – den 13. im 27. Aufeinandertreffen. Bei der Jugend bauten die Ostfriesen im 34. Vergleich ihre Führung auf 21:13 aus. Sie lagen mit einem Schoet (Wurf) und elf Metern vorn. Der nächste Länderkampf zwischen Oldenburg und Ostfriesland findet im ostfriesischen Blersum statt.

Beendet wurde mit dem Länderkampf am Sonnabend auch ein bisher einmaliger Service in der Jahrzehnte langen Geschichte der Länderkämpfe. Der Klootschießer- und Boßelverein Stollhamm mailte am Freitag zum letzten Mal seinen Newsletter „Watt gifft Nee’s“ an Fachpublikum und Laien. Autor Rolf Blumenberg hatte seit 2013 in 65 digitalen Ausgaben 1200 Leserinnen und Leser über den jeweils aktuellen Vorbereitungsstand informiert. Seit sechs Jahren sollte in Stollhamm ein Feldkampf stattfinden, die Witterung ließ das aber erst vergangenen Sonnabend zu. Darüber waren auch Friesensportfreunde in Thailand, Südafrika und Australien aktuell informiert.


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Mehr Bilder unter   www.nwzonline.de/region 

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