Stravanger/Wisla - Claudia Pechstein legte den Finger auf den Mund und wirkte im Ziel wie berauscht. „Unglaublich, wirklich unfassbar“, jubelte die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin nach ihrem historischen Coup in Stavanger. Mit 45 Jahren vollbrachte die Berlinerin am Sonntag ein kleines Wunder und lief über 5000 Meter zu ihrem 33. Sieg im Weltcup. Ihren ersten hatte sie vor 26 Jahren erkämpft.

Als älteste Weltcupsiegerin der Eisschnelllauf- Geschichte machte sie nicht nur als erste Deutsche die Teilnahme an ihren siebten Olympischen Winterspielen perfekt, sondern avancierte auch zur Mitfavoritin für Pyeongchang.

„Das, was heute passiert ist, kann man nicht beschreiben“, sagte Pechstein. „Ich habe hier Eisschnelllauf-Geschichte geschrieben. In diesem Alter wird wohl nie wieder einer Athletin ein Weltcupsieg gelingen“, sagte sie und erklärte ihre Finger-Geste auf der Ehrenrunde: „Das war ein Zeichen an meine Feinde von der ISU, die mich zu Unrecht gesperrt haben. Sie sollen ganz ruhig sein, so lange ich so weiterlaufe“, sagte sie.

Auch Patrick Beckert sicherte sich als sechster deutscher Eisschnellläufer das Ticket nach Pyeongchang.

Mit Rang vier im Skisprung-Tollhaus Wisla ist Richard Freitag derweil ein überraschend starker Start in den Olympiawinter gelungen. „Das ist richtig schön. Ich habe mich im Herbst gut rangearbeitet und bin froh, das endlich einmal direkt in den Winter mitzunehmen“, sagte der 26-Jährige.

Nach Flügen auf 126,0 und 120,0 Meter musste Freitag den Erfolg aber Junshiro Kobayashi überlassen. Der Japaner siegte vor Lokalmatador Kamil Stoch (Polen) und Doppelweltmeister Stefan Kraft aus Österreich. Der hoch gehandelte Vizeweltmeister Andreas Wellinger (Ruhpolding) landete bei schwierigen Bedingungen auf Rang neun, dahinter folgten Stephan Leyhe (Willingen) und Pius Paschke (Kiefersfelden) auf den Plätzen zehn und zwölf.

Im Teamspringen am Samstag hatten Wellinger, Eisenbichler, der schon da starke Freitag und Leyhe nur Rang vier belegt.