STUTTGART - STUTTGART - Am Abend des Abschieds ereilte Oliver Kahn die Altersmilde. Ob er nach dieser WM ein Bier mit Jens Lehmann trinken werde, lautete die brennendste Frage. Der vor dem Turnier in die zweite Reihe gestellte Nationaltorhüter kniff wie üblich die Augen zusammen, spähte über die Journalisten hinweg und grinste. „Jens und ich sind professionelle Sportler“, holte der beste Schlussmann der WM 2002 gewohnt weit aus. „Es hat sich während der vergangenen sechs Wochen wahnsinnig viel aufgebaut. Bei einer WM im eigenen Land erhält ja alles eine besondere Bedeutung. Ich kann aber sagen: Es hat nie den Hauch eines Beißverhältnisses zwischen uns gegeben“, und schloss mit der erhofft-knappen Antwort: „Wir sind uns näher gekommen.“
Der „Titan“ demonstrierte gegen die Portugiesen noch einmal sein Können und verabschiedete sich nach elf Jahren und 86 Länderspielen aus der DFB-Elf. „Das war mein letztes Länderspiel. Und es war fast das emotionalste Spiel überhaupt, nur noch getoppt durch das WM-Finale 2002“, sagte Kahn.
Selten war der exzentrische Bayern-Keeper in einem Stadion außerhalb Münchens begeisterter empfangen worden als in Stuttgart. Seine Mitspieler hatten dafür die Rahmenbedingungen geschaffen. Lehmann hatte freiwillig das Tor geräumt, die Feldspieler machten ihre ersten Dehnübungen in der Kabine, um Kahn die passende Bühne zu bereiten. „Olli, Olli“-Rufe der 52 000 Zuschauer im Daimler-Stadion begleiteten den 37-Jährigen bis zum Schluss.
Im Spiel lief der Routinier zur Hochform auf. Nach neun Minuten versperrte er Pauletta erfolgreich den Weg, später verhinderte der Kapitän gegen Deco (62.) und bei Cristiano Ronaldos Gewaltschuss (79.) einen Treffer. Nur bei Nuno Gomes’ Kopfball (88.) blieb Kahn chancenlos.
Bastian Schweinsteiger, gegen die Portugiesen zweieinhalbfacher Torschütze, widmete die Fifa-Trophäe als „Spieler des Tages“ seinem Vereinskameraden: „Die Auszeichnung ist toll. Aber am meisten hat mich gefreut, noch einmal mit Olli zusammen gespielt zu haben.“
Jens Lehmann wird ohne seinen Hauptkonkurrenten auskommen müssen – und nahm es mit Humor. „Wir haben die Medien doch gut unterhalten. Da wird mir etwas fehlen.“ Vor allem ein Bier mit Oliver Kahn.
