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NWZonline.de Sport

Sport: Wo Athletinnen gleiche Prämien erhalten

18.06.2019

Stuttgart Die Geschichte ist nicht neu, aber sie klingt immer noch grotesk. Mit dem Kaffee-Service „Mariposa“ aus dem Hause Villeroy & Boch mit blauen und roten Blüten auf weißem Porzellan belohnte der DFB vor 30 Jahren die deutschen Fußballerinnen für den Gewinn der Europameisterschaft 1989. Ein Jahr später bekamen Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Co. für den WM-Titel in Italien umgerechnet 64 100 Euro pro Person.

Große Diskussionen gab es damals nicht. Umso mehr Fahrt hat die Debatte im Zuge der derzeitigen Frauen-WM in Frankreich aufgenommen. Sie dreht sich um eine große Frage: Warum werden Frauen und Männer für nahezu gleiche Leistungen nicht grundsätzlich gleich entlohnt?

Zwar würden die Spielerinnen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die 1989 ebenfalls noch ein Kaffee-Service erhalten hatte, für einen Gewinn der WM heute jeweils 75 000 Euro bekommen. Das wären aber immer noch 275 000 Euro weniger, als die Männer für den goldenen WM-Pokal im vergangenen Jahr in Russland bekommen hätten.

Mit dem Frauen-Team würden „bei weitem nicht die Erlöse erzielt werden können, die im Männerfußball realisiert werden“, begründete DFB-Interimspräsident Rainer Koch in der ARD.

Das dürfte im Tennis zwar ähnlich sein, wenn auch in geringerem Ausmaß. Dort werden aber zumindest bei den vier Grand-Slam-Turnieren gleiche Preisgelder an Frauen und Männer ausgeschüttet. In Wimbledon etwa kassieren die Einzel-Sieger im Juli mehr als 2,5 Millionen Euro.

Auch im Biathlon und der Leichtathletik herrscht Gleichberechtigung. 15 000 Euro gab es bei den Skijägern zuletzt für jeden Sieg im Weltcup, 25 000 Euro für einen WM-Titel – egal ob für einen Mann oder eine Frau. In der Leichtathletik kassieren Einzel-Weltmeister*innen 60 000 US-Dollar; für einen Weltrekord gibt es satte 100 000 Dollar.

Bei den Ski-Profis gibt es ebenfalls keine Unterschiede. Laut Regularien wird gleich viel Geld an Frauen und Männer verteilt, pro Rennen werden umgerechnet mindestens 107 000 Euro an Preisgeld ausgezahlt.„Ich bin extrem stolz auf meinen Sport, bei dem es keinen Gender Gap gibt“, sagte Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin war in den vergangenen Jahren Spitzenverdienerin – und gewann mehr Preisgeld als der österreichische Ausnahmeathlet Marcel Hirscher.

So ungerecht geht es in vielen Sportarten also gar nicht zu. Oder? Die größten Differenzen scheinen sich dort etabliert zu haben, wo es klare Unterschiede im allgemeinen Interesse gibt – wie bei der aktuellen Frauen-WM. Ähnlich scheint es auch im Golf zu sein. Bei den US Open 2019 der Männer strich der Sieger über zwei Millionen US-Dollar ein, die Südkoreanerin Jeongeun Lee kassierte jüngst für ihren Triumph bei den US Open in Charleston die Hälfte.

Besonders krass ist es im nordamerikanischen Eishockey. Sowohl bei den Männern (NHL) als auch den Frauen (NWHL) gelten die Ligen jeweils als die besten der Welt. Doch Anfang Mai drohten rund 200 NWHL-Spielerinnen mit einem Streik zur neuen Saison – sie fordern eine ordentliche Entschädigung. Eine Krankenversicherung gibt es nicht, zum Teil sind Spielerinnen für 2000 Dollar beschäftigt – pro Jahr.

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