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NWZonline.de Sport

Vom Außenseiter zum Überflieger

21.05.2018

Stuttgart Mit der Schlusssirene gab es kein Halten mehr. Die Außenseiter wurden zum Überflieger. Alle, die ein grün-weißes Trikot oder ein Oldenburger Fan-Shirt anhatten, stürmten in der Stuttgarter Porsche-Arena auf das Spielfeld. Und noch Minuten nach der Siegerehrung waren alle VfLer außer Rand und Band. Mittendrin immer der Silberpokal. Ganz klar: Mit dem 29:28 (12:16)-Erfolg gegen den Topfavoriten SG Bietigheim im Final-4-Finale hatte die Mannschaft von Trainer Niels Bötel am Sonntagnachmittag einen echten Coup gelandet.

„Ich habe immer gesagt, wenn wir an uns glauben und alles abrufen, können wir in Stuttgart etwas reißen“, freute sich Oldenburgs beste Torschützin Angie Geschke (9/3) über den vierten Titelgewinn der Grün-Weißen im nationalen Pokalwettbewerb. Ihr Trainer konnte es noch gar nicht fassen: „Man konnte von der ersten bis zur letzten Minute doch nicht mit diesem Triumph rechnen. Wahnsinn!“, befand Bötel, der gleich im ersten Jahr seiner Cheftrainer-Tätigkeit einen Titel für den VfL holte.

Sein Konzept jedenfalls war aufgegangen. „Wir wollten es unbedingt schaffen, dass Bietigheim nicht wegziehen konnte“, erläuterte Bötel, der nur zu genau wusste: „Der größere Druck lastete ganz klar auf unserem Gegner.“ Und genau diese Ausgangslage konnten sich die VfL-Frauen nach 45 Minuten zunutze machen. „Wir haben nie nachgelassen. Wir wussten, dass wir über 60 Minuten unsere beste Leistung bringen mussten. Genau das haben wir heute dann auch gemacht“, freute sich die dänische Rückraumspielerin Simone Spur Petersen.

Die Fans aus Bietigheim und Oldenburg hatten die Arena von Beginn an in einen Hexenkessel verwandelt. Die Duelle auf den Tribünen wurden mit der gleichen Leidenschaft und Intensität betrieben wie die Auseinandersetzungen auf dem Spielfeld. Die Mannschaften schenkten sich vor 2513 Zuschauern nichts. Tore blieben zunächst Mangelware, auch weil sich beide Teams im Eifer des Gefechts viele Ungenauigkeiten beim Abspiel oder Torwurf leisteten.

Bötel setzte in der Anfangsphase auf eine offensive Deckung gegen Bietigheims Weltklassespielerin Karolina Kudlac-Gloc (9 Tore). Die Aufgabe übernahm die Norwegerin Malene Staal, die jedoch schon früh einen schmerzhaften Schlag in den Nacken bekam. Die Maßnahme gegen die Polin griff nur bedingt. Bietigheim führte nach 20 Minuten mit 10:6 – fünf Tore davon hatte Kudlac-Gloc erzielt. Bötel reagierte und nahm eine Auszeit, und der VfL kam durch Cara Hartstock und Kim Birke wieder auf 8:10 heran. Zum Pausenpfiff hatte Bietigheim den alten Vier-Tore-Abstand allerdings wieder hergestellt.

Mit Volldampf ging es im zweiten Durchgang weiter. Beide Teams schalteten den Turbo ein. Bietigheim führte schnell mit 17:12 (31. Minute), die VfL-Frauen hielten dagegen und waren beim 18:18 (38.) wieder dran. 2513 Zuschauer erlebten nun einen offenen Schlagabtausch, und es sollte aus Oldenburger Sicht noch besser kommen: Geschke erzwang erstmals nach 30 Minuten wieder die Führung für ihr Team (19:18). Die Antwort der Bietigheimerinnen ließ nicht lange auf sich warten. Der Favorit glich aus, übernahm wieder die Führungsarbeit, ohne sich aber absetzen zu können. Nicht zuletzt auch, weil Oldenburgs Torfrau Julia Renner (12 Paraden) einen Sahnetag erwischt hatte und zwei, drei ganz wichtige Bälle abwehren konnte.

Mit 25:24 führte der VfL durch Hartstock nach 52 Minuten, als Renner einen Siebenmeter parierte und das Bötel-Team erstmals ernsthaft von der Sensation träumen durfte. Dann das 27:25 (57.) durch Jenny Behrend, und die Oldenburger Auswechselbank stand Kopf. Angie Geschke gestand später: „Von da habe ich immer nur gedacht, wann tutet denn endlich die Sirene.“

Für den VfL war es bereits das siebte Pokalendspiel nach 1981,1989, 2002, 2009, 2012 und 2015. Drei Mal hatte sich der Club dabei schon die deutsche Trophäe (1981, 2009, 2012) sichern können. Für die Endrunde „Final 4“ hatten sich die Oldenburgerinnen zuvor bereits fünf Mal (2002, 2006, 2009, 2012, 2015) qualifizieren können.

Für die SG Bietigheim war es die erste Endspiel-Teilnahme. Die Mannschaft von Trainer Martin Albertsen war im Vorjahr im Halbfinale in Ludwigsburg mit 22:30 noch am späteren Pokalsieger Buxtehuder SV gescheitert. In diesem Jahr hatte es das schwäbische Spitzenteam in Stuttgart besser gemacht und im Halbfinale am Samstag im Süd-Derby den Liga-Konkurrenten TuS Metzingen mit 24:23 niedergerungen. Endspielgegner Oldenburg hatte im Halbfinale die HSG Bad Wildungen mit 33:29 ausgeschaltet.

Otto-Ulrich Bals
Redaktionsleitung
Sportredaktion
Tel:
0441 9988 2030

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