Wilhelmshaven - „Das war eine Demütigung“, stellte ein frustrierter STV-Trainer Normen Günther nach dem 1:6 in der 1. Fußball-Kreisklasse gegen den VfL Wilhelmshaven fest. „Stellenweise sah das so aus, als wenn ein jüngerer A-Jugend-Jahrgang gegen eine ausgebuffte Männermannschaft spielt.“

Dass zwischen einem Kellerkind und dem designierten Kreisliga-Aufsteiger sportliche Welten liegen, stellt auch Günther nicht in Abrede. Die komplette Unterlegenheit vor mehr als 250 Augenzeugen an der Flutstraße und am Ende auch noch Mitleidsbekundungen von Ex-STV-Spielern, ließen Günther aber verzweifeln. „Ein Derby – das heißt Kampf, Leidenschaft und Emotionen. Da hätte ich mir mehr Gegenwehr gewünscht. Stattdessen waren wir 90 Minuten klar unterlegen. Zu meiner Zeit hättest dich nach so einer Derbyniederlage ein halbes Jahr lang nicht im Palazzo blicken lassen dürfen.“

Dass die STV-Qual allerdings auch viel mit der Qualität des Gegners zu tun hatte, zeigte das frühe 1:0 der Gäste. Jannick Sorg, mit 23 Treffern nicht zufällig bester Torjäger der Liga, schüttelte dabei gleich drei Gegenspieler ab und ließ mit seinem wuchtigen Abschluss STV-Keeper Maximilian Haubrich keine Chance.

Oder Bastian Kühn: Sein in den Winkel gejagter Elfmeter zum 3:0 für den VfL hätte auch im gehobenen TV-Abendprogramm gezeigt werden können. Ansonsten lenkte Kühn, in der Hinrunde noch mit ein paar Einsätzen auf der Gegenseite, mit viel „Auge“ für seine Mitspieler das VfL-Spiel.

Kein Thema mehr war nach den 90 Minuten die Ansetzung von Schiedsrichterin Lara Wolf. Im Vorfeld hatte das beim STV – ebenso wie an der Bande in Voslapp – ein gewissen Raunen ausgelöst, weil Wolf bei den Bezirksliga-Frauen des VfL Fußball spielt.

„Eine HSV-Spielerin würde auch nicht das Derby gegen St.Pauli pfeifen“, bemühte Günther einen Vergleich – um im gleichen Atemzug aber Abbitte zu leisten. „Das war eine extrem souveräne Leistung von ihr und das Beste, was ich in dieser Saison an der Pfeife an der Flutstraße gesehen habe. Da lag der Schiedsrichter-Ansetzer mit seiner Einschätzung, dass kein Interessenkonflikt vorliegt, wohl richtig.“

STV: Haubrich - Kischel, Hinrichs, Göllen, Eilers (20. Dippel), Niederhausen, Erks, Suleiman-Ali, Schulz, Hostnik, Weickert (62. Schmidt)

VfL: Boeke - Atoui (60. Lemke), Logonathan (72. Zimmer), Kirsey, Grentzelos, Kluth (60. Weickert), Stresow, Kühn, Schirmer (77. Aydin), Lubbe (65. Khodr), Sorg

Tore: 0:1 (9.) Sorg, 0:2 (19.) Lubbe, 0:3, 0:4 (29., 49.) Kühn, 0:5 (66.) Schirmer, 0:6 (70.) Khodr, 1:6 (81.) Hostnik

Martin Münzberger
Martin Münzberger Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung