THüLE - THÜLE - „Oft wird in der Ferne nach Vorbildern und Idolen gesucht, aber es gibt auch in der näheren Umgebungen Menschen, die Großartiges geleistet haben und an denen man sich orientieren kann“, so begrüßte Friesoythes Bürgermeister Johann Wimberg die vielen Gäste anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Agnes Brinkmann aus Thüle.
Bei einer Feierstunde im Haus der Geehrten überreichte Landrat Hans Eveslage die Auszeichnung. In seiner Laudatio würdigte er das seit mehr als 52 Jahre andauernde außergewöhnliche Engagement von Agnes Brinkmann für ihren schwerstbehinderten Sohn, den sie bis 1989 mit Hilfe ihres verstorbenen Ehemanns und jetzt mit Unterstützung der anderen Kinder pflegt. Erst seit einigen Jahren erfährt die 83-Jährige Unterstützung durch die Sozialhilfestation und eine Nachbarin. Den Vorschlag zur Verleihung unterbreitete Elisabeth Sibum (Saterland). Die Verleihung soll zum Ausdruck bringen, dass die Gesellschaft Grund habe, jemanden auf besondere Weise zu danken. Durch ihren aufopferungsvollen Einsatz habe Agnes Brinkmann ihrem Sohn Josef, der seit seiner Geburt körperlich und geistig behindert sowie völlig hilflos und damit schwerstpflegebedürftig ist, ein Leben in der Familie ermöglicht, so Eveslage. Durch ihr Engagement habe Agnes Brinkmann kostenintensive Leistungen der Eingliederungshilfe für
Behinderte oder Heimkosten vermieden. „Sie haben nie nach den Leistungen des Staates gefragt, sondern zum Wohle ihres Sohnes selbst angepackt“, lobte der Landrat. Trotz der großen Belastung durch die Pflege ihres Sohnes habe sie gemeinsam mit ihrem Mann die Poststelle in Thüle betrieben und zudem die Gastwirtschaft „Zur Post“ geführt, die bis zur Schließung 1989 das Vereinslokal des SV Thüle war. Als Vereinswirtin habe sie die Fußballjugend immer unterstützt und unentgeltlich die Trikots aller Mannschaften gewaschen.
Für die Thüler Pfarrgemeinde gratulierte Pastor Hubert Kasselmann. „In Thüle ist jeder der Meinung, dass sie die Auszeichnung verdient haben. Als Mensch, Mutter und Christin sind sie Vorbild. Sie stehen dafür, dass man in Thüle nicht so schnell in ein Alten- oder Pflegeheim abgeschoben wird.“
Im Namen des Sportvereins, aber auch aller anderen Thüler Vereine wie Schützen-, Musikverein und Radsportclub, übermittelte SV-Vorsitzender Walter Millhahn Glückwünsche. Er erinnerte daran, wie Agnes Brinkmann sich für alle Thüler Vereine eingesetzt habe. „Wir werden nie vergessen, was du und dein Mann für die Vereine und insbesondere für uns Sportler getan habt.“
Zum Abschluss dankte Agnes Brinkmann allen, die sie bei der Pflege ihres Sohnes unterstützt hätten. „För mienen Jungen dau ik alles“, betonte sie.
