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NWZonline.de Sport

Alter und neuer Schach-Weltmeister: Ära Carlsen geht weiter

29.11.2018

London (dpa) - Da war es wieder, dieses Donald-Duck-Lächeln, das er immer aufsetzt, wenn er sich diebisch freut. Magnus Carlsen hatte nach seinem Sieg im Tiebreak der Schach-WM allen Grund dazu, denn der Norweger hatte es all seinen Kritikern gezeigt.

Auch den früheren Weltmeistern Garri Kasparow und Wladimir Kramnik, die ihn nach seinem vorschnellen Remis in der zwölften regulären Partie kritisiert hatten: "Und was Garri und Wlad betrifft, sie haben ein Recht auf ihre dumme Meinung." Der Weltmeister ist im Kampfmodus.

Magnus Carlsen lässt sich kaum etwas sagen. Und wenn ein überraschendes Remisangebot trotz vermeintlich besserer Stellung, wie zum Abschluss der klassischen Partien, die ganze Schachwelt enttäuscht zurücklässt, ist ihm das egal. "Ich verstehe, dass die Leute diese Einstellung nicht nachvollziehen können, doch ich habe gefühlt, dass es die beste Chance ist, das Match zu gewinnen." So hatte es Carlsen schon 2016 gegen Sergej Karjakin gemacht und so wiederholte er es gegen Fabiano Caruana. Und genau wie 2016 versteht die Welt erst im Nachhinein, warum Carlsens Entscheidung richtig war.

Der Norweger war seinem Herausforderer in den vier angesetzten Schnellschach-Partien tatsächlich derart überlegen, dass der ungleiche Kampf schon beim Stand von 3:0 beendet war. Caruana war so perplex, dass er kurz danach kaum einen vollständigen Satz formulieren konnte: "Es war kein guter Tag für mich. Magnus hat sehr gut gespielt. Ich hatte einen sehr schlechten Start."

In seiner norwegischen Heimat wurde Carlsen groß gefeiert. Ministerpräsidentin Erna Solberg postete ein Selfie mit ihrem Kontrahenten, dem sozialdemokratischen Parteichef Jonas Gahr Støre: "Lieber Magnus, in der Politik stehen wir alle zusammen, um Dir zuzujubeln, unser aller Weltmeister."

Carlsen hatte den Titel 2013 im Alter von nur 22 Jahren erstmals gewonnen und ihn dann 2014, 2016 und nun zum dritten Mal erfolgreich verteidigt. Die Weltrangliste führt er seit Juli 2011 an. Und es ist nicht zu erkennen, wer ihn in naher Zukunft an der Spitze ablösen soll. Als Herausforderer für 2020 könnte die Nummer drei der Welt, der 33-jährige Shakhriyar Mamedyarov aus Aserbaidschan in Frage kommen. Oder die Nummer fünf der Welt, der erst 24-jährige Anish Giri aus den Niederlanden. Am ehesten war es aber Caruana zugetraut worden, Carlsen zu schlagen. Der 26-jährige Amerikaner konnte im fast drei Wochen dauernden Final-Duell allerdings keine einzige Partie gewinnen.

Nach den zwölf Remis im klassischen Duell fordern viele Kritiker nun vehement eine Änderung des Modus, um Dynamik und Dramatik zu erzeugen. Carlsen wartete seinerseits mit einem Vorschlag auf: "Ich würde es bevorzugen, wenn das Match länger dauern würde, 16 oder 18 Partien wäre gut. Dann könnte man mehr experimentieren und es würde nicht in jeder Partie so viel auf dem Spiel stehen." Ein weiterer Vorschlag ist, den Tiebreak vorab spielen zu lassen, damit klar ist, dass einer der Spieler das klassische Duell gewinnen muss. Carlsen findet das gekünstelt, möchte aber generell an der Entscheidung über Schnell- oder Blitzschach festhalten, falls das klassische Duell keinen Sieger hervorbringt.

Der junge Norweger, der an diesem Freitag seinen 28. Geburtstag feiert, ist clever. Denn jegliche Änderungen des Formats würden seine Machtposition wohl nur noch untermauern. Im Schnell- und Blitzschach ist er dem Rest der Welt teilweise haushoch überlegen und bei einer Verlängerung des Matches könnte er sich locker auch mal eine Niederlage erlauben.

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