Horst - „Tach.“ Noch ist es ruhig im Jugendraum Horst. An der Theke sitzt ein Junge und tippt auf seinem Smartphone. Swantje Neubauer räumt Pinsel und Plastikperlen aus dem Schrank. Was heute passiert? „Das ergibt sich“, sagt die Kunstpädagogin, „wir stellen uns einfach auf die Wünsche der Jugendlichen ein.“
Ein vorgeschriebenes Programm gibt es in dem kleinen Häuschen an der Schönemoor Landstraße nicht. Montags kommen die Kleinen. Zum Basteln oder Backen. Oder Bolzen auf dem Fußballfeld. Manchmal wird zusammen gekocht, getanzt, gesungen. Oder Billard gespielt. „Der Dauerbrenner“, sagt Nina-Verena Müller. Neben der Dartscheibe und Brettspielklassikern wie Schach gehörte der schon zur Einrichtung als der Jugendraum vor 20 Jahren eröffnet wurde. Nina-Verena Müller auch.
Wachsen mit der Zeit
Die Sozialpädagogin und neben Swantje Neubauer andere Hälfte des Leitungsteams, war von Anfang an dabei. „Damals haben die Leute noch gefragt, ob wir das hier wirklich brauchen“, erinnert sie sich. Mittlerweile gehört die Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche aus der ganzen Gemeinde zum Ortsbild: Ganze Generationen von Jungs und Mädchen hat die 40-Jährige begleitet.
In die Jahre ist weder sie noch ihr Arbeitsplatz gekommen: Seit den letzten Osterferien glänzt der Jugendraum Horst mit frischem Anstrich, nagelneuen Böden, renoviertem Küchen- und Thekenbereich, überholter Technik – sogar der hochfrequentierte Billardtisch wurde neu bezogen.
Auf Vordermann (oder besser: -frau) wird jetzt auch das Angebot gebracht. Denn jeden Freitag bietet der Jugendraum Platz für alles, was Mädchen beschäftigt. Ungestört können Schmuckstücke gebastelt, Bilder gemalt oder Frisuren und Gesichter beim Schminken verschönert werden. „Natürlich bleibt auch Zeit, um über wichtige Themen zu sprechen“, verspricht Swantje Neubauer. Die kreisen um alles zwischen Familie, Schule, Freunde und das Erwachsenwerden. Auch bei den Jungs, für die es zwar keinen Extratag, dafür aber eine große Skaterbahn vor der Tür gibt.
Regeln statt Verbote
Und die ist allemal spannender, als das Fernsehprogramm. Einen Anschluss gibt es im Jugendraum nämlich nicht. Dafür eine Playstation. „Aber wenn die Sonne scheint, wird nicht gezockt“, sagt Nina-Verena Müller. Regeln seien wichtig: „Es geht nicht um Verbote, sondern eine Anleitung zur Lebensbewältigung“, ist die Sozialpädagogin überzeugt. Ein Teil ihres Jobs sei natürlich auch Elternarbeit. Im Vordergrund stehen auch hier die Interessen der Kinder. Die bringen sie übrigens meist selbst mit: „Hier ist ein Treffpunkt für Cliquen und Freunde – man verabredet sich in Horst“, sagt Nina-Verena Müller.
Nach dem Training oder Unterricht trudeln nach und nach alle ein und die Ruhe im Jugendraum Horst verschwindet. Dafür ist hier auch kein Platz.
