Cloppenburg - Der Tag hätte so schön sein können: Wer an einem sonnigen Mai-Sonntag zu Hause mit 2:0 gewinnt und den Platz an der Sonne erobert, der sollte eigentlich mit der Sonne um die Wette strahlen. Aber Tanja Schulte, Trainerin der Zweitliga-Fußballerinnen des BV Cloppenburg, war nach dem 2:0-Erfolg gegen den FFC Oldesloe (siehe Bericht auf Seite 17) so gar nicht zufrieden. Aus einem einfachen Grund: Der Job Schultes fordert, über den Spieltag hinauszudenken – und mit einer Leistung wie im Spiel gegen das Team aus Schleswig-Holstein dürfte der angestrebte Aufstieg nicht zu realisieren sein. „Wenn wir so nächste Woche gegen Potsdam spielen, kriegen wir fünf Dinger“, sagte die 38-Jährige nach dem Duell mit dem Tabellenschlusslicht. „Die Mannschaft hat die Vorgaben einfach nicht umgesetzt. Ich fühle mich veräppelt.“
So strahlte nach dem Spiel nicht Schulte, sondern der Trainer des Gegners: „Wir sind mit einem Rumpfkader angereist. Ich hatte nur noch eine Ersatztorhüterin auf der Bank. Wenn man das bedenkt, muss man sagen: Wir haben uns optimal verkauft“, freute sich Michael Clausen. „Wir hatten ja sogar eine Riesenchance zum 1:1. Wer weiß, wie das Spiel gelaufen wäre, wenn wir wirklich ausgeglichen hätten.“
Die Szene in der 57. Minute, die fast zum Ausgleich geführt hatte, war Schulte besonders bitter aufgestoßen. Carina Wolfgramm hätte nach einer schnellen Kombination nur noch Wylezek überwinden müssen, als Kapitänin Marta Stobba dazwischengrätschte. „Das sagt doch wohl schon alles“, zürnte Schulte, „da muss die rechte Mittelfeldspielerin für die Abwehr retten.“
Fehlender Wille
Aber nicht nur, dass lediglich Kapitänin Marta Stobba 100 Prozent zu geben schien, hatte die 38-Jährige verärgert. So schnell wie Oldesloe in der 57. Minute hätte sie ihr Team auch gerne angreifen gesehen. Zwar stand der Gast mit zwei Viererketten kompakt, aber selbst wenn sich der Gegner nach vorne wagte, wirkte der Gegenzug des BVC behäbig. „Tempo, Tempo, Tempo“, rief Schulte ins Spiel – ohne Gehör zu finden. Dynamik im Aufbau der Gastgeberinnen war selten zu sehen. Die fehlte auch, wenn der Gast in Ballbesitz war. „Es ärgert mich, dass kein Wille, den Gegner zu Fehlern zu zwingen, zu erkennen war“, sagt Schulte.
Ausreden werde sie nun nicht mehr gelten lassen. „In der letzten Woche haben wir uns zurecht über den schlechten Platz beklagt. Nun wurde der Platz gewässert, gewalzt und gemäht – und dann vergessen wir, auf dem Platz Fußball zu spielen. Der Gegner hat über 90 Minuten Spaß gehabt.“
Vor schwerer Aufgabe
Dementsprechend wenig Spaß dürften die Cloppenburger Spielerinnen in dieser Woche haben. Schließlich steht nun die entscheidende Phase an. Der Herforder SV, der im Gegensatz zu Meppen ebenfalls aufsteigen will, hat den Rückstand auf den BVC mit einem 3:2-Erfolg gegen Lokomotive Leipzig bei vier Punkten gehalten. Und die Schulte-Elf muss nach dem schweren Heimspiel gegen Turbine Potsdam II und dem Auftritt bei BW Hohen Neuendorf am letzten Spieltag beim größten Konkurrenten um Punkte kämpfen.
Erneut enttäuscht
„Es ist schwer, den Schalter einfach so umzulegen und wieder eine Topleistung abzurufen“, sagt Schulte. „Zumal das die zweite enttäuschende Leistung in Folge war.“ Von wegen sonniger Sonntag, die Zeichen standen nach dem Spiel auf Sturm . . .
