Wildeshausen - Als kleines Mädchen stand Annika Brengelmann Jahr für Jahr zu Pfingsten vor der Alexanderkirche und bewunderte mit glänzenden Augen Großvater Johann, der als Standartenreiter den Umzug auf der Herrlichkeit anführte. „Das möchte ich später auch einmal machen“, dachte sie und setzte dieses Vorhaben vor knapp 20 Jahren in die Tat um.

Dabei treu an ihrer Seite seit mehr als elf Jahren: Wallach Dino. „Wir waren ein blind aufeinander eingespieltes Team“, schwärmt die 31-jährige Wildeshauserin. Doch inzwischen ist das 32-jährige Pferd einfach zu alt für den Pfingsttrubel.

Die Suche nach einem Nachfolger war jedoch alles andere als leicht für die Tierarzthelferin. Im November letzten Jahres wurde sie endlich in Bissendorf fündig. Der 14-jährige, 1,80 Meter große Wallach Lloyd bestach Annika gleich durch sein ruhiges Wesen.

Das wird er auch brauchen, wenn es zu Pfingsten in der Wittekindstadt wieder hoch her geht. Annikas Pflichttermine sind der Fackelumzug am Montag, die Parade am Dienstagvormittag auf der Herrlichkeit, der Ein- und Ausmarsch sowie die Parade und der Umzug am Mittwoch. „Besonders spannend wird der Fackelumzug wegen des Feuers“, sagt Annika. Doch auch die nah am Straßenrand sitzenden Kinder am Pfingstdienstag bedeuten für Pferd und Reiterin eine Herausforderung. „Ein bisschen mehr Zurückhaltung seitens der Zuschauer wäre da manchmal schon besser“, sagt die Wildeshauserin, die seit ihrem fünften Lebensjahr reitet.

Damit Lloyd die besonderen Herausforderungen des Gildefestes meistert, hat Annika ein intensives Vorbereitungsprogramm ausgearbeitet. „Den Anfang machte Tambour Matthias Lenz, zu dessen Trommelklängen Lloyd souverän die Nerven behalten hat“, blickt die Pferdenärrin auf die arbeitsreichen vergangenen Wochen zurück. Im nächsten Schritt ritt Annika fünf Trommlern samt Tambourmajor vorweg. Auch das klappte.

Weiter ging es zu den Jagdhornbläsern auf den Hof Stolle, bevor der erste Ritt durch die Stadt folgte. Abgesichert durch ihre Freundinnen Hanna Ostendorf und Nataschya Henß auf dem Fahrrad mitsamt Annikas Hund „Lady“ als Maskottchen im Fahrradkorb ging es durch die Westerstraße zur Herrlichkeit.

„Bisher hat Lloyd alle Tests bestanden“, ist Annika erleichtert. Zwei weitere Hürden gilt es jetzt noch zu meistern: Am Montagabend kommen die Jagdhornbläser zu ihr nach Hause, bevor am Mittwoch das Kindertambourkorps einen kompletten Marsch trommeln wird und Annika dazu um die Lehm-kuhle reitet.

„Wenn das alles geschafft ist, steht einem entspannten Pfingstfest nichts mehr im Wege“, freut sich die junge Wildeshauserin schon jetzt auf die für sie schönsten Tage im Jahr.