TURIN - TURIN/DPA/SID - Der Stasi-belastete Ingo Steuer hat gestern mit Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy in Turin das Training für den olympischen Paarlauf-Medaillenkampf aufgenommen. Juristisch war es dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) bisher nicht gelungen, den 39-jährigen Chemnitzer davon abzuhalten. Das NOK wird das Urteil des Landgerichts Berlin anfechten und in der nächsten Instanz Berufung gegen die von Steuer erwirkte Olympia-Teilnahme einlegen, teilte NOK-Präsident Klaus Steinbach mit.

Ob damit noch verhindert werden kann, dass der Coach Sonnabend beim Kurzprogramm an der Bande steht, ist offen. „Wir hoffen, dass es noch vor dem Wochenende zur Verhandlung kommt“, sagte NOK-Generalsekretär Bernhard Schwank. Beim Berliner Kammergericht war der Eilantrag bis gestern nicht eingetroffen. Es sei nicht absehbar, ob der Fall bis Freitag verhandelt wird, sagte eine Gerichtssprecherin.

Aus juristischen Gründen verzichtet der Dachverband darauf, den Fall vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) zu bringen. „Das CAS ist eine Instanz des Sports und kann keine Entscheidung eines deutschen Gerichts aushebeln“, erklärte Steinbach.

Die Vize-Europameister Sawtschenko/Szolkowy trainierten gestern erstmals auf dem Eis. Steuer wirkte gelassen, aber bestimmt: „Keine Fragen. Wir haben uns fast nicht vorbereiten können.“ „Ich bin optimistisch, auch wenn uns alle verrückt machen wollen“, meinte Sawtschenko.

Unterdessen wird der Sportausschuss des Deutschen Bundestages am 15. März eine Debatte über die Stasi-Belastungen im deutschen Sport führen. Das Gremium erörtert dabei auch den Fall Ingo Steuer.