Cloppenburg - Die Phrase des einfachen Spieles wird gerne bei Vergleichen von David mit Goliath angewendet. Das ist auch an diesem Freitag (20 Uhr) vor dem Gastspiel des Handball-Oberligisten TV Cloppenburg bei der HSG Barnstorf/Diepholz so. Dabei sind die Soestestädter in dieser Partie der David, der tatsächlich nichts zu verlieren hat. Denn alles andere als eine klare Niederlage beim aktuellen Tabellenfünften wäre eine riesige Überraschung.
„Wenn in einem Spiel die Rollen deutlich verteilt sind, dann in diesem. Gegen die HSG in den Bereich von Punkten zu kommen, scheint mir ehrlich gesagt nicht realistisch. Ich will nicht schwarz malen, aber hier von einem TVC-Erfolg zu sprechen, wäre Zweckoptimismus. Mir liegt da eher das Bodenständige“, analysiert TVC-Trainer Theo Niehaus ganz nüchtern.
Diese Einschätzung ist von der Realität vermutlich nicht weit entfernt. Die Gastgeber, bei denen die TVC-Spieler Tobias Meyer, Ulf Grädtke und Kim Pansing schon aktiv waren, haben in eigener Halle zwar schon drei Partien verloren. Das ist aber nicht der aktuellen Mannschaft passiert, denn in der Winterpause hat die HSG noch einmal personell nachgeladen. Mit Arunas Srederis und Laurynas Palevicius wurden zwei Linkshänder aus Litauen verpflichtet. Damit erhöhte sich die Anzahl der ausländischen Legionäre bei der HSG auf neun, denn vor der Saison kamen schon Marius Kasmauskas vom Bundesligisten Wetzlar und die polnischen Brüder Kamil und Mateusz Chylinski. Zu was das verstärkte Team in der Lage ist, zeigt ein Blick auf die Ergebnisse. In Neerstedt wurde mit zehn Toren Differenz gewonnen, Hatten/Sandkrug wurde mit zwölf auf die Reise geschickt und Schwanewede gar mit 14 Toren Differenz. Einen Ausreißer gab es am vergangenen Wochenende, als Barnstorf/Diepholz beim TSV Bremervörde mit 23:28 unterlag. „Das Ergebnis ist für mich eine größere Überraschung als die Niederlage von Habenhausen in Bützfleth. Barnstorf/Diepholz hat mit dem Kader absolut nichts in der Oberliga zu suchen. Allerdings muss man auch ehrlich sein, dass neun Ausländer in einem Oberliga-Team schon eine Marke sind. Das sucht vermutlich seinesgleichen in Deutschland. Aber jeder muss selber wissen, wie er zum Erfolg kommt“, kommentiert TVC-Teammanager Oliver Galeotti. Und wie der Trainer so ist auch Galeotti der Meinung, dass in der Diepholzer Mühlenkamphalle wenig für sein Team zu holen sein wird. „Da können wir hinfahren und, wie es sich für gute Gäste gehört, artig und anständig die Punkte abliefern. Danach dürfen wir uns freuen, dass wir es hinter uns und einen freien Sonnabend vor uns haben“, sagt Galeotti lächelnd. Wer ihn kennt, weiß, dass er das nicht ganz ernst meint, und so fügt er an: „Wir werden die 60 Minuten spielen und schauen was dabei herauskommt. Von uns erwartet niemand etwas.“
Diese Meinung teilt Niehaus allerdings nicht ganz. „Ich erwarte einen mutigen Auftritt meiner Mannschaft. Was wir nicht gebrauchen können, ist Angst. Wenn wir entschlossen und kämpferisch auftreten, können wir, egal wie das Spiel ausgeht, mit erhobenem Haupt die Halle verlassen. Ich will kein Kaninchen vor der Schlange sehen“, sagt Niehaus, der auf den Einsatz seines Kapitäns Kim Pansing vermutlich verzichten muss. Der verlängerte Trainerarm musste unter der Woche mit einem grippalen Infekt passen. Auch Andrej Kunz wird für dieses Spiel und die kommenden ausfallen, denn der Youngster muss sich wegen einer Schleimbeutelentzündung im Knie einem operativen Eingriff unterziehen.
