Oldenburg - Sprints, schnelle Tempowechsel und abruptes Abbremsen. Immer wieder quietschen die Sportschuhe auf dem Hallenboden. „Bleib weg!“ Ein dumpfes Knallen, als der Ball abgewehrt wird. „Hab ich!“ Ein weiterer dumpfer Schlag, ein gefühlvolles Zuspiel und schließlich der laute Knall, als der Angriffsspieler einen Sprungschlag ausführt. Jubel – „8:7!“
Altersschnitt: 78 Jahre
Mit vollem Einsatz spielt hier nicht etwa eine Jugendmannschaft, sondern die Faustball-Seniorengruppe des Turnvereins vor dem Haarentor (TvdH). Der Stadtteil-Club, der nicht nur in Oldenburg, sondern auch in der ganzen Region insbesondere für seine erfolgreichen Handballer und die gute Jugendarbeit bekannt ist, besitzt bereits seit mehr als 30 Jahren eine sogenannte Seniorenabteilung. Sie wurde 1983 mit der Eröffnung der Turnhalle am Schützenweg vom damaligen Vereinsvorsitzenden Hans Gerdes gegründet.
Heute ist der Ehrenvorsitzende Dieter Brünjes Übungsleiter der Faustball-Gruppe. „Wir haben einen Altersschnitt von 78 Jahren“, erzählt er beiläufig während des Spiels. Der Jüngste in der Gruppe ist 62 Jahre alt, die „B-Jugend“, wie man hier scherzhaft sagt. Der Älteste zählt 88 Lenze. Zusammen sind regelmäßig mehr als 1000 Lebensjahre geballte Routine in der Halle versammelt.
Bei der Aufstellung wird Rücksicht auf das Alter genommen. Die beiden Jüngsten spielen die Position des Hauptangreifers, die Ältesten agieren als Abwehrspieler. Weitere Zugeständnisse gibt es jedoch nicht, denn alle sind gleichermaßen gefordert.
„Alle wollen immer gewinnen“, macht Brünjes deutlich und fügt hinzu: „Aber nicht um jeden Preis – Verletzungen nimmt keiner in Kauf.“
Bevor die Spieler demonstrieren, dass sie auch im fortgeschrittenen Alter ihre Klasse auf dem Feld zeigen können, startet jedes Training mit Gymnastik. „Dehnübungen vor dem Spiel sind wichtig“, sagt der Ehrenvorsitzende und ergänzt schmunzelnd: „Aber gerade bei den Männern nicht so beliebt – die wollen lieber sofort spielen.“
Aufgrund der Verhältnisse in der kleinen Halle am Schützenweg treten immer jeweils vier Routiniers pro Team gegeneinander an – ein Spieler weniger pro Mannschaft als üblich. Die Übrigen spielen so lange Tischtennis.
Gemeinschaft ist Trumpf
„Tischtennis ist wichtig, um die Reaktion zu trainieren“, weiß Hans Ahrens. Der heute 78-jährige hat von 1949 bis 1963 aktiv im Verein Handball gespielt. Seit 2008 gehört er zu der Seniorengruppe: „Ich bin jeden Donnerstag da, das ist absolute Pflicht. Donnerstags werden keine anderen Termine angenommen“, erklärt er und erzählt, was ihm beim Training besonders wichtig ist: „Natürlich ist die Bewegung gut für Körper und Geist, aber am meisten Spaß macht die Gemeinschaft.“
