Die Alpinen steuern in Sotschi auf die Halbzeit zu. Und nach der ersten Woche lässt sich sagen: Es gab zwar Überraschungen, aber keine Zufälle. Auf Matthias Mayers Olympiasieg bei der Abfahrt passt das genau: Der Geheimfavorit hat sich mit glänzender Technik und überragender Physis die Goldmedaille verdient.
Ebenso verdient war der Sieg von Maria Höfl-Riesch in der Super-Kombination: ein taktischer Geniestreich! Was im Wettbewerb der Frauen schon zu sehen war, ist bei den Männern noch einmal deutlich geworden: Die früher eher slalomlastige Kombination wird mehr und mehr von der brutal anspruchsvollen Abfahrt bestimmt. So hat die Ski-Nation Österreich bei den Männern keine Slalom-Fahrer sondern fast ausschließlich Abfahrt-Spezialisten an den Start gebracht. Ob das der Sinn der Super-Kombi sein soll?
Deshalb ist es auch schön zu sehen, dass mit dem Schweizer Sandro Viletta ein kompletter Skifahrer gewonnen hat. Sein Slalom war sensationell – er hat die Goldmedaille sicher nicht gestohlen.
Bis auf Mayers Überraschungserfolg fahren die Österreicher bislang den eigenen Erwartungen hinterher. Die Frauen konnten zwar über die Silbermedaille von Nicole Hosp in der Super-Kombi jubeln – das war es aber auch bisher. Vor allem die Schlappe in der Abfahrt müssen unsere Nachbarn erst einmal verkraften. Doch vielleicht schlagen sie im Super-G an diesem Sonnabend zurück. Aber da wollen die deutschen Frauen auch ein Wörtchen mitreden, genauso die Schweizerinnen.
Für Maria Höfl-Riesch ist von Platz 1 bis 6 wieder alles drin. Und auch Viktoria Rebensburg hat – genauso wie im Riesenslalom – Chancen auf eine Medaille. Sie ist Olympiasiegerin von 2010, sie weiß wie es geht. Bleibt zu hoffen, dass sie genügend Kraft hat, und dass ihre Fitness bis zum Ende reicht.
Dann ist bei ihrem besonderen Kurvenstil und ihrer außergewöhnlichen Fahrweise einiges drin, auch wenn sie bisher eine schlechte Saison hatte. Rebensburg muss nur an sich glauben. Der 15. Platz in der Abfahrt dürfe ihrem Selbstvertrauen gut getan haben.
Bei den Männern heißt es im Super-G am Sonntag ähnlich wie bei den Frauen: Österreich und Schweiz gegen den Rest der Welt. Hier werden aber auch die Skandinavier eingreifen können.
Ein großes Fragezeichen steht noch hinter Felix Neureuther. Ist er fit, ist alles möglich. In Riesenslalom und Slalom wird aber auch die Piste wieder eine Rolle spielen. In Sotschi gibt es anders als bei den bisherigen Weltcup-Rennen keinen Winterschnee. Die Piste ist körnig und krustig.
Für die Verhältnisse können die Organisatoren nichts, die Stecke ist top, die Organisation auch, nur der Zuschauerzuspruch lässt zu wünschen übrig. Aber es kann noch viel passieren – auch beim Wetter. Und Medaillenchancen hat Felix Neureuther immer.
