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NWZonline.de Sport

Marozsan-Ausfall schockt Frauen

12.06.2019

Valenciennes Der Blick schweifte ins Leere, die sonst so volle Stimme klang ungewohnt leise. Sichtlich angefasst lüftete Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg im Presseraum des WM-Stadions von Valenciennes das drei Tage lang gehütete Geheimnis um Dzsenifer Marozsan: Bruch der linken Mittelzehe, Deutschlands beste Fußballerin kann in der Gruppenphase nicht mehr spielen – es droht sogar das Endrunden-Aus.

„Dieser Ausfall tut weh, sportlich und persönlich, denn es ist ein besonderes Turnier für Dzseni“, sagte Voss-Tecklenburg vor dem Schlüsselspiel, der wegweisenden zweiten WM-Partie gegen Spanien an diesem Mittwoch (18 Uhr/ZDF).

Ob die formstarke Spielmacherin vom Champions-League-Sieger Olympique Lyon noch bei ihrem „Heimspiel“ in Frankreich zum Einsatz kommen kann, ist offen. „Wir werden versuchen, sie bei der WM wieder auf den Platz zu bringen, aber eine Prognose können wir nicht abgeben“, äußerte „MVT“.

Marozsan selbst gab sich kämpferisch. „Der Zeh ist leider gebrochen. Dennoch gibt es für mich keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen“, schrieb sie bei Instagram: „Wer mich kennt, weiß ganz genau, dass ich nicht so einfach aufgeben werde.“

Die Mitspielerinnen hatten dennoch an der schlechten Nachricht zu knabbern. „Wir waren alle geschockt und traurig“, sagte Abwehrspielerin Leonie Maier, betonte aber sogleich: „Unser Kader ist breit aufgestellt, wir können das kompensieren und werden für Maro spielen.“

Den folgenschweren Tritt auf den Fuß hatte Marozsan beim Arbeitssieg zum WM-Auftakt gegen die ruppigen Chinesinnen (1:0) in der 12. Minute erlitten. Trotzdem spielte sie durch, blieb angeschlagen aber weit unter ihren Möglichkeiten. „Sie hat auf die Zähne gebissen und sich in den Dienst der Mannschaft gestellt“, betonte „MVT“.

Die Diagnose wurde noch am selben Abend im Krankenhaus in Rennes gestellt: „Wir haben gesagt, wir alle müssen das erst verarbeiten und unserer Informationspflicht gegenüber dem Verein nachkommen“, erklärte Voss-Tecklenburg die nebulöse Informationspolitik der vergangenen beiden Tage.

Mit Marozsan, die im vergangenen Jahr eine beidseitige Lungenembolie überstehen musste und bei der WM 2015 in Kanada eine Sprunggelenks-Verletzung erlitten hatte, fehlt dem zweimaligen Weltmeister nicht nur eine geniale Regisseurin. Die 27-Jährige ist auch eine Spezialistin für Freistöße und Ecken. Gerade wenn es wie gegen China bei den spielerischen Lösungen hakt, ist das ein Verlust.

„Man kann sie nicht ersetzen, weil sie besondere Fähigkeiten hat. Wir müssen das als Mannschaft kompensieren“, sagte die Bundestrainerin, die noch nicht durchblicken ließ, wie sie personell auf den Ausfall ihrer Nummer 10 reagieren wird. Eine Option wäre, Kapitänin Alexandra Popp aus der Sturmspitze nach hinten zu ziehen und Lea Schüller im Angriff zu bringen.

Gegen die spielstarken Spanierinnen wird sich die DFB-Auswahl steigern müssen, um das Achtelfinale mit dem zweiten Sieg so gut wie perfekt zu machen. „Es wird ein Spiel auf Augenhöhe werden“, sagte „MVT“ über den Weltranglisten-13., der im U-Bereich zuletzt immer wieder Titel holen konnte.

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