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Sportabzeichen Fitness-Studio alleine reicht nicht aus

VAREL - Zwei- bis dreimal die Woche, je nachdem, wie es die Zeit zulässt, gehe ich ins Fitness-Studio. Eine halbe Stunde lang trainiere ich an Geräten Bauch, Arme, Brust und Rücken. Dann laufe ich eine Stunde auf dem Laufband – schnelles Gehen, statt Joggen. Eigentlich fühle ich mich mittlerweile sehr fit. Doch wie genau es um meine körperliche Leistungsfähigkeit steht, will ich wissen. Und so mache ich mich auf zum Waldstadion in Varel. Denn dort findet das Training und die Abnahme des Sportabzeichens vom Vareler Turnerbund (VTB) statt.

Besser wären Laufschuhe

Im Stadion angekommen, heißt es erst einmal umziehen. Und da liegt schon mein erster Fehler. Leiter Werner Vogel erklärt mir, dass es gerade für den Sprint wichtig wäre, eine kurze statt einer langen Hose zu tragen. Auch seien meine Turnschuhe nicht zum Laufen geeignet. Besser wären richtige Laufschuhe. „Das fängt ja gut an“, denke ich, lasse mich davon jedoch nicht entmutigen. „Erstmal warmlaufen“, sage ich mir. Und schon geht es zusammen mit Werner Vogels Frau, Annemarie Laux-Vogel, los. 400 Meter, also eine ganze Runde, laufen wir – natürlich nicht zu schnell. Ich möchte ja nicht schon zu Beginn aus der Puste sein. Das Laufen habe ich locker genommen, was ich wohl teilweise meinem Training auf dem Laufband zu verdanken habe. Kondition habe ich also schon einmal. Jetzt geht es zur ersten Disziplin.

Aus fünf Gruppen muss ich mich jeweils für eine Übung entscheiden (Laufen, Springen, Werfen, Ausdauer, Schwimmen). In der Gruppe vier habe ich die Auswahl zwischen Kugelstoßen, Schlagball, Wurfball, Schleuderball, 100 Meter Schwimmen oder Turnen. Ich versuche mich im Kugelstoßen. Doch wie weit muss ich die Kugel eigentlich stoßen? Das verrät mir ein kleines Heft vom Kreissportbund Friesland. Dort finde ich die Anforderungen nach Altersgruppen und Geschlecht unterteilt. Ich bin 27 Jahre alt, in der Altersgruppe 18 bis 29 Jahre. Die vier Kilo schwere Kugel muss ich 6,50 Meter stoßen. Das hört sich schwierig an, zumal ich diese Disziplin vorher noch nicht gemacht habe. Doch Werner (beim VTB duzt man sich) erklärt mir alles ganz freundlich.

Wieder nichts

„Die Kugel in die Hand legen, auf den Ballen, nicht festhalten, sondern nur locker mit dem Daumen stützen“, sagt er. Da ich Rechtshänderin bin, muss sie in die rechte Hand. Ich stehe seitlich. Den rechten Arm knicke ich ein und führe die Kugel zu meiner Schulter, wo sie ruhen soll. Den linken Arm strecke ich nach vorne. Nun folgt der schwierigste Teil: das Stoßen. Wie beim Tanzen ist die Schrittfolge – drei Schritte, wobei die Beine jedoch nicht gekreuzt werden. Am Ende folgt eine leicht Drehung nach vorne und schon passiert es. Mir rollt die Kugel in den Sand. Noch ein Versuch. Diesmal klappt es und die Kugel fliegt 4,65 Meter weit. Schade, keine 6,50 Meter denke ich und starte noch einen Versuch. Wieder nichts. Mit dem Kugelstoßen reicht es mir für heute.

Auf geht es zum 100-Meter-Lauf (Gruppe drei). Ich könnte mich auch für Radfahren oder Inline-Skating entscheiden. Aber da es ja schon so gut mit dem 400-Meter-Laufen geklappt hat, bin ich zuversichtlich. Ich gehe an den Start mit der Vorsitzenden vom VTB, Marlen Webersinke, Dagmar Meinjohanns und Wolfgang Grützmacher.

Dann folgt das Kommando: „Auf die Plätze, fertig“ und bei „los“ höre ich nur ein Startsignal. Ich versuche mein Bestes zu geben – Dagmar zieht an mir vorbei wie eine Rakete. Ich renne und renne und komme als Zweite ins Ziel. Meine Zeit: 17,07 Sekunden, 16 hätte ich schaffen müssen.

Meine Lunge brennt

Ärgerlich, ganz knapp vorbei. Ein zweites Mal will ich es wissen, doch kurz vor dem Ziel geht mir die Puste aus. Meine Lunge brennt und mir ist schlecht. Ich muss mich hinsetzen. Da merke ich die Zigaretten, die ich geraucht habe. Der Sprint beweist mir, dass es mit meiner Kondition doch nicht so weit her ist.

Vielleicht kann ich noch etwas beim Weitsprung (Gruppe zwei) erreichen. Dagmar möchte den Anfang machen. Sie hat bis jetzt alle Disziplinen erfolgreich gemeistert – und auch diese besteht sie ohne Mühe. Jetzt bin ich an der Reihe. Ich habe noch etwas wackelige Knie vom Sprinten. Ich nehme Anlauf und stoße mich kräftig mit dem rechten Fuß vom Boden ab. Ich trau’ mich kaum hinzusehen, als Werner misst: 3,11 Meter. Nicht geschafft, ich hätte 3,50 Meter weit springen müssen.

Erschöpft setze ich mich ins Gras. Das ist alles gar nicht so einfach, wie es aussieht. Und etwas Wichtiges habe ich dazu gelernt: Das Fitness-Studio reicht auf keinen Fall aus, das Sportabzeichen nebenbei schaffen zu können.

Tanja Mikulski
Tanja Mikulski Redaktion Münsterland
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