Oldenburg - Für viele der rund 200 Besucherinnen und Besucher beim Schaufahren des Schiffs-Modellbau-Clubs Oldenburg am Swarte-Moor-See ist es ein Familienausflug.

Mit besonderer Begeisterung stehen Eltern mit Kindern und Oma und Opa am Ufer, um das rege Treiben der „Mini-Originale“ auf dem See zu verfolgen. So richtig spannend wird es, als Manfred Kirchhoff vom Modellbau-Club Oldenburg den Startschuss für die Regatta der zehn „Micro-Magic-Segelboote“ gibt – Modelle, die weltweit gesegelt werden und Eigenschaften originaler Segelboote besitzen. „Die sind besonders gut für die Jugendlichen unserer Szene geeignet“, hat Manfred Kirchhoff festgestellt.

Lasse Peters ist 13 Jahre alt und gilt trotz seiner erst einjährigen Mitgliedschaft im Verein als Favorit bei der Regatta, er hält sich auf den Runden um die durch Bojen markierte Fläche auch lange Zeit an vorderster Front; muss sich aber dann aufgrund unberechenbarer Windverhältnisse, wie sie auf dem Smarte-Moor-See vorherrschen, irgendwann durch Klaas Wiegel (1. Platz), Stefan Preuß (2. Platz) und Michael Lewitzki (3. Platz) geschlagen geben.

„Aber so ist das beim Segeln, man hat immer wieder neue Herausforderungen“, nimmt der jüngste Teilnehmer an der Regatta sein „Schicksal“ sportlich hin. „Ideal ist immer der Wind im 45 Grad Winkel zum Segel“, weiß er. Aber es gibt auch Strecken, wo völlige Flaute herrscht. „Und dann kommt es darauf an, die beste Position per Fernsteuerung der Segel und des Ruders zu ergattern“, meint er. Lasse schätzt insbesondere die Abwechselung beim morgendlichen Segeln. „Wir fahren fast jeden Monat eine Regatta auf dem Swarte-Moor-See und es ist jedes Mal anders“, sagt der Schüler.

„Wer drückt mich da weg?“, ruft ein Segler während der Regatta vom Ufer aus. „Du hast im Weg gestanden“, antwortet der Verursacher deutlich. Schnell ist aber das „Problem“ behoben.

Die Bandbreite der ausgestellten Modellbauschiffe auf der Wiese am Smarte-Moor-See ist riesengroß. Rund 100 Modelle stehen in Reih’ und Glied zur Abfahrt bereit. Den kleinsten Schlepper der niederländischen Smit-Reederei mit dem Namen „Smit-Zweden“ mit einer Länge von 14 Zentimetern (Maßstab 1:200) stellt Wolfgang Müller vom Schiffsmodellbau Club Bad Zwischenahn-Edewecht. „Auch, wenn er klein ist, habe ich rund 300 Stunden an dem Original-Modell gearbeitet. Dafür gibt es auch keinen Bausatz“, so Müller.

Das Minischiff wirkt fast ein wenig verloren neben dem Kreuzfahrtschiff „MS Astor“ von Rüdiger Gehrmann. Sein Modell ist knapp 1,7 Meter lang (Maßstab 1:100) und wurde von einer ehemaligen Kreuzfahrt-Direktorin der „MS Astor“ vor einigen Jahren schon auf einer Messe als „sehr realistisch“ eingestuft. „Rund 5000 Stunden habe ich daran gesessen“ sagt der Vorsitzende des Schiffs-Modellbau-Clubs Oldenburg.

Alle Miniaturen kommen zum größten Teil ohne Bausätze aus. „Da ist jedes Tau, jeder Shekel und Lümmelbeschlag, jedes Ruder und jeder Schornstein original nachgebaut“, garantiert Holger Tromschke, der seit 16 Jahren Clubmitglied ist. Die Kinder sind begeistert, wenn er seinen Kutter „Tön 12“ mit den Original-Fangnetzen und reichlicher Takelage „schippern“ lässt. „Heute herrscht zuviel Wind, da könnten die Netze unvorhergesehene Probleme verursachen“, meint Tromschke. Die Ausstellung der Modelle ist ständig umringt. Die „Eigner“ müssen viele Fragen zu Technik, Baujahr und anderem beantworten. Einige Zuschauer nehmen die Gelegenheit wahr, ein Modell ihrer Wahl zu Wasser zu lassen und unter Begleitung in See zu stechen.