Schortens - An den Anruf im Sommer 1999 kann sich Werner Schulze noch gut erinnern: Schortens’ damaliger Gemeindedirektor Wolfgang Schmitz war am Apparat. Und der kam ziemlich schnell zur Sache: „Könnt Ihr Euch eigentlich vorstellen, Euer Vereinsgelände an einen Investor zu verkaufen?“
Fünf Jahre später war die alte TuS-Halle am Mühlenweg abgerissen und eröffnete der TuS Oestringen am Huntsteert in Schortens mit einem großen Fest eine moderne neue Sporthalle, die für den Verein keine Wünsche offenließ. Der TuS konnte sich nicht nur vorstellen, sein Vereinsgelände am Mühlenweg zu verkaufen, er hat es auch verkauft.
Glücksgriff für Verein
Und das war, wie sich herausstellte, ein toller Coup: Denn der Discounter Aldi sowie Edeka hatten ein Auge auf das Areal am Mühlenweg geworfen, wollten an dieser Stelle unbedingt ihre neuen Märkte errichten. Und der TuS Oestringen, dessen großes Aushängeschild das Turnen und die Leichtathletik sind, war auf einmal auch im Pokern eine harte Nuss. „Der Verkauf waren ein wahrer Glücksgriff für den Verein“, sagt Werner Schulze rückblickend.
Der Vorstand hatte sich mit den Altvorderen des Vereins zusammengesetzt, die ebenfalls für einen Verkauf und Neubau waren: „So eine Gelegenheit gibt’s so schnell nicht wieder“, hieß es. So reiste der Vereinsvorstand durch die Lande, sah sich viele Turn- und Sporthallen an – und rechnete aus, dass die neue Halle wohl 1,8 Millionen Euro kosten würde. Der Bauunternehmer, der für Aldi und Edeka die Verhandlungen mit dem TuS führte, schlug ein. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Mai 2001 votierten die Mitglieder für das Projekt.
Seit 2004 ist der TuS Oestringen nun am Klosterweg beim Huntsteert ansässig. Der Umzug und Hallenneubau bescherte dem Verein einen enormen Mitgliederzuwachs: Innerhalb von nur zwei Jahren verdoppelte sich die Zahl der Mitglieder auf mehr 1200. Der Boom ist abgeklungen, doch die Mitgliederzahl liegt immer noch konstant bei über 1000, so die heutige Vorsitzende Ute Müller.
Aushängeschild des Vereins ist nach wie vor das Turnen. Sport und (Geräte-)Fitness treiben zudem Kinder, Jugendliche und Senioren. Auch Basketball, Tischtennis und Badminton sowie Kampfsport gehören seit Jahren zum Sportangebot. Größeres Problem ist, wie in vielen Vereinen, genügend Übungsleiter zu finden.
Anfänge im Gasthof
Ganz klein fing der TuS Oestringen vor 100 Jahren an. Damals hieß der Verein noch MTV Ostiem, geturnt wurde im großen Saal des Ostiemer Hofs. Aus dem Männerturnverein wurde sieben Jahre später der TV Ostiem, erst nach dem Krieg der TuS Oestringen. Die turnerischen Vorläufer des Vereins reichen jedoch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.
Das Vereinsjubiläum will der TuS Oestringen am Freitag, 19. April, ab 19 Uhr mit seinen Mitgliedern, Förderern und vielen Ehrengästen bei einem musikalischen und sportlichen Jubiläumsfestakt im Bürgerhaus feiern. Eigentlich sollten auch Aldi- und Edeka-Chefs auf der Gästeliste stehen.
