Meppen/Oldenburg - Als das dritte Mal „Danz op de Deel“ aus den Stadionlautsprechern der Hänsch-Arena dröhnte und rund 8600 der 9621 Zuschauer mit ihrer stimmungsvollen Torhymne das 3:2 (1:2) des SV Meppen durch Bruno Soares feierten (83. Minute), fand der VfB Oldenburg keine Antwort mehr. Hin und her war es zuvor in einem äußerst packenden Nordwest-Derby gegangen. 0:1, 2:1, 2:3 aus Oldenburger Sicht – ein Spiel auf Augenhöhe, ausgeglichen, intensiv, mit sehenswerten Toren und von beiden Seiten durchaus drittligareif geführt. Letztlich aber kommt aller Voraussicht nach nur noch eine Mannschaft für die Meisterschaft und die darauffolgenden Drittliga-Aufstiegsspiele infrage: der SV Meppen.
Anschluss verloren
Neun Punkte beträgt der Rückstand des ernüchterten VfB (31 Punkte) auf den Tabellenzweiten aus dem Emsland (40), der zudem noch ein Spiel mehr auszutragen hat. „Wir haben gehofft, durch einen Sieg Meppen Paroli zu bieten und den Anschluss nach oben wiederherzustellen“, sagte ein merklich geknickter VfB-Trainer Fuat Kilic. Das Ergebnis sei „schwer zu verdauen“, weil es gleichzeitig auch einen entscheidenden Rückschlag inkludierte. Sechs Siege und drei Remis hatte der VfB aus den letzten neun Partien geholt, die Hoffnungen damit genährt, dass nach dem Fehlstart in die Saison doch noch was geht. Jetzt aber tritt Meppen gefestigt und sehr stabil auf, ein derartiger Einbruch ist kaum zu erwarten. Und selbst wenn dieser käme, sind da ja noch Spitzenreiter Hannover 96 II (41), Phönix Lübeck (35; vier Spiele weniger als der VfB) und weitere Rivalen.
Also ging Kilic auf Ursachenforschung, warum die etwa 1000 mitgereisten Oldenburger Anhänger ihr aufopferungsvoll kämpfendes Team am Ende mit Applaus trösten mussten. „Meppen ist dafür bekannt, frühe Tore zu machen – und trifft mit dem ersten Schuss“, sagte Kilic über das 0:1 in der 4. Minute, als Marek Janssen steil auf Christopher Schepp spielte und dieser den Ball fulminant unter die Torlatte drosch. Janssen, der später mit einer herrlichen Direktabnahme das 2:2 erzielte (60.), und Schepp – dieses Sturmduo war nicht nur bärenstark, es legte auch einen Makel im VfB-Spiel offen.
Abschluss gefunden
„Sie haben heute einen Unterschied zu meinen Offensivspielern gezeigt, die nochmal aufziehen, die noch einen Haken machen statt zu schießen. Bei ihnen war eine Gradlinigkeit zu sehen“, analysierte Kilic treffend. Janssen (12 Saisontore) und Schepp (10 Saisontore), beide früher zusammen für BW Lohne unterwegs, suchten aus jeder Lage den Abschluss – selbstbewusst, mit viel Wucht. Oldenburgs treffsicherster Stürmer Markus Ziereis (6 Saisontore) ackerte zwar viel fürs Team, torgefährlich wurde er jedoch nicht. Aurel Loubongo (4 Saisontore) war gut im Spiel und schlug schnelle Haken, ist aber eben ein Außenstürmer und kein Torjäger. Gleiches gilt für Rafael Brand, der gleichwohl sehenswert das 1:1 erzielte (18.) und die 2:1-Führung von Drilon Demaj vorbereitete (32.). „Man muss schon zugeben, dass Meppen zwei Traumtore erzielt hat“, kommentierte Brand die beiden Tore des Meppener Sturmduos und überlegte zudem: „Ich weiß nicht, ob sie ein klein wenig mehr gekämpft haben als wir. Ich denke, wir haben aber auch alles reingeschmissen.“
Serie ausgebaut
Mangelnden Einsatz mussten sich die Gäste in der Tat nicht vorwerfen lassen, eher die mangelnde Effektivität im Offensivspiel. „Der VfB hat in der ersten Halbzeit einen gepflegten Ball gespielt. Wir wollten Nadelstiche setzen und sofort, wenn das Schussfenster da ist, zum Abschluss kommen. Das haben wir auch gemacht“, beschrieb Adrian Alipour den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen zwei gleichwertigen Mannschaften. Der Trainer des SV Meppen hat übrigens eine beeindruckende Heimbilanz aufzuweisen, seitdem er das Amt von Ernst Middendorp übernommen hat: Neun Spiele, neun Siege – das ist nun wirklich drittligareif.
