Oldenburg/Kiel - Dem Abstieg in die Kreisliga gerade so entronnen, dann ein rasanter Aufstieg von der siebtklassigen Verbandsliga bis in die Regionalliga Nord: Kilia Kiel, der Gegner des VfB Oldenburg an diesem Sonntag (15 Uhr, Marschwegstadion), hat turbulente Jahre hinter sich. Während Kiel am vergangenen Wochenende bereits ins Spielgeschehen eingriff, mussten Spieler und Trainer des VfB noch die Füße still halten. Die Kieler sind dabei an einem Einstand nach Maß haarscharf vorbeigeschrammt. Eine 2:0-Führung beim Bremer SV konnte Kilia nicht über die Zeit bringen. Letztlich musste sich die Mannschaft von Trainer Nicola Soranno mit einem 2:2 begnügen. Vor knapp vier Jahren haben viele Kilia-Fans von so einem Ergebnis aber wohl nur träumen können.
Direkter Durchmarsch
2019 stand der Verein kurz vor einem Abstieg in die Kreisliga. Was folgte war eine 180-Grad-Wende. In den nächsten Jahren marschierte Kilia durch die Wettbewerbe. Erst 2019/20 der Aufstieg von der Verbands- in die Landesliga, dank Quotientenregelung. Den direkten Durchmarsch in die Oberliga Schleswig-Holstein verhinderte 2020/21 wohl nur der coronabedingte Saisonabbruch, nach sechs Spieltagen stand Kiel an der Tabellenspitze der Landesliga Mitte.
Mit einem Jahr Verzögerung war es dann aber so weit, 2022/23 spielte der FC Kilia in der Oberliga. Nach einer furiosen Saison mit 81 Punkten und einem Torverhältnis von 125:25 feierte der frisch gebackene Oberligist direkt die Meisterschaft und qualifizierte sich für eine Aufstiegsrunde – mit Entscheidungsspielen gegen den Eimsbütteler TV und OSC Bremerhaven. Trotz einer Niederlage gegen den späteren Mitaufsteiger Eimsbüttel reichte ein dramatischer Last-Minute-Sieg gegen Bremerhaven (3:2, Tore in der 89. und 92. Minute) zum Aufstieg in die Regionalliga Nord. „Kilia Kiel ist ein euphorisierter Aufsteiger. Das Team hat 14 Spieler, die zusammen auf über 1000 Regionalligaspiele kommen“, sagt VfB-Trainer Benjamin Duda: „Die Mannschaft kann damit auf einen gefestigten Kader verweisen und wird in der Regionalliga nicht zu unterschätzen sein.“
Erfolgsgaranten
Volker Roese, 1. Vorsitzender des Vereins, ist das Gesicht des Erfolgs. Er krempelte vor vier Jahren alles um. „Es gab einen Zehn-Jahres-Plan, der eine sukzessive Verbesserung in allen Bereichen, sowohl infrastrukturell als auch sportlich vorsah und -sieht“, sagte er den Kieler Nachrichten: „Hätten wir damals nicht alles auf Links gedreht, gäbe es den FC Kilia hier im Stadion nicht mehr.“ Zu den Protagonisten des Erfolgs gehört auch Cheftrainer Soranno. „Er hat hier alles professionalisiert, hat jeden Stein zweimal umgedreht“, sagten Stürmer Yannik Jakubowski und Torwart Justus Kaak über ihren Coach: „Er ist mit seinen Gedanken immer ein, zwei Schritte weiter, weil er nie zufrieden ist.“
Verstärkungen auf dem Transfermarkt
Rückschläge hat Soranno mit Kilia bisher kaum erlebt. Seit seinem Amtsantritt im Juli 2021 stand er in 61 Spielen an der Seitenlinie und holte im Schnitt 2,48 Punkte. Der erst 34-Jährige war zudem mehrere Jahre Co-Trainer bei der Reserve von Holstein Kiel – unter dem heutigen Werder-Trainer Ole Werner.
Um auch in der Regionalliga bestehen zu können, hat Kiel den Kader nochmal verstärkt. Von Weiche Flensburg kamen Stürmer Christopher Kramer und Mittelfeldspieler Kevin Schulz. Zusammen kommt das Duo auf fast 500 Regionalliga-Einsätze. Ex-Oldenburger Kramer (2016-2017 beim VfB) erzielte vergangene Saison 13 Treffer für Flensburg. Für den Flügel wurde Felix Niebergall verpflichtet. Der 24-Jährige (87 Regionalliga-Spiele) zeigte im ersten Spiel, wie wertvoll er sein kann, war an beiden Toren direkt beteiligt.
Zwar dürfte der FC Kilia auf dem Papier mit den Neulingen Eimsbüttel und SC Spelle-Venhaus Außenseiter in der Regionalliga sein. Der rasante Aufstieg hat aber gezeigt, dass mit dem Club zu rechnen ist.
