Oldenburg - Um 10.15 Uhr stand er am Dienstagmorgen wieder da, wo er in der Vorsaison auch schon die Anweisungen gegeben hatte. Im Sportpark Dornstede leitete Fuat Kilic erstmals nach seiner überraschenden Rückkehr zum VfB Oldenburg wieder das Training des Fußball-Regionalligisten. Am Sonntag hatte der VfB hinter den Kulissen den Kilic-Knaller perfekt gemacht, am Montag die Rückholaktion des Vorgängers des freigestellten Benjamin Duda offiziell verkündet. Nach seiner ersten Einheit an alter Wirkungsstätte sprach der 50-jährige Fußball-Lehrer ausführlich mit unserer Redaktion.
Kilic zur Rückkehr
„Bei dem Einen ja, bei dem Anderem nicht“, antwortete Kilic lachend auf die Frage, ob es eine große Wiedersehensfreude bei den vielen bekannten Gesichtern gegeben habe. Er könne es als Trainer „nicht jedem gerecht machen“, meinte der Coach, unter dem es in der vergangenen Saison natürlich auch Gewinner (Linus Schäfer) und Verlierer (Max Wegner, Sebastian Mielitz) gegeben hatte. „Ich habe heute viele strahlende und freudige Gesichter gesehen“, betonte der 50-Jährige dann doch. Für alle Fußballer, die er in der Vorsaison in zwölf Drittligaspielen gecoacht hatte, seien die Voraussetzungen gleich. „Das hat etwas mit Fairness zu tun. Ich bin kein Mensch, der generell nachtragend ist. Ich habe den Jungs gesagt, es gilt für alle die gleiche Ausgangssituation“, betonte Kilic. Generell sei es für ihn nach seinem Abschied nach dem Abstieg ein Vorteil, dass er „die Örtlichkeiten, die Rahmenbedingungen und vor allem den größten Teil der Mannschaft kennt.“
Kilic zur Auszeit
Trotz des verpassten Drittliga-Klassenerhalts hatte der VfB großes Interesse, Kilic im Sommer weiter zu binden. Der Fußball-Lehrer entschied sich jedoch vor allem aus familiären Gründen gegen einen neuen Vertrag in Oldenburg und für eine Rückkehr in die Heimat Köln. Einen neuen Verein fand er nicht, regelte stattdessen in den vergangenen Monaten einige private Dinge. „Es war mir wichtig, wieder etwas mehr Zeit für die Familie zu haben und mehr Zeit mit Frau und Kindern zu verbringen“, untermauerte Kilic am Dienstag. Die „intensive Zeit“ beim VfB habe „viel Kraft gekostet“, nun habe er wieder „ordentlich Energie getankt“. Er spüre eine „innere Euphorie und Freude darüber, wieder auf dem Platz zu stehen“. Der Kontakt zu Sportleiter Sebastian Schachten und Co-Trainer Frank Löning sei ohnehin nie ganz abgerissen. „Wir hatten ja immer ein sehr gutes, vertrauensvolles und sehr offenes Miteinander gehabt.“
Kilic zur VfB-Situation
Natürlich habe er den Fehlstart des favorisierten VfB in der Regionalliga Nord in den letzten Wochen verfolgt. „Manchmal ist das so. Die Erwartungen sind groß, aber was herauskommt, ist dann nicht im Einklang damit. Das hat aber auch Gründe“, sagt Kilic: „Da müssen wir schauen, dass wir die Jungs von der mentalen Seite dahin bekommen, wo wir sie haben wollen. Wir wollen wieder mehr Intensität ins Spiel bringen.“ Die Gegner hätten eine ganz andere Motivation, wenn es gegen einen Absteiger aus der 3. Liga gehe. „Die anderen Teams haben auch eine hohe Qualität. Wir müssen bereit sein, erstmal selbst zu kämpfen und dann die Qualität auf den Platz bringen, die zweifellos im Kader ist.“
Kilic zu seinen Zielen
„Wir wollen natürlich noch angreifen“, sagt Kilic zu seinen Zielen, ohne nach bisher nur neun Punkten aus acht Spielen die Meisterschaft oder den Aufstieg zu meinen. „Das große Ziel ist, das Bisherige zu korrigieren. Wir müssen von dem hohen Ross runterkommen, dass wir der Favorit in der Liga sind. Wir müssen jetzt erstmal diese Negativspirale brechen und endlich wieder Konstanz ins Spiel bringen“, sagt der Trainer und führt aus: „Wir wollen wieder attraktiven Fußball bieten. Endlich wieder Dominanz in allen Spielphasen ausstrahlen. Das ist klar meine Aufgabe. Wir wollen wieder eine Einheit werden. Ich will ehrlichen und keinen Alibi-Fußball sehen. Das haben die Fans in der letzten Saison auch toleriert.“
