Lohne/Oldenburg - Fast genau ein Jahr ist es her, da war die Stimmung beim VfB Oldenburg auf dem Siedepunkt. Es war der 2. Oktober 2022, als der Aufsteiger in der 3. Liga mit einem 2:1-Sieg bei Viktoria Köln zum sechsten Mal in Serie ungeschlagen blieb, mit 15 Zählern auf Rang neun der 3. Liga stand und die Euphorie rund um den Club anfeuerte.
Im Hier und Jetzt ist davon nichts mehr zu spüren. Platz 13 in der Regionalliga Nord sowie das klägliche Elfmeter-Aus im Halbfinale des Fußball-Landespokals bei BW Lohne (0:2) bedeuten blaue Tristesse. Anfang Oktober 2023 ist die Stimmung rund um den VfB nicht mehr auf dem Siede-, sondern auf dem Tiefpunkt angekommen. Das sind die Probleme, mit denen er sich herumplagt.
Durchschlagskraft
Nach zehn Ligaspielen und zwei Pokalpartien ist es nicht mehr nur der erste Eindruck, sondern ein festes Bild: Der VfB kann trotz der großen Qualität im Kader seine Gegner nicht dominieren. Regelmäßig finden die Partien auf Augenhöhe statt, viele Zweikämpfe und zu viele lange Bälle prägen das Oldenburger Spiel. Sobald es nach vorne geht, fehlen die spielerischen Mittel, um gefährlich vor das Tor zu kommen. Rechnet man das 4:0 gegen den eine Stunde lang in Unterzahl agierenden Aufsteiger Kilia Kiel zum Saisonstart heraus, hat der VfB nur acht Tore in den letzten neun Ligaspielen erzielt. Hinzu kommt ein Treffer im Pokal-Viertelfinale beim TSV Havelse und nun kein Tor im Halbfinale bei BW Lohne. „Uns fehlt, dass wir in unseren guten Phasen auch mal ein Tor machen“, sagte Co-Trainer Frank Löning am Dienstag.
Torjäger
Dafür brauchen Mannschaften in der Regel einen Torjäger, der aus wenig viel machen kann – und den hat der VfB aktuell nicht. Der im Sommer als Hoffnungsträger aus Bayreuth verpflichtete Markus Ziereis traf gegen Kilia und doppelt gegen den SV Meppen (2:0) – in den anderen zehn Pflichtpartien blieb er torlos. Ziereis, zuvor ausschließlich im Süden Deutschlands auf Torejagd, ist noch nicht im VfB-Spiel angekommen. In Lohne stürmte er an der Seite von Max Wegner (traf gegen Kilia Kiel, seitdem torlos), der erneut viel rannte und ackerte, aber kaum auf das Tor schoss. „Markus und Max haben sich vorne aufgerieben und viele Bälle festgemacht. Nur da, wo wir sie gefährlich haben wollen in der Box, da sind wir zu wenig gewesen. Da müssen wir dran arbeiten“, sagte Löning.
Leichtigkeit
Was nach dem Abstieg aus der 3. Liga, dem Fehlstart und dem Trainerwechsel von Benjamin Duda zu Kilic offensichtlich ist: Dem VfB fehlt jegliche Leichtigkeit. Die Einstellung stimmte in Lohne, verbissen gingen die Oldenburger in die vielen Mann-gegen-Mann-Duelle. Spielerische Elemente oder starke Einzelaktionen blieben aber auf der Strecke. Oft sucht der Spieler am Ball in der Offensive nach Anspielstationen – und findet keine. „Natürlich spricht man dann immer von Selbstvertrauen, das ist momentan nicht da. Wir wollen uns Woche für Woche steigern. Wer hart arbeitet, wird sich belohnen. Das machen die Jungs“, beschreibt Löning die Situation.
Verletzungen
In einer Phase, in der das Team auf der Suche nach Sicherheit und Stabilität ist, schlägt zudem das Verletzungspech brutal zu. Zuletzt fehlten Sebastian Mielitz (Knie-OP), Rafael Brand (Muskelfaserriss), Ole Käuper (Hüftprobleme) und Linus Schäfer (Kapsel). Nun musste Drilon Demaj in Lohne nach einem Ellenbogentreffer ausgewechselt und ins Krankenhaus gebracht werden. Diagnose: Gehirnerschütterung. In Halbzeit zwei blieb zudem Justin Plautz im Rasen hängen, musste direkt (und wutentbrannt) vom Platz. Bei beiden ist ein Einsatz an diesem Sonntag (15 Uhr) beim Bremer SV unwahrscheinlich. Sicher fehlen werden Marcel Appiah (Gelb-Rot-Sperre) und Marc Schröder (Gelb-Sperre). Die Routiniers Christopher Buchtmann und Max Wegner plagten in Lohne zudem muskuläre Probleme.
Druck
Dann ist da noch das Thema Druck – hier gibt es zwei Aspekte. Zum Einen gilt der VfB im Gegensatz zur Drittliga-Saison fast in jedem Spiel als Favorit, die Erwartungshaltung ist eine ganz andere. Zum Anderen fällt im Frühjahr 2024 die Entscheidung des Stadtrats über einen Stadionneubau. Ein VfB im tristen Mittelfeld oder gar im Abstiegskampf der Regionalliga hilft da in der Außendarstellung wenig. „Natürlich gibt es dadurch Druck“, gestand Kilic im „Kicker“, sagte aber auch: „Wir können dieses Thema nicht abhängig von der aktuellen sportlichen Leistung machen.“
