Oldenburg - Die Zeit, über die nach der geglückten Aufstiegsrelegation im Vorsommer nun schon im zweiten Jahr in Folge sehr komplexe, weil erneut sehr späte Kaderplanung zu sprechen, sieht Sebastian Schachten noch nicht gekommen. „Grundsätzlich ist es so, dass wir verantwortungsvoll handeln und uns natürlich vorbereiten“, sagt der Sportliche Leiter des VfB Oldenburg im Gespräch mit unserer Redaktion, lenkt den Blick dann aber weg von der Unsicherheit, ob er mit den Fußballern über Dritt- oder Viertligaverträge verhandelt, hin zum Sport: „Unser Fokus liegt aktuell voll auf Fußball, den Kampf um den Klassenerhalt und darauf, an den Auftritt aus Ingolstadt anzuknüpfen. Die Jungs haben eine super Leistung gezeigt, die wollen wir wieder auf den Platz bringen.“
Arbeit statt Arbeitspapier
Dass Schachten vor dem sechstletzten Spiel der Saison an diesem Samstag (14 Uhr, Marschwegstadion) gegen den SC Freiburg II nicht gern über Arbeitspapiere, sondern lieber über die Arbeit seiner Mannschaft auf dem Platz sprechen will, ist nachvollziehbar. Störfeuer oder Nebengeräusche sind das letzte, was der VfB im nach dem 2:0 beim FC Ingolstadt etwas verbesserten, gleichwohl noch immer schwierigen Rennen um den Ligaverbleib gebrauchen kann. Zudem steht den Oldenburgern nicht nur in der 3. Liga, sondern auch im Niedersachsenpokal eine ganz wichtige Woche bevor. Am Mittwoch, 26. April (18 Uhr), geht es bei Regionalligist Atlas Delmenhorst um den Einzug in das Finale des Landespokals – mit dem Sieg im Wettbewerb kann der VfB sich erstmals seit 2011 für den finanziell überaus lukrativen DFB-Pokal qualifizieren. Am Sonntag (14 Uhr) drauf wartet bei RW Essen ein Gegner, den die Elf von Trainer Fuat Kilic mit einem Auswärtssieg tief mit in den Abstiegsstrudel ziehen könnte.
Erst einmal aber gastiert der SC Freiburg II im Marschwegstadion und damit ein Team, das auf Rang drei der Tabelle steht, aufgrund der Regelung, dass eine Zweitvertretung eines Bundesligisten nicht in die 2. Liga aufsteigen darf, aber letztlich um die „goldene Ananas“ spielt. „Freiburg II ist extrem spielstark und hat eine sehr hohe technische Qualität in der Mannschaft. Man kann sehen, dass die Spieler hervorragend ausgebildet wurden. Sie stehen zu Recht da, wo sie stehen“, lobt Schachten, der sicherlich auch gespannt sein dürfte, wie Trainer Kilic zwei personelle Fragen löst: Kehren sowohl Kamer Krasniqi als auch Oliver Steurer nach ihren Gelbsperren in die Startelf zurück? Oder haben die in Ingolstadt glänzend aufgelegten Marc Stendera und Marcel Appiah ihre Chance so gut genutzt, dass sie erneut beginnen werden? Dass Patrick Hasenhüttl nach einem Tor und einer Vorlage bei den Oberbayern erneut stürmen und Kapitän Max Wegner auf die Bank verdrängen wird, dürfte da wesentlich gesicherter sein.
Intensität, Emotionalität
Für Schachten selbst zählen indes andere Dinge, die ihm mit Blick auf die anvisierte Aufholjagd Mut machen. „Intensität und Emotionalität waren in Ingolstadt sehr gut, wenn man zum Beispiel gesehen hat, wie jeder einzelne Spieler auf der Bank mitgegangen ist. Alle haben an einem Strang gezogen“, schwärmt er. Mut mache ihm generell „die Moral, die in dieser Mannschaft steckt“. Dass es schwierig werde bei der Ausgangslage, sei ja jedem klar. Aber: „Wie die Jungs sich gepusht haben nach geglückten Grätschen, das sind Szenen, die man gern sieht. Wenn Möschi (Anm. d. Red.: Patrick Möschl) oder Nico (Nico Knystock) sich in Schüsse schmeißen, dann geht dem ehemaligen Spieler in mir das Herz auf. Wir hauen alles rein. Das kommt dem nahe, was ich sehen will – jedes Spiel so zu spielen, als ob es das letzte ist.“ Auch wenn es an diesem Samstag erst die sechstletzte Chance auf weitere Drittligapunkte ist.
Der SC Freiburg II steht mit 62 Punkten und 47:30 Toren auf Platz drei der 3. Liga. In Vincent Vermeij haben die Breisgauer den zweiterfolgreichsten Stürmer der Liga in ihren Reihen. Der 28-jährige Niederländer hat bisher 15 Tore erzielt und traf auch beim 1:0-Hinspielsieg des SC gegen den VfB Oldenburg im vergangenen Oktober. Die Mannschaft von Trainer Thomas Stamm (seit 2021 im Verein) gewann zuletzt 4:0 gegen den FSV Zwickau, kassierte davor allerdings zwei Niederlagen. Der SC Freiburg II war 2021 in die 3. Liga aufgestiegen und hatte die vergangene Saison auf dem elften Platz abgeschlossen.
