Oldenburg - Heimpremiere misslungen: Der VfB Oldenburg kriselt auch nach dem ersten Heimspiel des Alt-Neu-Trainers Fuat Kilic weiterhin kräftig in der Regionalliga Nord. Am Sonntagnachmittag sahen 2359 enttäuschte Zuschauer im Marschwegstadion eine 0:2 (0:0)-Niederlage des vermeintlichen Meisterschaftsanwärters aus Oldenburg gegen ein tatsächliches Spitzenteam Holstein Kiel II.
Der Tabellenführer aus Schleswig-Holstein schlug in einem in der ersten Halbzeit noch ausgeglichenem Spiel binnen vier Minuten durch Niklas Niehoff (55.) und Laurynas Kulikas (59.) zweimal eiskalt zu. Zuvor hatte Christopher Buchtmann für den VfB in der 19. Minute einen Foulelfmeter verschossen. Deutlich zu sehen war, warum die Oldenburger bisher zwölf und Kiel 25 Tore geschossen hat: Die Gäste agierten offensiv wesentlich zielstrebiger und beweglicher als der VfB, der nun schon seit vier Ligapartien sieglos ist und mit nur zehn Punkten aus zehn Spielen in Richtung Abstiegszone blicken muss. Zu allem Überfluss sah VfB-Kapitän Marcel Appiah in der 61. Minute wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte.
Gleich fünf Ausfälle
Mit nur 17 Feldspielern im Kader, darunter der A-Jugendliche Louis Hajdinaj, ging der VfB in das Kilic-Heimdebüt. Sebastian Mielitz (Knie-OP, war mit Gehhilfen im Stadion), Kamer Krasniqi (Rotsperre), Rafael Brand (Muskelfaserriss), Ole Käuper (Hüftprobleme) und Linus Schäfer (angeschlagen) fehlten. Als zweiter Torwart stand der A-Jugendliche Onyemauche Jude Chikere im Aufgebot, auch Torwarttrainer Jannik Zohrabian gehörte dazu. Im Sturm verzichtete Kilic dennoch in seiner Startelf auf Markus Ziereis, einzige Spitze war Max Wegner. Für Käuper rückte Drilon Demaj in das Mittelfeld.
Buchtmann verschießt Elfmeter
Die Kieler reisten als Spitzenreiter mit sieben Siegen aus acht Spielen und reichlich Selbstvertrauen an. Direkt nach zwei Minuten prüfte der zu Beginn sehr auffällige Niehoff VfB-Keeper Jhonny Peitzmeier. Wenig später brach Niehoff erneut durch, VfB-Kapitän Marcel Appiah griff im letzten Moment zu einem taktischen Foul und sah zurecht Gelb (5. Minute). Die Oldenburger brauchten merklich Zeit, um sich auf die beweglichen Gäste einzustellen, hatten dann aber die erste Riesenchance der Partie. Nach einer Ecke von Buchtmann kam Wegner frei zum Kopfball, setzte seinen Versuch aus sechs Metern jedoch ganz knapp am Tor vorbei (13.). Als dann Marc Schröder im Strafraum gefoult wurde und Schiedsrichter Dominik Kopmann auf den Punkt zeigte, hätte der VfB führen müssen. Doch Buchtmann scheiterte mit seinem flach und zu schwach in die rechte Ecke geschossenen Elfmeter an Kiel-Keeper Noah Overbeck (19.).
Dennoch: Der VfB war in dieser Phase das tonangebende Team, hätte durch Wegner in Führung gehen können (29.) und durch Möschl müssen (32.). Der Österreicher köpfte nach schöner Kombination über Schröder (auffälligster Oldenburger) und Aurel Loubongo aus drei Metern gegen den Fuß von Overbeck, der gar nicht mehr reagieren konnte, aber Glück hatte, den Ball abzubekommen. Gegen Ende der ersten Halbzeit bekamen die Gäste erneut Oberwasser, ohne dabei zwingend zu werden. Torlos ging es in die Kabinen.
Kieler Doppelschlag, Appiah fliegt
Ohne Wechsel ging es nach der Pause weiter, Wegner hatte gleich eine kleine Chance auf das 1:0 (47.). Auf der anderen Seite blockte Leon Deichmann im letzten Moment gegen Stanislav Fehler (54.) – doch dann lag der VfB zurück. Nach einem Konter legte Fehler perfekt quer auf den starken Niehoff, der den Ball ins Tor grätschte (55.). Der in dieser Phase überragende Fehler – mit acht Treffern aktuell Top-Torjäger der Regionalliga Nord – nutzte dann eine Schläfrigkeit von Appiah aus, überlief den VfB-Kapitän, legte perfekt quer auf Kulikas, der nur noch zum 2:0 einschieben musste. „Gekrönt“ wurden diese Schock-Minuten für die Oldenburger durch den Platzverweis für Appiah: Kilic wollte den Abwehrchef gerade durch Markus Ziereis ersetzen, der Stürmer stand schon bereit, da leistete Appiah sich ein weiteres Foul und sah Gelb-Rot (61.). Innerhalb von sechs Minuten war eine bis dato ausgeglichene Partie vorentschieden.
Trotz der Unterzahl setzte Kilic alles auf eine Karte, brachte Ziereis für Nico Knystock und gab damit noch einmal ein offensives Signal an die Mannschaft. Der VfB mühte sich zwar, torgefährlicher blieben aber die Gäste, die nun natürlich auch mehr Räume bekamen. Ziereis hatte noch die beste Gelegenheit auf den Anschluss, seine Direktabnahme geriet jedoch zu zentral (75.). Die Kieler brachten den Sieg souverän nach Hause.
Dem VfB bleiben nun 46 Stunden, um sich auf das Landespokal-Halbfinale vorbereiten. An diesem Dienstag (15 Uhr) geht es bei Liga-Rivale BW Lohne (verlor am Samstag 0:3 gegen Weiche Flensburg) um den Einzug in das Endspiel.
Die Aufstellungen
VfB: Peitzmeier - Knystock (64. Ziereis), Deichmann, Appiah, Schröder - Plume - Buchtmann (72. Hajdinaj), Demaj (72. Plautz), Möschl (84. Sarrasch), Loubongo - Wegner.
Kiel II: Oberbeck - Carrera, Rankic, Lelle (77. Ottilinger)- Rosenboom, Wolf, Mai, Coß - Niehoff (87. Von Esebeck), Kulikas (68. Sohn), Fehler (77. Saka).
