Oldenburg - Als das „Ende der Negativspirale“, wie Fuat Kilic es bezeichnete, gerade in den Köpfen der Spieler des VfB Oldenburg angekommen war, machte der neue Cheftrainer des Fußball-Drittligisten eine deutliche Ansage. „Ich bin gerade in die Kabine gegangen und habe gefragt: Ist das alles, was ihr drauf habt? Sie sollen das genießen, damit man geil darauf ist, diese Atmosphäre Woche für Woche in der Kabine zu haben“, sagte Kilic nach dem hart umkämpften, verdienten, am Ende aber glücklichen 2:1 (1:1)-Sieg seiner neuen Mannschaft gegen Borussia Dortmund II: „Darum geht es doch im Fußball: Dass man hart arbeitet und dafür belohnt wird. Sie sollten mit den Fans feiern, das haben sie sich verdient“, legte Kilic nach.
Klare Botschaft
Die Botschaft des Nachfolgers von Dario Fossi kam am späten Mittwochabend unmissverständlich herüber. Die Köpfe der zuvor durch nur einen Sieg aus den vergangenen 16 Partien auf den letzten Platz abgerutschten VfB-Spieler sollen wieder freier werden, die Atmosphäre positiver. Kurzum: Kilic möchte eine Aufbruchstimmung erzeugen, was mit dem Sieg beim Debüt und den Sprung auf Platz 18 schon mal gut gelang. „Ich werde die Jungs nicht bremsen, wenn sie monatelang auf einen Sieg gewartet haben. Im Gegenteil: Sie sollen das mitnehmen – und am besten am Samstag wiederholen. Das wäre ein Traum.“ Klar, der Kopf des Trainers war relativ schnell bereits beim nächsten Kellerkrimi an diesem Samstag (14 Uhr) bei der SpVgg Bayreuth, die mit einem Zähler mehr auf dem Konto da steht, wo der VfB hin will: auf dem ersten Nichtabstiegsplatz. „Jetzt regenerieren. Pflege, Pflege, Pflege“, sagte der 49-Jährige. Der VfB übernachtete in Hannover im Hotel, trainierte am Donnerstag in der Landeshauptstadt und fuhr dann weiter nach Bayern.
Erster Glücksgriff
Zwei Glücksgriffe waren es indes, die Kilic und den VfB nur drei Tage nach seiner Vorstellung als Fossi-Nachfolger zum Sieg verhalfen. Zum einen: Linus Schäfer. Der 19-Jährige spielte bei seinem Startelf-Debüt stark auf, erzielte die frühe Oldenburger Führung (8. Minute) und wusste auf der rechten Seite zu überzeugen. „Linus hat mir sehr gut gefallen, als er hereingekommen ist in Osnabrück“, erklärte Kilic. „Ich habe Tempo gesehen, Selbstbewusstsein im Dribbling. Wir wollten Spieler haben, die in die Box gehen und das Eins-gegen-Eins suchen – so wie bei seinem ersten Tor. Volles Risiko gehen“, führte der Coach weiter aus. Schäfer war vehement nach innen gezogen, schoss den Ball knallhart in die kurze Ecke. „Man hat den größeren Willen bei uns gesehen. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit gesteigert und verdient gewonnen“, sagte der Tor-Debütant. Ihm sei es egal, „ob er 16, 18 oder 33 Jahre alt ist. Er war im Training noch etwas überhastet, nachdem ich ihm signalisiert habe, dass er starten wird. Wir haben dann versucht, ihn zu beruhigen. Er hat die Rückendeckung von uns, kann frei aufspielen“, erklärte derweil Kilic. Einziger Wermutstropfen war, dass Schäfer nach 62 Minuten an den Adduktoren angeschlagen ausgewechselt werden musste – sein Einsatz in Bayreuth steht auf der Kippe.
Zweiter Glücksgriff
Der zweite Glücksgriff von Kilic war einer aus der Kategorie glückliches Händchen. Erst in der 85. Minute hatte der Coach Ayodele Adetula eingewechselt – nur zwei Minuten später war der in dieser Saison zuerst von einer Verletzung zurückgeworfene und dann meist unglücklich agierende Außenstürmer der umjubelte Matchwinner. Bei einem Konter startete Adetula pfeilschnell durch, wurde ideal von Rafael Brand eingesetzt und traf – auch weil sein Schuss abgefälscht wurde – zum ersten Erfolg nach fünf Niederlagen in Serie. „Es fühlt sich richtig geil an“, atmete VfB-Torwart Sebastian Mielitz, der mit einem gehaltenen Elfmeter (43.) und einem sensationellen Reflex gegen einen satten Schuss von Bjarne Pudel (80.) einen großen Anteil am Sieg hatte, tief durch. Und sagte etwas, das sein neuer Trainer sicher gerne hören wird: „Das Gefühl möchte ich am liebsten jede Woche haben.“
