Oldenburg - Bis jetzt war es ein einziges Hinterhergerenne: Seitdem der VfB Oldenburg den Saisonauftakt in der Fußball-Regionalliga verpatzt hat, nach sieben Spielen Trainer Benjamin Duda freistellte und nach zehn Partien nur auf Rang 13 lag, kämpft er um den Anschluss an die Spitzengruppe – und darum, dass der von den meisten Trainern zum Titelfavoriten auserkorene Drittliga-Absteiger noch ein Wort um die Meisterschaft mitreden kann. 19 von 21 möglichen Punkten aus den letzten sieben Spielen unter Rückkehrer Fuat Kilic, ein anderes Auftreten und eine zurückgewonnene Siegermentalität machen es möglich, dass der VfB nun an diesem Sonntag (14 Uhr) im Spitzenspiel gegen Phönix Lübeck die Chance hat, mit einem Sieg wieder ein Teil des Titelkampfes zu werden.
„Sind auf gutem Weg“
„Das hört sich erstmal gut an“, sagt Kilic zu der Erfolgsserie des VfB, dem gegen Phönix erneut Sebastian Mielitz, Justin Plautz, Christopher Buchtmann und Pascal Richter verletzt fehlen werden. Als inzwischen Tabellenfünfter (29 Punkte) nun aber vor dem Duell mit dem Dritten aus Lübeck (34; zwei Spiele weniger) den großen Angriff herauszuposaunen, liegt nicht in der Natur des 50-Jährigen. „Wir sind auf einem guten Weg. Die Jungs sind sich nicht zu schade, hart für den Erfolg zu arbeiten. Dafür werden wir belohnt. Alles andere ist sehr weit weg“, nennt Kilic lieber die Gründe, wieso er mit seinem Team aktuell zufrieden ist, als über die Chancen im Titelkampf zu sprechen: „Wir wollen den Leuten guten Fußball zeigen und die Emotionalität auf die Ränge bringen, das ist uns mehr und mehr gelungen.“ Zuletzt beim 2:1 gegen BW Lohne habe es eine „fantastische Atmosphäre für diese Witterung“ im Marschwegstadion gegeben.
Darauf vertraut der VfB auch im vorletzten Heimspiel des Jahres – und auf seine formstarken Außen. War es in den Vorwochen oft Aurel Loubongo, der mit seiner Schnelligkeit wichtige Akzente setzte, gelang gegen Lohne Linus Schäfer jene Aktion, die die Wende brachte. Sein Sololauf nach 66 Minuten zum 1:1 heizte nicht nur den VfB, sondern auch die Stimmung auf den Rängen an – und leitete so den 2:1-Sieg ein. „Linus hat etwas Besonderes“, sagt Kilic immer wieder über die Fähigkeiten des 20-Jährigen, den er schon in der 3. Liga stark gemacht hatte. „Fuat hat mir in der letzten Saison echt gut weitergeholfen, aber auch der gesamten Mannschaft. Er gibt mir auch jetzt die Sicherheit, die ich brauche, um die entsprechende Leistung zu bringen“, sagt indes Schäfer, der Teile der Sommervorbereitung verpasste hatte, dann mit Sprunggelenksproblemen kämpfte, nun aber wieder voll da ist.
Serie laufen lassen
„Wir müssen gucken, dass wir den Jungen behutsam entwickeln. Wie er das Ding zum 1:1 wegmacht, zeugt von einem großen Selbstvertrauen für einen 20-Jährigen“, lobt der Chefcoach seinen Schützling, bei dem er offensichtlich auch in puncto Kommunikation bereits Spuren hinterlassen hat. Angesprochen von unserer Redaktion auf die Chancen im Titelkampf sagte Schäfer nämlich direkt nach dem Lohne-Coup: „Da gibt es einfach die Floskel: Wir blicken von Spiel zu Spiel. Wir wollen die Serie, die wir gestartet haben, weiterlaufen lassen und dann werden wir sehen, was dabei herauskommt.“
Zurückhaltender hätte es auch Kilic nicht formulieren können. Und dennoch ist klar: Gewinnt der VfB den Rückrundenauftakt gegen Phönix, ist wieder ganz viel möglich im schon verloren geglaubten Kampf um die Meisterschaft.
