Oldenburg - Mehr als 6000 Tickets hat der SV Meppen bereits für das Heimspiel an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) abgesetzt, der Gästeblock mit den Fans des VfB Oldenburg wird proppevoll sein. Es gibt wohl kaum ein besseres Spiel als das Nordwest-Derby der beiden Drittliga-Absteiger, um sich einen Eindruck über den Leistungsstand des VfB zu verschaffen – und genau das wird Thomas Schaaf (62) tun. Das sagte der neue Externe Berater des VfB am Montag in einem Gespräch mit unserer Redaktion und sprach dabei über seine neue Rolle und seine Vorstellungen, wie er dem Fußball-Regionalligisten künftig (ehrenamtlich) helfen will.
Art Mentorfunktion
„Das gehört für mich dazu, um für Andreas Boll (Anm. d. Red.: Sportvorstand) und Sebastian Schachten (Sportleiter) ein guter Ansprechpartner zu sein. So können wir uns austauschen darüber, was ich sehe und denke und was sie sehen und denken“, sagte Werder Bremens Double-Trainer von 2004 über seine Beraterrolle, die der VfB am Nikolaustag des Vorjahres überraschend verkündet hatte und über die er nun erstmals öffentlich sprach. Er sei „kein Teil des Tagesgeschäfts“, sondern dafür da, „um im Hintergrund unterstützende Arbeit zu leisten, damit der VfB etwas aufbauen kann und die Gedanken und Pläne umsetzen kann.“ Er werde im sportlichen Bereich eine Art „Mentorfunktion“ einnehmen und Schachten und Boll „zur Seite stehen.“
„VfB war immer Thema“
Immer wieder benutzte Schaaf bei der Beschreibung seiner Rolle und Ideen folgende Begriffe: Struktur, Organisation, Entwicklung. Von 2018 bis 2021 hatte er als Technischer Direktor von Werder Bremen für große Teile des Nachwuchsbereiches und der Akademie verantwortlich gezeichnet, davon soll jetzt auch der VfB profitieren. „Wenn man in der Branche tätig ist, guckst Du überall hin, Du guckst im Speziellen auch auf deine Region. Was passiert um Dich herum? Der VfB war da immer ein Thema für mich“, sagte er über seine Beweggründe. „Ich gucke mir von außen den Verein an: Wer macht was? Wie sind die Strukturen? Ist eine Linie zu erkennen? Ich habe über Oldenburg immer gedacht: Da müsste und könnte doch noch mehr passieren“, berichtete Schaaf. Er habe in den Gesprächen mit den Verantwortlichen um Vorstand Helmut Jordan und Geschäftsführer Michael Weinberg schnell festgestellt: „Es existiert hier eine Einigkeit, was die Idee ist. Der VfB hat einen Plan, eine Idee, eine Struktur und ist meiner Meinung nach auf dem richtigen Weg.“
Konzepte entworfen
Schaaf selbst hatte schon als Spieler im Bremer Jugendbereich als Trainer gearbeitet – und sich früh für das große Ganze interessiert. „Ich habe später Konzepte für den Nachwuchsbereich geschrieben, habe mich bei Werder um Organisation und Struktur mitgekümmert und habe das Nachwuchsleistungszentrum mitgeführt und entwickelt. So etwas mache ich gerne, da habe ich mich auch bei Eintracht Frankfurt und Hannover 96 mit konfrontiert. Ich halte das für ganz wichtig für einen Verein“, sagte Schaaf. Er glaube, beim VfB sei „schon vieles passiert“ zuletzt: „Es wurde vieles in die richtigen Strukturen gebracht. Jetzt geht es darum, dass sportlich dieser Weg gegangen wird, dass man eine Nachwuchsarbeit installiert, die die Möglichkeit schafft, kontinuierlich Spieler in der ersten Mannschaft wiederzufinden. Für die erste Mannschaft muss das passende Umfeld gesichert werden. Welche Teams braucht der VfB als Unterbau? Welche Trainingsmöglichkeiten sind da? Da gehört noch vieles mehr zu.“
Problem Unterbau
Ein großes Problem des Vereins – dass die zweite Männermannschaft lediglich in der 2. Kreisklasse dahinsiecht – ist natürlich auch Schaaf nicht entgangen. „Es wäre gut, eine Zweite zu haben, die als Übergang fungiert. Das kann eine feste Mannschaft sein, das kann aber auch eine flexible Mannschaft sein – ein Talentteam“, nannte Schaaf als Idee und führte aus: In seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt hatte der Club die U 23 gerade abgeschafft. Er habe daraufhin den Profi-Kader größer gebaut, junge Spieler dazugenommen und für sie sowie die in der Ersten nicht eingesetzten Spieler Woche für Woche viele Testspiele gemacht. „Da waren auch 16-Jährige dabei, die gut waren. Aus dieser Mannschaft ist damals ein Spieler wie David Kinsombi (heute SC Paderborn) herausgekommen“, berichtete Schaaf. Die Frage sei zwar: „Ist das der Wettkampf, den wir haben wollen? Den habe ich nur im Ligabetrieb“, formulierte der 62-Jährige. Man müsse aber das ganze Paket sehen, was für den VfB am sinnvollsten ist. „Je länger die, die hinten dran sind, nicht spielen, desto mehr verliere ich sie. Der VfB will die erste Mannschaft so stark aufstellen, wie es nur geht. Dazu gehört es, einen Unterbau zu schaffen“, betonte Schaaf.
In 3. Liga festigen
Im Auswärtsspiel in Meppen bekommt Schaaf zumindest ein Gefühl dafür, ob der VfB in dieser Saison noch mal oben angreifen kann. Dass es mindestens mittelfristig zurück in die 3. Liga gehen soll, steht für den früheren Erfolgstrainer außer Frage: „Das ist doch klar. Der VfB will sich in so einer Liga wiederfinden und festigen. Der Gedanke ist, kontinuierlich etwas zu erreichen“, sagte Schaaf.
