Oldenburg - Auf der LED-Anzeige der 53acht-Arena leuchtete letztlich ein schnödes 1:1. Mal wieder ein Unentschieden, schon das neunte im 13. Saisonspiel für den SSV Jeddeloh. Und nur ein Remis – auch bereits das fünfte – für den favorisierten VfB Oldenburg. Die nackten Zahlen könnten vermuten lassen, dass die 2150 Zuschauer am Küstenkanal am frühen Samstagabend enttäuscht nach Hause gehen mussten. Tatsächlich hatten sie zwar kein hochklassiges, dafür aber ein hochspannendes, hitziges und am Ende dramatisches Nordwest-Derby in der Regionalliga Nord gesehen, das gleich fünf Aufreger lieferte und das reichlich Stoff für Diskussionen bot.
Aufreger Nummer eins
Nach einem verhaltenen Beginn hatte der VfB zwischen der 15. und 25. Minute eine gute Phase – und forderte nach 20 Minuten vehement Elfmeter. Aurel Loubongo spitzelte den Ball im Strafraum an Michel-Leon Hahn vorbei und wurde von Jeddelohs Verteidiger deutlich am Fuß getroffen. Schiedsrichter Niklas Olle verzichtete auf einen Pfiff direkt vor dem mit 600 Gäste-Fans besetzten und entsetzten VfB-Block. „Wir müssen einen klaren Elfmeter bekommen, dann führst du 1:0 und kannst Dinge korrigieren“, sagte Oldenburgs Trainer Fuat Kilic.
Aufreger Nummer zwei
Direkt verbunden mit dieser Sequenz war jedoch Aufreger Nummer zwei. Oldenburgs Noah Plume war resolut im Mittelfeld in einen Zweikampf mit Jeddelohs Marcel Gottschling gegangen, hatte mit seiner Grätsche zuerst den Ball, aber auch den Gegenspieler getroffen. Gottschling blieb am Boden liegen, Jeddelohs Bank forderte lautstark „Spielt den Ball ins Aus“ als Fairplay-Geste. Loubongo und Co. aber spielten auf der linken VfB-Seite weiter, während Gottschling rechts lag – die VfBer reagierten wohl auch wegen der Dynamik des Spiels nicht. So kam es zu der geschilderten Strafraum-Szene. „Ich glaube, den VfB-Elfmeter in der ersten Halbzeit hätte man geben können, aber ich habe mich geärgert, dass sie vorher den Ball nicht ins Aus spielen, obwohl ein Spieler von uns am Boden liegt“, ärgerte sich SSV-Coach Key Riebau.
Aufreger Nummer drei
Das dritte große Gesprächsthema war das Slapstick-Eigentor des VfB. Zwischen der 25. und 40. Minute hatte der SSV seine beste Phase, kam mehrfach zu kleineren Chancen. Einen langen Diagonalball in der 36. Minute köpfte Oldenburgs Patrick Möschl am eigenen Fünfmeterraum quer zu Leon Deichmann, der wiederum den Ball mit dem Kopf zurück zu Torwart Jhonny Peitzmeier spielen wollte – ihn stattdessen aber gegen den Lauf des Keepers im hohen Bogen ins eigene Tor köpfte. „Da kann ich nicht zweimal den Ball vor dem eigenen Tor rumköpfen wollen. ,Deiche’ weiß selbst, dass er den Ball weghauen und klären muss. Dann schießt der Gegner niemals ein Tor“, kritisierte Kilic.
Aufreger Nummer vier
Fortan lief der in der ersten Halbzeit blasse und in der zweiten Halbzeit überlegene VfB dem 0:1 hinterher, vergab mehrere gute Gelegenheiten zum Ausgleich. Der SSV konzentrierte sich zu sehr auf das Verteidigen der Führung, schaffte kaum Entlastung und spielte die wenigen Konter zu schlecht aus. Nachdem VfB-Stürmer Max Wegner wegen wiederholten Foulspiels zurecht die Gelb-Rote Karte gesehen hatte (90.+1), jubelte der VfB doch noch nach der letzten Aktion in der 95. Minute. Einen langen Ball von Möschl köpfte Linus Schäfer an die Latte, den Abstauber drückte Markus Ziereis in bester Mittelstürmer-Manier über die Linie. „Wir haben eine riesige Moral gesehen. Jeder von uns hat dran geglaubt, die Mentalität hat gestimmt. Das ist der nächste Entwicklungsschritt“, lobte Kilic die Mentalität des Teams, das nach drei Erfolgen zuvor zum vierten Mal in Serie unbesiegt blieb. „Wenn man so ein spätes Gegentor bekommt, nervt das einfach“, sagte indes SSV-Trainer Riebau.
Aufreger Nummer fünf
Wie bei der umstrittenen Strafraum-Szene in Halbzeit eins war auch mit dem 1:1 ein weiterer Aufreger verbunden. Auf Videobildern und Screenshots ist zu sehen, dass der von der Torlatte abprallende Ball zunächst gegen die Hand von Ziereis sprang. Einem Videobeweis, den es in der Regionalliga natürlich nicht gibt, hätte diese Szene nicht standgehalten. „Dem Tor ging ein klares Handspiel vom Torschützen voraus, wodurch es natürlich irregulär war. Das hätte das Schiedsrichtergespann sehen müssen. Die Szene ist eindeutig – und in der letzten Minute der Nachspielzeit in solch einem Spiel natürlich doppelt bitter für uns“, haderte SSV-Aufsichtsrat Ansgar Schnabel, kam aber zu einem Fazit, das beide Seiten letztlich teilten: „Mit ein wenig Abstand ist das Unentschieden insgesamt gerecht.“

