Oldenburg - Während die Seriensieger der SV Drochtersen/Assel im Mannschaftskreis lautstark „Auswärtssiege sind schön“ sangen, schlichen die Spieler des VfB Oldenburg am Sonntagnachmittag mit hängenden Köpfen vom Platz. Die Bilder nach dem aus VfB-Sicht zunächst schwachen und später unglücklichen 1:3 (1:3) vor 2533 Zuschauern im Marschwegstadion sprachen für sich. Hier ein nach der zweiten Niederlage in Serie enttäuschter und auf Platz acht abgerutschter VfB, da eine nach dem sechsten Sieg und dem elften ungeschlagenen Spiel in Folge begeisterte SVA. Oldenburgs schwarze Heimserie hält damit an – der VfB ist in der Regionalliga Nord in ihrer jetzigen Form weiter ohne Sieg im Marschwegstadion gegen Drochtersen/Assel (drei Niederlagen, zwei Remis).
Den Gegner eingeladen
„Wir haben den Gegner zu Kontern eingeladen. Alle drei Tore sind aus Kontern entstanden“, analysierte VfB-Kapitän Patrick Möschl. Dem 0:1 durch Moritz Göttel ging ein leichter Ballverlust von Noah Plume im Spielaufbau voraus (7. Minute), beim 0:2 durch Göttel sah die rechte Oldenburger Abwehrseite schlecht aus (12.).
Der im Vergleich zum 0:1 bei Teutonia Ottensen auf vier Positionen veränderte VfB fand vor den Augen des neuen Beraters und Ex-Werder-Trainers Thomas Schaaf zu Beginn in den Zweikämpfen kaum statt, hatte Probleme mit dem intensiven Anlaufen der Gäste und verlor viel zu oft den Ball. „Das erste Gegentor schießen wir uns quasi selber rein – und dann laufen wir hinterher“, sagte Möschl. „Das war gerade in der ersten Halbzeit zu wenig. In den entscheidenden Situationen waren wir nicht richtig da. Wir haben heute eine Konteranfälligkeit gezeigt“, erklärte auch VfB-Torwart Jhonny Peitzmeier.
Erst nach 17 Minuten kamen die ansonsten so heimstarken Oldenburger (vorher nur eine Niederlage) erstmals gefährlich nach vorne, als ein Schuss von Rafael Brand aus spitzem Winkel gehalten wurde. Der VfB fand etwas besser ins Spiel, Kamer Krasniqi vergab die erste Großchance auf ein Tor (27.), dann fiel der Anschluss. Markus Ziereis staubte in Torjägermanier ab (31.).
Aufreger vor der Pause
Nach 37 Minuten sahen die Zuschauer den größten Aufreger: Nach einem langen Ball sprintete Elsamed Ramaj auf Strafraumhöhe frei durch und spitzelte den Ball an dem herauseilenden Patrick Siefkes vorbei. Der Gäste-Torwart kam zu spät, trat Ramaj rustikal um – Gelb für den Torhüter und Elfmeter oder Rot wegen Notbremse und Freistoß für den VfB wäre die richtige Entscheidung gewesen. „In meinen Augen ist es physikalisch unmöglich, dass der Torhüter den Ball gespielt haben soll, der seitlich im Aus landet. Er war letzter Mann, ein klares Foulspiel“, haderte VfB-Trainer Fuat Kilic. Während auf den Rängen noch Unruhe herrschte, konterte Drochtersen erneut eiskalt: Felix Schmiederer schob völlig frei zum 3:1 ein (40.).
Kilic reagierte, brachte kurz nach der Pause Max Wegner und Linus Schäfer und stellte auf eine offensivere Formation um. Nach einem Freistoß von Brand köpfte Wegner zum vermeintlichen 2:3 ein, stand bei der Flanke jedoch im Abseits (59.). Schäfer zog seinen Schuss knapp am Tor vorbei (65.). Die Gastgeber waren nun bestimmend. Buchtmanns Abschluss kam zu zentral (67.), auch Wegner köpfte zu mittig (75.). Und es gab es zwei weitere strittige Situationen im Strafraum mit Schäfer und Brand. Die größte Chance auf das 2:3 vergab Möschl, sein Kopfball aus wenigen Metern ging gegen den Pfosten (88.). In der Nachspielzeit traf zudem Schäfer aus spitzem Winkel das Außennetz.
„Ist sehr enttäuschend“
„Ich habe ein Problem damit, wenn man die Rot-Situation und zwei Elfmeter laufen lässt. Aber wenn man das anspricht, heißt es, man sucht nach Ausreden. Es ist schade, denn das waren Schlüsselmomente, die die Partie in eine andere Richtung hätte lenken können“, sagte Kilic und stellte zum Spiel fest: „Es ist sehr enttäuschend, wenn man sieht, wie viele Spielanteile und Torchancen wir haben. Wir haben in der ersten Halbzeit zu wenig zweite Bälle gewonnen, nach der Pause haben wir unser Zentrum gestärkt. Der Gegner hat in der zweiten Halbzeit nicht mehr auf unser Tor geschossen. Für mich ist das schwer zu verdauen. Uns bringt der ganze Ballbesitz und die Torchancen nichts, wenn wir uns nicht für diesen Aufwand belohnen.“
