Oldenburg/Bensheim - Auf nationaler Ebene sorgen die Pokal-Spezialistinnen des VfL Oldenburg seit Jahren für Furore. Gerade erst qualifizierte sich die Mannschaft von Trainer Niels Bötel zum dritten Mal in Folge für das Endrundenturnier im DHB-Pokal. Viermal schon gewann der VfL die nationale Trophäe. Jetzt kann er seinen Ruf auch international aufpolieren. Nachdem der Club zwischenzeitlich aus wirtschaftlichen Gründen nicht an einem Europapokalwettbewerb teilgenommen hatte und erst im Vorjahr zurückkehrt war, besteht nun die große Chance, sich erstmals seit 2017 wieder für die Gruppenphase in einem europäischen Handball-Wettbewerb zu qualifizieren.

Wie sich Geschke und Co. schlugen

Das letzte Mal, dass eine VfL-Mannschaft in die Gruppenphase einzog, war in der Saison 2016/17 gewesen. Das Team des damaligen Trainers Leszek Krowicki hatte in der 3. Qualifikationsrunde des EHF-Cups im November 2016 den dänischen Vertreter Team Tvis Holstebro mit 27:25 und 31:21 ausgeschaltet. Das VfL-Spiel prägten vor sieben Jahren solche Ausnahme-Handballerinnen wie Inger Smits, Kelly Dulfer (heute beide SG Bietigheim) und Angie Geschke (Karriereende als Profi). In der danach anstehenden Gruppenphase gelang nur ein Sieg (29:28 bei Nantes Loire Atlantique/Frankreich). Da die Oldenburgerinnen gegen Randers HK aus Dänemark und gegen IK Sävehof/Schweden das Nachsehen hatten, beendete der VfL die Runde am 12. Februar 2017 mit 2:10 Punkten nur auf dem vierten und letzten Rang und schied aus.

„Für einen Verein wie den VfL ist das jetzt schon eine Erfolgsgeschichte“, sagt Bötel vor den beiden Duellen mit dem Bundesliga-Konkurrenten HSG Bensheim/Auerbach in der 3. Qualifikationsrunde der European League. Das Hinspiel in Südhessen findet an diesem Samstag (18 Uhr), das Rückspiel in Oldenburg am Sonntag, 19. November (16.30 Uhr, kleine EWE-Arena), statt. Der Gewinner aus beiden Partien überwintert in der European League und sichert sich die Teilnahme an der im Januar startenden Gruppenphase.

An diesem Samstag geht es für den VfL also darum, sich eine gute Basis für das Rückspiel zu schaffen – und nicht zuletzt auch darum, die am Mittwochabend erlittene 25:29-Niederlage im Bundesligaspiel in Leverkusen ausblenden zu können. „Wir verfügen in Bezug auf die Dreifachbelastung über eine noch sehr unerfahrene Mannschaft. Nur kurz zu regenerieren und sich gleich wieder auf einen Gegner einzustellen, gehört auch zum Lerneffekt. Wir wollen die Mannschaft weiter entwickeln und das ist das Schöne an einer englischen Woche, dass wir dazu gleich wieder eine Gelegenheit haben“, sagt Bötel vor dem Gastspiel in Bensheim.

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Hauke Richters
Oldenburg

Beim Namen HSG Bensheim/Auerbach schrillen bei nicht wenigen VfL-Fans die Alarmglocken. Auch die VfL-Frauen haben selbstredend die letzte Partie gegen die Mannschaft von Trainerin Heike Ahlgrimm auf dem Schirm, beendete der Gegner von der Bergstraße doch am 18. Oktober mit dem 29:27-Erfolg Oldenburgs stolze Heimbilanz. Das Bötel-Team, das zuvor saisonübergreifend neun Bundesliga-Heimspiele unbesiegt geblieben war, musste sich erstmals in diesem Jahr in der eigenen Arena geschlagen geben. „In dem Spiel war garantiert mehr für uns drin“, sagt Bötel und hofft darauf, dass seine Spielerinnen nach der Videoanalyse schon an diesem Samstag erfolgreicher agieren können.

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Leverkusen

Die Oldenburgerinnen hatten sich im Oktober keineswegs als die schlechtere Mannschaft präsentiert. Allein die vielen vergebenen Torchancen kosteten den VfL zumindest ein Remis. Bötel weiß aber auch: „Grundsätzlich ist Bensheim ein extrem schweres Los für uns. Der Gegner verfügt über viel Erfahrung und geht als klarer Favorit in diese beiden Spiele. Wenn wir die 120 Minuten offen gestalten wollen, dann muss bei uns schon viel zusammenkommen.“ Ob dem VfL Toni Reinemann zur Verfügung steht, vermochte Bötel noch nicht zu sagen. Die Jung-Nationalspielerin hatte in Leverkusen einen Schlag aufs Knie bekommen und droht für das Hinspiel auszufallen.