Derby hat rund 570 Mitarbeiter
Derby Cycle
wurde vor 89 Jahren gegründet. U.a. unter den Marken Focus und Kalkhoff ist Derby heute als einzigartiger Vollsortimenter Marktführer in Deutschland. In 2008 wurden etwa 530 000 Fahrräder verkauft. An den Standorten Cloppenburg und Quakenbrück arbeiten rund 570 Mitarbeiter. Das Unternehmen hat mehr als 2500 Kunden.Die neuen Fahrräder mit elektro-mechanischer Tretunterstützung sind zurzeit das Thema in der Fahrradbranche. Derby will im nächsten Jahr 20 000 bis 30 000 Exemplare absetzen.
Von carsten mensing
Cloppenburg Anfang Mai 2007 radelte Ministerpräsident Christian Wulff mit einem chinesischen „E-Bike“ (Fahrrad mit elektro-mechanischer Tretunterstützung) über den Campus der Tongji-Universität von Shanghai – zahlreiche Blitzlichter und Fotoapparate klickten seinerzeit.
Eines dieser Bilder sah der Geschäftsführer der Derby-Cycle-Werke in Cloppenburg, Mathias Seidler, in einem bundesweit erscheinenden Polit-magazin – und er ärgerte sich. Schließlich ist Derby der drittgrößte Fahrradproduzent Europas und ein Vorreiter in Sachen „E-Bike“. Spontan schrieb Seidler seinerzeit eine E-Mail an Wulff mit der Aufforderung, sich doch einmal von der Qualität der E-Bikes aus seinem Bundesland zu überzeugen.
Gesagt, getan: Am Montagnachmittag war es soweit. Mit exakt 28 Minuten Verspätung rauschte der Ministerpräsident in seinem Audi A 8 auf das Derby-Firmengelände, um das Erfolgsrezept von Deutschlands größtem Fahrradhersteller zu studieren.
Geschäftsführer Seidler konnte in der Tat beeindruckende Zahlen präsentieren. Nach herben Verlusten in den Jahren 2000 und 2001 mit der Schließung des Werkes Rostock habe Derby kontinuierlich an Fahrt aufgenommen. So wird das Unternehmen in diesem Jahr rund 530 000 Fahrräder verkaufen und damit 140 Millionen Euro umsetzen. Seidler: „Low-Tech-Arbeitsplätze im deutschen Mittelstand sind auch in Zeiten der Globalisierung möglich.“
Derby habe – so Seidler weiter – den Umwandlungsprozess von einem Massen- zu einem Markenhersteller geschafft. Der durchschnittliche Abgabepreis an den Handel habe sich pro Rad von 212 auf mittlerweile 257 Euro erhöht. Außerdem sei die Exportquote gewaltig gestiegen: Nur Nordamerika und Australien sind noch weiße Flecken auf der Landkarte.
Weiteres Potenzial sieht Seidler in Anbetracht der explodierenden Benzinpreise vor allem im Berufsverkehr. Während von rund 42 Millionen deutschen Radfahrern 69 Prozent das Radeln als ihre liebste Freizeitbeschäftigung ansähen, sei das Fahrrad als Verkehrsmittel bislang nur von rund 24 Prozent geschätzt. Das „E-Bike“, von dem Derby im kommenden Jahr 20 000 bis 30 000 Einheiten absetzen will, sei dabei ein Problemlöser für umwelt- und verkehrspolitische Fragen, glaubt auch Wulff.
Nach einem Rundgang durch die Derby-Produktion machte Wulff eine „E-Bike“- Probefahrt – und war „begeistert“. Mit der schnellen Version kam er auf einer 250 Meter langen Strecke auf rund 38,5 km/h. Dass ihm Seidler nun allerdings ein Exemplar frei Haus nach Hannover liefern wird, wie seinerzeit der damalige Präsident der Uni Shanghai, Wan Gang, ist wohl eher unwahrscheinlich.
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